Taxiflaute in den Abendstunden

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Wer in den Abendstunden in Meinerzhagen spontan ein Taxi benötigt, könnte Pech haben. Für die heimischen Taxiunternehmen lohnen sich die Abende kaum noch.

Meinerzhagen - Reinhard Knobloch betreibt mit seiner Frau Regina seit mehr als 30 Jahren das Taxiunternehmen „City-Taxi“ in der Volmestadt, er kann Lokalitäten und Gastwirtschaften aufzählen, die früher stets gut besucht waren, die heute aber längst Geschichte sind. „Und in den Kneipen, die es noch gibt, ist einfach nicht mehr so viel los“, schildert er. Die Konsequenzen sind für ihn und seine Kollegen – und letztlich auch für die Kunden – recht nüchtern: Wer abends spontan ein Taxi benötigt, könnte Pech haben.

Von Simone Benninghaus

Das Geschäft bestehe hauptsächlich aus Kranken- und Einkaufsfahrten, berichtet Reinhard Knobloch, der sieben Fahrer in seinem Unternehmen beschäftigt. Früher seien seine Taxis auch Sonntagmorgens im Einsatz gewesen, um Fahrgäste vom „Frühschoppen“-Besuch nach Hause zu chauffieren. Diese Zeiten seien vorbei. Abends lohne sich der Taxibetrieb an Wochentagen ebenfalls nicht mehr. Bis zwischen 22 und 23 Uhr sei das „City-Taxi“ in der Woche meist erreichbar. „Wenn wir sehen, dass in den Lokalen absolut nichts mehr los ist, kann es sein, dass wir schon gegen 20 oder 21 Uhr Schluss machen“, so Knobloch. Allerdings: Wer sich frühzeitig melde, der werde auch in der Woche abends nach Hause befördert, verspricht der Taxi-Unternehmer. „Meinen Kunden sage ich immer, dass sie Bescheid sagen sollen, wenn sie vorher wissen, dass sie ein Taxi benötigen. Dann warten wir“, so Knobloch, der aber auch weiß, dass sich abendliche Beförderungen kaum noch rechnen. „Wenn sich mehrere Unternehmen die wenigen Fahrten, die abends vielleicht anfallen, auch noch teilen müssen, dann frage ich mich, wo die Wirtschaftlichkeit ist.“ Es lohne sich einfach kaum noch, wochentags in den Abendstunden einen Fahrer einzusetzen. Die Einführung des Mindestlohns spiele dabei sicherlich auch eine Rolle.

Frank Friebe, der im Taxibetrieb mit dem Meinerzhagener Taxiunternehmer Manfred Potempa zusammenarbeitet, stimmt seinem Kollegen zu. „Abends rechnet es sich einfach nicht mehr. Das ist nur ein Zuschuss-Geschäft“, so Friebe. Gleichwohl gilt auch für ihn: Vorbestellte Fahrten werden abends auch an Wochentagen durchgeführt. Allerdings weiß auch er: „Abends sind einfach keine Leute mehr unterwegs“, so seine Erfahrungen. Manchmal würden selbst manche Kneipen daher um 22 Uhr „dicht“ machen. In anderen Kleinstädten sei die Situation leider nicht besser, bedauert Friebe. Die Probleme der Branche ließen sich leider auch auf den Kundenzulauf im Einzelhandel übertragen.

Immerhin an den Wochenenden gebe es für die Taxibetriebe mehr zu tun. Quasi rund um die Uhr sind sie dann erreichbar. „Das Ausgehverhalten ist da ein anderes, daher sind wir solange erreichbar, wie wir gebraucht werden“, so Regina Knobloch.

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