Reisebüros registrieren Umdenken

Familien mit Kindern ändern Reiseverhalten

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Jutta Oerder vom Reisebüro Lück in Valbert hat festgestellt, dass die Anzahl der Buchungen zwar nicht abgenommen hat, die Reiseziele aber oft nach anderen Kriterien als früher ausgewählt werden.

Meinerzhagen/Kierspe - Angst vor Attentaten an Flughäfen, Furcht vor Terroranschlägen am Urlaubsort. Die Vorfreude auf die eigentlich schönsten Tage im Jahr ist bei einigen Deutschen getrübt.

Das bekommt Jutta Oerder vom Valberter Reisebüro Lück fast täglich zu spüren – konkret am Verhalten ihrer Kunden. „Die Anzahl der Buchungen hat allerdings nicht abgenommen“, stellt sie fest.

Die Fachfrau in Sachen „Reisen“ hat für sich ohnehin beschlossen: „Ich würde immer in den Urlaub fliegen. Angst habe ich nicht.“ Manche Kunden denken da allerdings anders: „Wir hatten jetzt den Fall, dass eine Flugreise nach Mallorca storniert wurde. Die Angst vor dem Flug mit einem kleinen Kind ist inzwischen bei diesen Kunden zu groß“, schildert Jutta Oerder.

Und auch beim Urlaubsziel Türkei hat es im Reisebüro Lück schon Umbuchungen gegeben. „Da spielt sicherlich eine Rolle, dass generelle Warnungen herausgegeben werden und zu wenig differenziert wird. Ich selbst fliege im Herbst in die türkische Ägäis – und ich mache mir deshalb wirklich keine Sorgen“, bleibt Jutta Oerder gelassen.

Jeder müsse generell für sich selbst entscheiden, ob und wohin er in den Urlaub fliege. Da sei das Verhalten der Kunden auch sehr unterschiedlich, hat die Inhaberin des Valberter Reisebüros festgestellt. Jutta Oerder: „Einige buchen um, andere wählen gerade jetzt die Türkei aus. Dann wird oft als Grund angegeben, dass dieses Reiseziel zurzeit so günstig sei.“

Grundsätzlich hat Jutta Oerder in den vergangenen Wochen beobachtet, dass Familien mit Kindern sehr zurückhaltend sind, was Flugreisen oder Urlaub in bestimmten Regionen angeht: „Familien haben oft Angst, Pärchen und Alleinreisende eher nicht – das ist bei uns sehr stark zu spüren.“

Im Trend liegen nach Jutta Oerders Erfahrungen momentan Spanien und Griechenland. Und auch Fernreisen seien nach wie vor stark nachgefragt: „Kuba ist enorm beliebt und auch die USA oder die Dominikanische Republik. In den Vereinigten Staaten arbeiten wir zum Beispiel fast täglich Rundreisen für unsere Kunden aus.“

Dass die Buchungen nach den Terror-Anschlägen generell abgenommen haben, hat Monika Lehmann vom Holliday Land in Kierspe ebenfalls noch nicht festgestellt: „Es gibt aber ein Umdenken. Statt Türkei, Ägypten oder Tunesien sind jetzt bei uns die Reiseziele Spanien, Italien, Griechenland oder Bulgarien gefragt. Und auch Fernreisen gehen gut – das gilt vor allem für Thailand. Und an einem Tag haben wir fast ausschließlich kanarische Inseln gebucht.“

Stammkunden, so Monika Lehmann, würden ihren Reisezielen aber nach wie vor die Treue halten und weiter nach Ägypten oder in die Türkei fliegen.

Was Familien mit Kindern angeht, bestätigt die Kiersperin die Erfahrungen ihrer Valberter Kollegin Jutta Oerder: „Die sind eher vorsichtig.“ Dass der Terror generell und weltweit Auswirkungen hat, weiß auch Monika Lehmann: „Das gilt aber auch für Deutschland. Die Kanadier haben sogar eine Reisewarnung für unser Land herausgegeben“, berichtet sie.

Murat Er ist Inhaber des Reisebüros „Murat Reisen“ an der Hauptstraße. Er empfiehlt Urlaub in der Türkei nach wie vor: „Ich selbst bin oft da – und gehe mit meiner Familie überall hin. Ein Risiko sehe ich nicht.“ Auch deutschen Kunden habe er geraten, einen Urlaub in der Türkei ruhigen Gewissens zu buchen.

Dass das Land am Bosporus weniger gefragt sei als früher, liege auch an manchen Mitarbeitern anderer Reisebüros: „Dort wird inzwischen nach meiner Erfahrung im Beratungsgespräch oft gleich an anderes Land vorgeschlagen.“

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