Das Tannengrün-Geschäft "brummt"

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Damian Dobruk schneidet die Zweige und legt sie auf dem Boden ab. Bei der Tannengrün-Ernte wird auf Teamwork geachtet.

Meinerzhagen - In Köln saßen Menschen in der vergangenen Woche bei spätsommerlichen Temperaturen dicht gedrängt in Straßencafés, im Ebbegebirge wurde Tannengrün geschnitten. Und die Weihnachtsbaum-Saison steht unmittelbar bevor.

Der Herbst 2018 ist schon ein ganz Besonderer. Jochen Schöttler aus Ebberg ist Herr über mehrere Weihnachtsbaum-Felder. Für ihn und seine bis zu sechs Mitarbeiter – die meisten davon in fester Anstellung – bestimmt seit einigen Tagen und auch noch in den kommenden Wochen die Tannengrün-Ernte das Tagesgeschäft.

Kleidungstechnisch hatten die Männer dabei ihre dicken Thermo-Regenjacken gegen Fleecepullover getauscht. Manchem reichte bei der Arbeit im Forst auch ein normales Hemd. „Wir hatten im November auch schon Schneeregen und Temperaturen von etwa null Grad Celsius. Das Wetter in den vergangenen Tagen war schon speziell“, findet Jochen Schöttler. Immerhin: Die lange Trockenheit, gepaart mit großer Hitze im Sommer, hat seinen Bäumen nicht geschadet. „Wir hatten nur wenige Ausfälle in den Jungkulturen. Da hat auch die eine Woche im Juni eine Rolle gespielt, in der es geregnet hat. Kollegen in anderen Anbaugebieten hat es da schlimmer getroffen als uns hier“, bilanziert er. 

Hauptsächlich Nobilis-Tannen baut Jochen Schöttler an, sie liefern auch das Tannengrün. Etwa 100 Tonnen davon produziert der Ebberger in diesem Jahr. Der Weg zu seinen Kunden ist dabei nicht weit. „Sie kommen alle aus der Region, zum Beispiel aus dem Ruhrgebiet und dem Kölner Raum. In der Regel handelt es sich um Gärtnerbetriebe, Floristen oder auch Markthändler“, erläutert Schöttler. Darunter seien auch Verarbeitungsbetriebe, die große Mengen an Grab- oder Adventsgestecken herstellen, fügt er hinzu. 

„Je älter, je wertvoller.“ Auf diesen kurzen Nenner bringt Jochen Schöttler die Unterschiede beim Tannengrün. Grundsätzlich gelte: „Das Grün älterer Bäume ist bläulicher und auch steifer. Es eignet sich dann auch eher zum Stecken als zum Binden“, weiß er. Aus diesem Grund werden die Fünf-Kilo-Bunde auch mit verschiedenfarbigen Stricken zusammengebunden. Die Qualität ist dabei gleich an der Farbe der Schnüre abzulesen. „Dazu müssen die Mitarbeiter schon über Erfahrung verfügen“, weiß Schöttler, der sich deshalb freut, dass er größtenteils langjährig Beschäftigte im Einsatz hat.

In diesem Jahr hat die Tannengrün-Ernte, beispielsweise auf seinem Ebbe-Südhang oder im Bereich Listertal, später begonnen als sonst üblich. Das hängt mit dem Wetter zusammen. „Je nach Witterung beginnt das Tannengrün-Geschäft bei uns im Zeitraum zwischen Ende September und Anfang Oktober. Allerheiligen haben wir dann die erste größere Grün-Nachfrage. Und am ersten Advent ist es dann schlagartig vorbei“, erläutert Schöttler. 2018 habe sich die Sommerbepflanzung auf den Gräbern aber noch recht lange Zeit gut gehalten. Deshalb habe die Nachfrage auch erst spät eingesetzt. 

Inzwischen „brummt“ die Ernte allerdings. In den Beständen sind die Arbeiter mit langen Stangenscheren dabei, das Grün abzuschneiden. Diese Geräte reichen an den bis zu zehn Meter hohen Nobilis-Tannen aus. An den bis zu 17 Meter hohen Bäumen muss allerdings schwereres Gerät aufgefahren werden. Hier greifen die Spezialisten auf den Hubwagen zurück. In schwindelerregender Höhe werden damit auch die letzten grünen Zweige abgeerntet. „Es erfordert schon einige Erfahrung und Übung, um immer den richtigen Standort für den Hubwagen zu finden“, weiß Schöttler, dass er sich auch in dieser Hinsicht auf seine Männer verlassen kann. 

Bereits am vergangenen Wochenende begann ein weiteres Kerngeschäft des Ebbergers: Weihnachtsbäume werden geerntet. „Die ersten sind für den Export bestimmt“, erklärt der Chef. Und wieder geht die erste Fuhre ins britische Leeds, etwa 4000 Exemplare werden über den Ärmelkanal exportiert. „Anschließend werden Kunden in den Niederlanden beliefert“, berichtet Schöttler. Der deutsche Markt wird dann ab dem Zeitraum vor dem ersten Advent bedient. Die größte Menge fällt dabei bis zum 15. Dezember an. Und auch in diesem Jahr gibt es für alle Liebhaber des klassischen Weihnachtsbaumes wieder die Möglichkeit, sich direkt auf dem Hof in Ebberg einzudecken.

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