Vom Schützenplatz nach Bochum: Übungsflug von 3500 Brieftauben

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Bei strahlend blauem Himmel wurden die Tauben am Schützenplatz in die Freiheit entlassen.

Meinerzhagen - Strahlend blauer Himmel, Frühling liegt in der Luft. Zeit, die müden Knochen wieder zu bewegen. Und das gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Tauben.

Nach der fast flugfreien Winterzeit werden die Tiere jetzt wieder mehr gefordert. Und so war in dieser Woche ein Übungsflug für knapp 3500 Tauben aus dem „Pott“ von Meinerzhagen nach Bochum angesagt. Etwa 65 Kilometer Luftlinie beträgt die Distanz zwischen der Ruhrgebietsstadt und dem Parkplatz am Schützenplatz. 

Genau diesen Ort hatten sich Heinz Pfannkuche und Wolf-Rüdiger Schwark als Startplatz für die Tauben ausgesucht. Mit ihrem Lastwagen-Gespann steuerten sie die Volmestadt an, im Gepäck die in Spezialboxen untergebrachten Tauben. 

Reine Übungstour der Vögel

Für den Rückweg benötigen die Vögel etwa 40 Minuten. Gemessen werden Flugzeit und -strecke übrigens mit einem am Bein angebrachten Chip-Ring, der beim Eintreffen im Heimat-Schlag automatisch ausgelesen wird. 

Pfannkuche ist selbst Züchter und er erläuterte, dass es sich um eine reine Übungstour handelte: „Eine Zeit wird diesmal offiziell nicht genommen.“ Unterwegs war er, gemeinsam mit Fahrer Schwark, im Auftrag der RV (Reisevereinigung) Herne-Wanne. Das ist ein Zusammenschluss von mehreren Taubenhaltern, die ihre Tiere – aus Kostengründen – gemeinsam zum Auflassort transportieren lassen. 

Im Vergleich sind 65 Kilometer wenig

65 Kilometer – das schaffen die Tauben „mit Links“. „Wir bringen die Tiere sogar bis nach Österreich. Das sind dann etwa 600 Kilometer Entfernung zurück zum heimatlichen Schlag“, weiß Pfannkuche um die Leistungsfähigkeit seiner Schützlinge. Die nutzen zur Orientierung, so Forschungsergebnisse, wohl den Sonnenstand und das Magnetfeld der Erde. 

Bei durchschnittlichen Preisen von 100 bis 200 Euro pro Taube hatte die Meinerzhagener „Fuhre“ einen erheblichen Wert. Dass nicht alle Vögel wieder in der Heimat ankommen, ist zum Glück selten. „Kann aber vorkommen, etwa wenn Raubvögel zuschlagen“, weiß Pfannkuche. 

Tauben kommen den Nachbarn oft "ungelegen"

Er selbst besitzt 100 Brieftauben. „Das Hobby ist nicht billig“, erläutert der Experte und rechnet vor: „Tierarzt, Reisekosten, Futter – ein 25-Kilo-Sack kostet um die 20 Euro –, das summiert sich.“ Und zu verdienen sei damit auch nichts. 

Pfannkuche: „Auf Tauben gewettet wird nicht mehr. Das war früher so.“ Generell würden immer weniger Menschen die Taubenzucht betreiben. „Die jungen Leute interessieren sich nicht und Nachbarn fühlen sich durch einen Schlag oft sogar gestört. Die wollen ihre Ruhe. Und da kommen Tauben ungelegen.“

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