Spenden gegen die klirrende Kälte

Anke Sinderhauf, Susanne Berndt (von links) und Jessica Geyer (rechts) überreichten Yafet Teweldemedhin und Zenawi Berhanemeskel die ersten gestrickten Mützen, Schals und Socken. -  Foto: Köller

Meinerzhagen - Den zuletzt wieder leicht steigenden Temperaturen zum Trotz: Mit einer Kälte, wie Meinerzhagen sie in den Wintermonaten erlebt, werden viele Flüchtlinge nun zum ersten Mal konfrontiert.

In vielen Herkunftsländern war Winterkleidung schlichtweg überflüssig – und so steigt nun der Bedarf an wärmenden Jacken, Pullovern und Mützen. Ohne Spenden und die ehrenamtliche Hilfe etwa in der Kleiderkammer des Sozialen Bürgerzentrums „Mittendrin“, aber auch durch Privatpersonen, könnte dieser wohl kaum gedeckt werden.

Neben dem Regelsatz für so genannte sozio-kulturelle Ausgaben (143 Euro), erhält ein alleinstehender Flüchtling derzeit 216 Euro pro Monat zur Absicherung seiner „physischen Existenz“, wie Silvia Markus vom Sozialamt auf MZ-Anfrage erklärte. In diese Pauschale sind unter anderem Nahrungsmittelkosten, aber auch Kosten für Bekleidung und Schuhe enthalten. Deren Anteil beläuft sich rein rechnerisch auf 33,57 Euro – ab dem kommenden Jahr auf 34,30 Euro. Keine Summe, mit der ausreichend wärmende Kleidung für einen ganzen Winter gekauft werden könnte.

Als Anke Sinderhauf auf der Straße eine Flüchtlingsfamilie sah, deren Kind zwar eine warme Jacke, aber an den Füßen bloß ein paar Schlappen trug, war ihr klar: Sie will für die neuen Meinerzhagener etwas tun. Deswegen hatte die Betreiberin des Geschäfts „Kreatives Handarbeiten“ an der Derschlager Straße bereits vor einigen Wochen die Aktion „“ ins Leben gerufen. Dank bisher guter Beteiligung konnten jetzt Yafet Teweldemedhin und Zenawi Berhanemeskel die ersten selbstgestrickten Mützen, Schals und Socken entgegennehmen. Bei der Anprobe im Laden wurde es den beiden Eritreern schnell zu warm, aber draußen, so sind sie sich sicher, werden sie sich noch über die wärmenden Accessoires freuen. Die beiden jungen Männer, die seit etwa zwei Jahren in Deutschland sind, fanden den Winter im vergangenen Jahr schon „sehr kalt“, wie Teweldemedhin sagte. Ein kleiner Tisch im Schaufenster ist schon mit allerlei Mützen, Schals, Socken und Handschuhen aller Größen gefüllt – „von unseren Kunden oder Menschen, die von der Aktion gehört haben, extra gestrickt“, betont Sinderhauf. Die Verteilung dieser Kleidungsstücke nimmt nun Fahrt auf. Susanne Berndt und Jessica Geyer vom Arbeitskreis Flüchtlinge helfen gerne dabei, da sie den Überblick haben, wo Bedarf ist. Beide freuen sich über das Engagement der Meinerzhagener, zumal auch weiterhin neue Flüchtlinge in die Stadt kommen werden, wie Berndt berichtete.

Anke Sinderhauf erklärt, wie eine Beteiligung an der Aktion aussehen kann: „Wer Wollreste abzugeben hat, kann sie zur Verfügung stellen, damit die Handarbeiterinnen sie verwenden können. Und andersrum kann jeder, der seine Arbeitskraft zur Verfügung stellen will, sich auch die gespendete Wolle hier abholen.“

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