Weltglückstag

Mitten in der Corona-Pandemie: „Danke Deutschland, ich bin glücklich“

Das Glücksgefühl, wieder im „Mittendrin“ helfen zu können, ist Suren Stepanyan anzusehen.
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Das Glücksgefühl, wieder im „Mittendrin“ helfen zu können, ist Suren Stepanyan anzusehen.

Am Samstag ist Weltglückstag. Den wird Suren Stepanyan auch feiern. Denn der 58 Jahre alte Armenier ist rundum zufrieden, mehr noch: er ist glücklich – und das mitten in der dritten Welle der Corona-Pandemie.

Meinerzhagen – Dass es Suren Stepanyan so gut geht, hat gleich mehrere Gründe: Am Montag öffnete die Kleiderkammer im Sozialen Bürgerzentrum „Mittendrin“ wieder ihre Türen. Erstmals seit März 2020 – mit einer kurzen Unterbrechung im Sommer – dürfen Kunden wieder im Angebot stöbern. Für den Armenier, der ehrenamtlich im Team des „Mittendrin“ hilft, ein absoluter Glücksfall: „Ich habe schon am Samstag und Sonntag davor immer wieder auf die Uhr geschaut, wie lange es noch dauert, bis ich wieder ins ,Mittendrin’ darf. Der Kontakt zu den Kunden, einfach das Gefühl helfen zu dürfen, hat mir so sehr gefehlt. Und das Team im Bürgerzentrum ist für mich wie eine zweite Familie, die ich nun wiederhabe. Jetzt bin ich glücklich“, strahlte Suren Stepanyan.

„Ich wurde zweimal geboren“

Der gelernte Lokführer und Agrar-Ingenieur kam 2016 nach Deutschland, sein Asyl-Verfahren laufe noch, berichtet der „Mittendrin“-Mitarbeiter. In Deutschland, speziell in Meinerzhagen, ist er inzwischen heimische geworden. „Dass es mir so gut geht, hat auch noch einen anderen Grund: Bei meiner Ankunft in Deutschland war ich schwer herzkrank. In Dortmund wurde ich dann operiert, jetzt ist alles wieder okay, im ,Mittendrin’ bin ich voll einsatzfähig“, freut sich Stepanyan und er fügt hinzu: „Eigentlich wurde ich zweimal geboren. Einmal in Armenien – und einmal durch die OP. Danke Deutschland, du hast mir so viel gegeben. Ich kann jetzt wieder normal leben.“

Keine Angst vor dem Virus

Auch wegen seiner überstandenen Krankheit achtet Suren Stepanyan inzwischen sehr darauf, dass er gesund lebt. „Ich gehe viel spazieren und ernähre mich gesund. Angst vor dem Virus habe ich nicht. Wenn man Angst hat, ist man bestimmt anfälliger für die Krankheit. Aber aufpassen, das tue ich schon“, beschreibt der 58-Jährige sein Leben in der Pandemie. Die verhindert übrigens auch, dass er persönlichen Kontakt zu seiner Familie bekommt. „Aber mit meiner Frau, meinen drei Söhnen und den drei Enkeln kann ich wenigsten am Telefon sprechen“, berichtet er.

Große Nachfrage

In der Kleiderkammer am Prumbomweg hat Suren Stepanyan übrigens während seiner Dienstzeit keine Langeweile. Dass das Angebot seit Montag sehr stark nachgefragt wird, bestätigt die hauptamtliche Mitarbeiterin Martina Bettinger: „Auch ich war glücklich, am Montag wieder öffnen zu dürfen. Und seitdem kommen sehr viele Menschen. Es gibt offensichtlich einen großen Nachholbedarf, was Kleidung angeht.“

In den Raum dürfen allerdings maximal drei Besucher zur selben Zeit. Abstand, Desinfektion der Hände, Maske, das Ausfüllen des Kontaktbogens und eine Aufenthaltsdauer von höchstens 20 Minuten – das sind die Regeln, die das Kleiderkammer-Team stets befolgt. Darauf achtet auch Suren Stepanyan peinlich genau. „Er ist wirklich unser Goldstück“, spricht Martina Bettinger ihrem Kollegen ein dickes Lob aus.

Die Öffnungszeiten

Die Kleiderkammer im Sozialen Bürgerzentrum „Mittendrin“ am Prumbomweg ist geöffnet montags, mittwochs und freitags von 10 bis 14 Uhr und dienstags und donnerstags von 12 bis 16 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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