Erbkrankheit Friedreich-Ataxie

Tauchen ist für ihn Therapie: Levent Kocaeli (30) leidet an seltener Krankheit 

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Unter Wasser kann Levent (links) seine Krankheit für einen Moment vergessen.

Meinerzhagen - Mit der Friedreich-Ataxie dürfte selbst Ärzten nur selten konfrontiert werden. Aber die Erbkrankheit bestimmt das Leben der Meinerzhagener Familie Kocaeli.

Sohn Levent, inzwischen 30 Jahre alt, leidet seit seinem elften Lebensjahr darunter; inzwischen sitzt er im Rollstuhl und wird seit einem Jahr obendrein von ständigen Zuckungen in den Beinen geplagt. 

„Die machen ihn völlig fertig“, sagt seine Schwester Nurcan Akar. Sie hatte sich vor einigen Monaten an die Meinerzhagener Zeitung gewandt mit der Bitte, Levents Fall öffentlich zu machen – vielleicht würde jemand von der Krankheit lesen, der helfen könnte.

Tauchschule meldete sich in der Redaktion

Dieser „Jemand“ fand sich in Halver. Volker und Tina Ziel betreiben dort eine Tauchschule und riefen in der Redaktion an. „Er soll es mal bei uns versuchen“, meinte Tina Ziel. Levent fand die Idee anfangs eher abwegig, aber was hatte er schon zu verlieren? Es dauerte dann noch eine Weile, bis ein erstes Kennenlernen zustande kam, aber inzwischen ist Levent Kocaeli regelmäßiges Mitglied der Behindertengruppe der Tauchschule. 

Wenn er kommt, ist es gleich noch ein bisschen voller im Hallenbad an der Humboldtstraße, denn immer dabei sind mindestens zwei Familienmitglieder, die ihn im Rollstuhl die Stufen vor der Schwimmhalle hinunter wuchten, beim Umkleiden helfen und ihn ins Wasser heben. 

Zur Tauchgruppe gehören außerdem die elfjährige Merle, die ebenfalls im Rollstuhl sitzt und zwei weitere beeinträchtigte Taucher. Und dann sind da noch die ehrenamtlichen Helfer, denn wer so stark eingeschränkt ist wie Levent, kann nicht alleine im Wasser bleiben. 

Levent genießt die Stunde im Wasser

Tauchlehrer Volker Ziel und Helfer Jan-Lukas sind deshalb durchgängig bei Levent, der sich erst einmal etwas im Wasser bewegt, bevor es losgeht: Taucherbrille, Regler, Pressluftflasche und dann geht es ab in die Tiefe. Die hält sich in Grenzen, in der Schwimmhalle liegt die Wassertiefe bei gerade mal 1,30 Meter. Das hat den Vorteil, dass Jan-Lukas stehen kann, reicht aber für ein Tauchgefühl. 

Von Levent ist von jetzt an nichts mehr zu sehen, denn Volker Ziel, ebenfalls mit Pressluftflasche ausgerüstet, taucht über ihm um ihn in der Waage zu halten. Levent genießt die Stunde im Wasser sichtlich, aber der Tauchgang ist für ihn auch sehr anstrengend. Seine Schwester findet das gut. „Nach dem Tauchen kann er endlich mal wieder richtig schlafen.“ Dazu kommt, dass seine Beine beim Tauchen ruhig werden und möglicherweise bewirkt die Pressluft, dass seine Atemprobleme sich minimieren. 

Tic-Tac-Toe auf dem Grund des Schwimmbeckens

Worauf genau der Therapie-Effekt des Tauchens beruht, weiß niemand so genau, aber auch Merles Mutter schwört aufs Tauchen. Vielleicht liegt es aber auch an der Gesamtsituation: „Tauchen ist ein Partnersport“, erklärt Tina Ziel, die Klubmitglieder integrieren die behinderten Teilnehmer. Dazu kommt, dass Tauchen nichts Alltägliches ist. „Es erfordert Mut, ist aber nicht so schwer, wie es vielleicht aussieht.“ Und die Bewegungen sind im Wasser ohnehin entspannter als an Land. 

Levent jedenfalls hat seinen Lieblingssport gefunden und nach einer kurzen Pause geht es auch schon weiter. „Kennst du Tic-Tac-Toe?“ fragt Volker Ziel. Levent nickt und das spielen die beiden jetzt – auf dem Grund des Schwimmbeckens.

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