Polizei kennt die Tricks der Taschendiebe

Taschendiebe machen mobil

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Leichte Beute: Schaut das Smartphone so auffällig aus der Hosentasche, fühlen sich Diebe magisch angezogen.

Meinerzhagen – Neun Fälle registrierte die Polizei im Märkischen Kreis allein am vergangenen Wochenende.

Jedes Mal liefen die Taten dabei nach demselben „Strickmuster“ ab: Jeweils in Supermärkten wurden zumeist ältere Personen von Unbekannten bestohlen. Vor der Kasse mussten sie dann feststellen: Die Geldbörse oder andere Wertsachen sind weg. So geschehen auch in Meinerzhagen: Wie die Polizei berichtet, schlugen die Diebe am Samstag gegen 13.55 Uhr im Supermarkt Am Bücking zu. Ein 79-Jähriger hatte eine Herrentasche auf dem Kindersitz seines Einkaufswagens deponiert. In einem Moment, in dem sich der Volmestädter wegdrehte, müssen die oder der Täter zugeschlagen und die Tasche gestohlen haben. Die Polizei bittet nun eventuelle Zeugen, sich unter der Rufnummer 0 23 54/9 19 90 zu melden. 

Die Suche nach den Übeltätern gestaltet sich jedenfalls meist schwierig. Polizeihauptkommissar Dietmar Boronowski von der Pressestelle der Kreispolizeibehörde: „Bei den Dieben handelt es sich in der Regel um vollkommen unauffällige Menschen, die oft einen sehr gepflegten Eindruck machen. Sie fallen nicht weiter auf.“ Die Polizei warnt in diesem Zusammenhang immer wieder vor allzu großer Vertrauensseligkeit, vor allem im „Laden um die Ecke“. Gerade dort suchen Taschendiebe derzeit offensichtlich vermehrt ihre Opfer. Dietmar Boronowski beobachtet etwa seit Mitte Oktober, dass sich ähnliche Fälle im Märkischen Kreis häufen. Er zog erst jetzt wieder eine ernüchternde Wochenend-Bilanz: Demnach schlugen Taschendiebe in Altena, Lüdenscheid (gleich mehrfach), Plettenberg und Iserlohn zu. Möglicherweise deute die Zunahme der Fälle auf eine Bande hin, die augenblicklich im Märkischen Kreis operiere, heißt es.

„Niemand behält seine Tasche beim Einkaufen fortwährend im Blick. Täter brauchen ihre Oper nur lange genug zu beobachten und schlagen dann geübt in der richtigen Sekunde zu. Deshalb: Wertsachen wie Portemonnaie oder Papiere gehören möglichst dicht an den Körper – zum Beispiel in Innentaschen von Jacken oder Mänteln. Handys, die zum Beispiel aus der Gesäßtasche ragen, werden zur leichten Beute. Zu dem finanziellen Verlust kommt der Ärger, wenn wichtige Papiere neu besorgt werden müssen“, gibt die Polizei zu bedenken. 

Die Beamten haben angezeigte Fälle ausgewertet und nun die beliebtesten Tricks der Taschendiebe aufgelistet: 

Rempel-Trick

Das Opfer wird im Gedränge angerempelt oder „in die Zange“ genommen; beim Einsteigen stolpert der Vordermann, er bückt sich oder bleibt plötzlich stehen. Während das Opfer aufläuft und abgelenkt ist, greift ein Komplize in die Tasche. 

Drängel-Trick

In vollen Bussen oder Bahnen rückt ein Dieb unangenehm dicht an das Opfer heran, das ihm den Rücken zuwendet und so die Tasche „griffbereit“ anbietet.

Stadtplan-Trick

Fremde fragen das Opfer nach dem Weg und halten ihm dann einen Stadtplan vor oder bitten es – etwa auf Bahnhöfen – an einen ausgehängten Plan. Während sich das Opfer orientiert und abgelenkt ist, plündern andere Täter die Hand- oder Umhängetasche.

Geldwechsel-Trick

Fremde bitten das Opfer, eine Münze zu wechseln. Wenn das Opfer die Geldbörse zieht und das Münzfach öffnet, wird es vom Täter abgelenkt. Während dieser beispielsweise seine Münze in die Börse wirft, nimmt er Banknoten heraus.

Beschmutzer-Trick

Insbesondere nach einem Bankbesuch wird das Opfer „versehentlich“ mit Ketchup, Eis, Kaffee oder einer anderen Flüssigkeit bekleckert. Beim wortreichen Reinigungsversuch verschwindet das gerade abgehobene Geld anschließend aus der Bekleidungstasche.

Supermarkt-Trick

Im Supermarkt fragen Fremde das Opfer nach einer bestimmten Ware. Während es danach sucht, wird die Tasche am Einkaufswagen ausgeräumt.

Hochhebe-Trick

In einer Gaststätte behauptet jemand, das Gewicht des Opfers schätzen zu können. Beim Hochheben „zieht“ er oder ein Komplize die Geldbörse.

Bettel-Trick

Kinder halten dem Opfer im Lokal ein Blatt Papier vor mit der Bitte um eine Spende. Oder sie tollen auf der Straße um das Opfer herum und betteln es an. Dabei nutzt eines die Ablenkung für den raschen und geübten Griff nach der Geldbörse oder in die Handtasche.

Blumen-Trick

Ein Fremder begrüßt das Opfer freundschaftlich, umarmt es oder steckt ihm eine Blume an. Während das Opfer verdutzt ist, verschwindet die Brieftasche.

Taschenträger-Trick

„Taschenträger oder -trägerinnen“ spähen ältere Frauen beim Einkaufen aus und bieten ihnen scheinbar hilfsbereit an, den Einkauf nach Hause zu tragen. Dort eilen sie mit der Tasche die Treppe hinauf, während der ältere Mensch nicht so schnell hinterherkommt. Unterwegs nehmen sie die Geldbörse heraus, stellen die Tasche vor die Tür und kommen dem Opfer grüßend entgegen. Der Verlust wird erst später bemerkt.

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