Der Baumdoktor kommt auf Hausbesuch

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Das Kataster ist immer dabei, wenn Sven Kottsieper sich seine Bäume anschaut.

Meinerzhagen - „Bäume sind für mich etwas Besonderes“. Wenn der 43-jährige Sven Kottsieper diesen Satz ausspricht, merkt man ihm die Zufriedenheit mit seiner Arbeit an.

Seine Arbeit ist nicht alltäglich. Denn der seit 27 Jahren beim Landesbetrieb Straßen.NRW tätige Kottsieper, gelernter Straßenwärter, ist einer von insgesamt 30 Fachleuten, welche auf den rund 20 000 Kilometern Straßen in NRW unterwegs sind.

Auf Autobahnabschnitten, Bundes- und Landstraßen und in Kooperation mit anderen Straßeneigentümern, wie beispielsweise den Kreisen, kümmert er sich auch auf deren Straßenabschnitten um die Gehölzpflege. 2007 hatte der Landesbetrieb Straßen.NRW als erste Straßenbauverwaltung in Deutschland flächendeckend Baumkontrolleure in seinen verschiedenen Regionalniederlassungen installiert.

In der Niederlassung Südwestfalen teilt sich Sven Kottsieper diese Aufgabe mit zwei weiteren Kollegen. Er selbst betreut dabei die Einsatzgebiete der Straßenmeistereien Herscheid, Iserlohn, Lennestadt und Schwelm. „Da kommen gut 1200 Kilometer Strecke zusammen“, weiß Kottsieper an einem seiner aktuellen Einsatzorte zu berichten. Angesiedelt war der jetzt an der L 709 im Listertal. Die Prüfung der Stadtsicherheit und die „Zukunftsperspektive“ von insgesamt drei Bäumen hatte er dort im Vorfeld und während einer Baumaßnahme geprüft.

Auch wenn ihm – weil er jeden Baum am liebsten erhalten würde – die Entscheidung schwergefallen war. Die Bäume mussten wegen Pilzbefalls gefällt werden. Aufwendig hatte der Baumfachmann, der diese Arbeit seit gut drei Jahren verrichtet, für diese Entscheidung die Bäume untersucht und ihren Zustand im Baumkataster dokumentiert.

Nicht ohne Stolz präsentiert er dieses Kataster vor Ort auf seinem Laptop. Insgesamt rund 30 000 Bäume hat er darin erfasst und gleichzeitig in Kategorien eingeteilt. Diese Einteilung wiederum beruht auf den Ergebnissen der regelmäßigen Überprüfungen. Bei denen verschaffen sich die Baumdoktoren bei den Bäumen und Gehölzen einen Überblick über Auffälligkeiten von der Krone bis zu den Wurzeln und teilen sie dann in entsprechende Vitalitätsstufen von 1 bis 3 ein.

Als „Besteck“ nutzt der Baumkontrolleur dabei den Sondierstab, einen Schon-hammer und das Splintmesser, um auch Schäden durch Insektenbefall oder Infektionen durch Bakterien und Pilze genau bestimmen zu können. Werden Mängel oder Schäden an den Gehölzen entdeckt, erstellt der Baumkontrolleur einen Behandlungsplan, in dem die notwendigen Maßnahmen zum Erhalt, wie unter anderem ein Kronenschnitt oder die Kronensicherung aufgeführt sein können – genauso aber im schlimmsten Fall auch das Fällen eines Baumes angeordnet wird.

Immer wieder werden aber auch der Rat und die Kenntnis der Baumspezialisten während größere Gehölzpflegemaßnahmen vor Ort angefordert. Dabei geht es nicht selten darum, der Bevölkerung oder direktbetroffenen Anliegern die Entscheidung des Landesbetriebes zu erläutern, aber ebenso auch Tipps für Grundstückseigentümer zu geben, die auf ihrem Grundstück oftmals ähnliche Probleme haben.

Wie – im wahrsten Sinne des Wortes – verwurzelt Sven Kottsieper mit seiner Arbeit und den sie bestimmenden Pflanzen ist und wie diese sein gesamtes Leben beeinflussen, merkt man spätestens dann, wenn man ihn nach (s)einem möglichen Hobby fragt. Die Antwort kommt schnell und ist sehr kurz: „Bäume!“

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