Problem Mindestlohn? „8,50 Euro nicht genug“

Manfred Potempa findet die Einführung des Mindestlohnes absolut richtig. - Foto: Beil

Meinerzhagen -  Manfred Potempa ist Taxi-Unternehmer in Meinerzhagen. Seit Jahresbeginn soll er seinen gut 20 Mitarbeitern den Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro pro Stunde zahlen. Bereitet ihm diese gesetzliche Neuregelung Probleme? „Nein. Ich finde, dass nicht einmal diese Maßnahme weit genug geht. Elf Euro – auch das wäre angemessen.“

Von Jürgen Beil

„Natürlich wird das für viele von uns teurer. Über Fahrpreiserhöhungen müssen wir uns das Geld vom Kunden zurückholen. Und dennoch: Wer soll von einem Stundenlohn von unter 8,50 Euro denn leben. Die Mitarbeiter, die oft noch einen anderen Job haben, sind auf diesen Zuverdienst angewiesen und deshalb kann der Mindestlohn eigentlich nur ein Anfang sein“, findet Potempa. Natürlich müsse er jetzt aufpassen, dass seine Autos nicht mehr ständig „draußen“ seien. „Das trifft den Kunden.“ Dennoch: Wer ein Taxi haben möchte, werde auch eines bekommen. „Anruf genügt“, erläutert Potempa. Bei ihm sind übrigens etwa die Hälfte der Mitarbeiter fest angestellt. „Und die haben auch vorher schon mehr verdient als den Mindestlohn.“ Das gilt laut Potempa übrigens auch für all jene, die bei ihm keinen festen Vertrag haben.

Der Meinerzhagener Unternehmer absolviert aber auch Krankenfahrten und transportiert Menschen mit Behinderungen in einem speziellen Kleinbus. „Was diese Touren angeht, werden wir jetzt mit den Auftraggebern sprechen. Da laufen Verhandlungen, was die Anpassung der Fahrpreise betrifft. Bei den Taxis legt der Märkische Kreis die Höhe des Beförderungsentgeltes fest. Dort wurde schon eine Erhöhung um 18 Prozent vorgenommen“, erläutert der Meinerzhagener.

Saban Kücükhüseyin betreibt in Meinerzhagen das Unternehmen „Taxi City Car“. Auch er steht dem Mindestlohn durchaus aufgeschlossen gegenüber. „Eigentlich eine gute Idee und wichtig auch für mich, weil zufriedene Mitarbeiter, die angemessen verdienen, für jeden Betrieb gut sind.“ Allerdings glaubt Kücükhüseyin auch, dass die Preisspirale durch diese Maßnahme weiter anzieht: „Alles wird teurer, ob Friseurbesuch oder der Einkauf.“ Und dass die Menschen nach der Anhebung der Preise im Zusammenhang mit dem Mindestlohn weniger Taxi fahren werden, ist für ihn eine möglich Folge. „In Großstädten wird es deshalb Entlassungen in unserer Branche geben“, glaubt er. Letztendlich, so Kücükhüseyin, werde auch der Staat von dem Mindestlohn profitieren: „Weil sich zum Beispiel die Sozialabgaben erhöhen.“

Frank Friebe ist in Meinerzhagen besonders bekannt durch das „London-Taxi“, das er lange fuhr. Heute arbeitet er eng mit Manfred Potempa zusammen, auch wenn er ein eigenes Taxi-Unternehmen betreibt. Friebe macht „normale“ Beförderungsfahrten, transportiert aber auch Menschen mit Gehbehinderungen in speziellen Autos. „Ich glaube, dass vor allen Dingen eine solche Kooperation die finanziellen Voraussetzungen schafft, um auch mit dem Mindestlohn leben zu können“, ist er überzeugt. Die 8,50-Euro-Regelung findet Friebe gut. „Schon vor zehn Jahren habe ich einer Mitarbeiterin sieben Euro gezahlt“, erinnert er sich. Und Friebe glaubt außerdem: „Wer das nicht zahlen kann, sollte sich fragen, ob in seinem Betrieb nicht etwas falsch läuft. Das Motto lautet für mich: Miteinander, nicht gegeneinander.“

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