Dubiose Werbung mit angeblichen Spottpreisen

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Matthias und Kerstin Knöbel mit Enja und Conner sind froh, nicht auf das dubiose Geschäft eingegangen zu sein.

Valbert - Schon 2010 waren sie Thema in der SAT 1-Sendung Akte. Damals hatte sich Moderator Ulrich Meyer mit einer perfiden Verkaufsmasche für Wintergärten beschäftigt. Mit der warb eine Firma aus Bredenbeck (Schleswig-Holstein) und bot Interessenten an, auf ihrem Privatgrundstück einen Wintergarten ans Eigenheim anzubauen: Für die Eigentümer sollte diese Leistung entweder komplett gratis oder lediglich mit einem zehnprozentigem Eigenanteil verbunden sein.

Im Gegenzug sollten die „neuen Besitzer“ zum einen monatlich 1000 Werbeflyer verteilen und zwei ernsthafte Kaufinteressenten werben, zum anderen zusätzlich über fünf Jahre viermal im Jahr Besucher an „Tagen der offenen Tür“ Einlass gewähren. In Anbetracht, dass es für diese Leistungen einen 38 000 Euro teuren Wintergarten geben sollte, ein offensichtlich lohnendes Geschäft.

Auch im Jahr 2014 ist die Firma „Terrassen-Glashaus“ aus Bredenbeck mit diesem Geschäftsmodell in ganz Deutschland unterwegs gewesen. In den „Kieler Nachrichten-Online“ war über ein gerichtliches Verfahren gegen die Firma zu lesen, dass sich ein Paar „bei der Unterzeichnung der Verträge unter Druck gesetzt gefühlt habe. Vor allem sei man über den Umfang des Werbevertrages trotz mehrfacher Nachfragen falsch informiert worden“. Besonders die Konditionen für die Flyerverteilung und Neukundenwerbung waren Anlass zur Kritik. Die Konsequenz: Man trat vom Vertrag bereits am nächsten Tag zurück. Damit war der Fall aber nicht erledigt. Da beim Vertragsabschluss auch das Widerrufsrecht ausgeschlossen wurde, forderte die Firma nun für dessen Auflösung 30 Prozent des Kaufpreises, mithin 11 400 Euro für nichts.

Und so wäre es wohl auch Familie Knöbel ergangen, hätte sie nicht den sprichwörtlich „richtigen Riecher“ gehabt. Seit 2006 bewohnen Kerstin und Matthias Knöbel mit ihren Kindern Enja und Conner ihr Eigenheim in Vorderhagen. Ein schmuckes Fertighaus mit Garten, in dem neben den Spielgeräten gut noch ein geräumiger Wintergarten stehen könnte. Da kam der Flyer der Firma Terrassen-Glashaus Ende vergangenen Jahres gerade recht. Wie üblich, wurde darin wieder nach Standorten für Präsentations-Wintergärten gesucht. „Wir haben uns dann telefonisch bei der Firma gemeldet und die Unterlagen direkt zugesandt bekommen“, so Matthias Knöbel im Gespräch mit der MZ. Anfang des Jahres folgte dann der vereinbarte Vertreterbesuch. Schnell hatte der „Fachmann“ einen geeigneten Standort entdeckt, die Objektbewertung des Hauses vorgenommen und noch einige persönliche Daten notiert. „Der hatte es so eilig, dass er noch nicht mal Platz nehmen wollte“, so Kerstin Knöbel. Im nächsten Schritt sollte ein ausführlicher Beratungstermin vereinbart werden, in dem es dann auch schon ums Eingemachte gegangen wäre.

Allerdings hatte man sich bei den Knöbels keine leichten Opfer ausgesucht. In aller Ruhe schaute sich das Ehepaar nochmals die Unterlagen an – diese hatte der Vertreter eigentlich erstmal wieder mitnehmen wollen. Dabei ließ besonders ein Passus erheblichen Zweifel an der Seriosität des Angebotes aufkommen. „Zur rechtlichen Information: Wird ein Vertrag geschlossen, unterliegt dieser nicht dem 14-tägigen Widerrufsrecht nach §312 BGB“, war schwarz auf weiß im Vordruck zu lesen.

Matthias Knöbel, der aktiver Feuerwehrmann in der Valberter Wehr ist, und seine Frau Kerstin recherchierten im Internet zur Firma „Terrassen-Glashaus“. Lange mussten sie nicht suchen, um erkennen zu können, um welche Art von dubiosen Geschäften es bei dem Unternehmen geht. „Wir sind froh, dass wir rechtzeitig gemerkt haben, was die eigentlichen Absichten der Firma sind, und hoffen, dass wir mit unserer Geschichte andere warnen können“, so das Ehepaar Knöbel.

Die Geschäftsleitung wollte sich auf telefonische Anfrage der MZ nicht äußern. „Schicken sie uns das mal schriftlich, dann überlegen wir, ob wir antworten“, hieß es aus dem Firmensitz in Bredenbeck. - jjh

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