„Streckenstilllegung ist zurzeit nicht vorgesehen“

So belebt wie hier beim Besuch des Grünen-Spitzenpolitikers Reinhard Bütikofer im Wahlkampf 2009 soll es nach den Vorstellungen der Bahnbefürworter künftig wieder häufiger auf dem Bahnhof in Meinerzhagen aussehen. Neue Pläne der Bahn gefährden jedoch die erhoffte vollständige Wiederinbetriebnahme der Strecke bis Brügge. ▪ Archivbild: Beil

MEINERZHAGEN ▪ Ein klares Dementi hört sich anders an: „Eine Streckenstilllegung ist zurzeit nicht vorgesehen“, erklärt Udo Kampschulte von der Düsseldorfer Pressestelle der Bahn AG. Aktuell gehe es um die mögliche Abgabe der Streckenabschnitte von Brügge bis Meinerzhagen und der Nebenstrecke von Meinerzhagen nach Krummenerl an einen privaten Betreiber. Sollte sich bis zum Ende der Bewerbungsfrist am 25. Mai 2011 kein Interessent gefunden habe, müsse neu überlegt werden, so der Bahnsprecher.

Wie die MZ am vergangenen Freitag exklusiv meldete, hat die zuständige DB Netz AG ein Verfahren zur Streckenabgabe für die beiden insgesamt 26,4 Kilometer langen Streckenabschnitte nach Paragraph 11 des Allgemeinen Eisenbahngesetzes eingeleitet. Beide Strecken werden zurzeit nicht für den Personenverkehr genutzt, dienen ausschließlich dem Transport von Gütern.

Für Fachleute indes ist klar, dass dieser Schritt sozusagen der Einstieg in den Ausstieg ist. Denn eine Streckenausschreibung zur Abgabe ist im Eisenbahngesetz die erste, zwingend vorgeschriebene Maßnahme vor einer endgültigen Streckenaufgabe durch den Betreiber.

Christoph Riedel vom Aktionsbündnis Volme-Aggerbahn äußert in einem gestern auf der Kreisseite veröffentlichten Leserbrief die Befürchtung: „Nun droht die Zerstörung von Verkehrsinfrastruktur, die der Steuerzahler bezahlt hat, durch ein Unternehmen, dessen vorrangiges Ziel nicht die Versorgung der Bürger mit Mobilitätsangeboten ist, sondern ein möglichst erfolgreicher Auftritt an der Börse.“ Das Aktionsbündnis fordert „alle Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft auf, diesem unverantwortlichen Treiben den größtmöglichen politischen und juristischen Widerstand entgegenzusetzen.“

Die Pläne der Bahn sind offenbar nicht abgestimmt mit dem Land NRW und anderen zuständigen Stellen, wie zum Beispiel auch dem zuständigen Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Ruhr-Lippe. Fakt ist seit 2008: Die Gesamtstrecke Marienheide - Brügge ist im integrierten Gesamtverkehrsplan des Landes als „indisponible“ Maßnahme“ eingestuft. Insofern ist die für 2013 verbindlich und nicht mehr aufschiebbar vorgesehene Reaktivierung des Personenverkehrs zwischen Marienheide und Meinerzhagen nur ein Teilschritt auf dem Weg hin zur vollständigen Wiederinbetriebnahme. So jedenfalls die erklärte Absicht der Landesplanung. Daran knüpft auch das gemeinsame Regionale-2013-Projekt „Oben an der Volme“ an. Die vier Volmetalkommunen Meinerzhagen, Kierspe, Halver und Schalksmühle haben in ihrer gemeinsamen Projektplanung die Reaktivierung des Personenverkehrs auf der durchgängigen Volmestrecke ganz oben auf die Prioritätenliste gesetzt (wir berichteten). Umso erstaunter reagiert man jetzt in den vier Rathäusern auf die Nachricht von den DB-Plänen, über die die vier Kommunen selbst übrigens bislang offiziell bahnseitig nicht informiert worden sind.

Für Meinerzhagens Bürgermeister Erhard Pierlings liegt der Hintergrund für die Bahnaktivitäten allerdings auf der Hand. „Es geht aktuell um notwendige und wohl auch erhebliche Investitionen an den Gleisen im Volmetal, um den dort zurzeit noch laufenden Güterverkehr aufrecht erhalten zu können. Offenbar gibt es in der Frage, wer für diese Instandhaltungsmaßnahmen aufkommen soll, bei der Bahn unterschiedliche Auffassungen.“ In dieser Frage müsse eine Klärung herbei geführt werden. „Wir müssen uns jetzt schnell aufstellen, um gemeinsam mit allen Beteiligten dafür zu sorgen, dass die Option der Wiederinbetriebnahme des Personenverkehrs auf der durchgängigen Strecke von Köln über Gummersbach und Meinerzhagen bis Brügge und weiter nach Hagen gewahrt bleibt“, kündigte Pierlings gestern gegenüber unserer Zeitung energischen Widerstand an. Die Verbesserung der Mobilität sei für die Zukunft und die Standortsicherung der vier Volmetalkommunen ein überaus wichtiger Faktor. Das habe man gerade erst mit dem Regionale-2013-Konzept nachdrücklich unterstrichen.

Pierlings betonte in diesem Zusammenhang, dass die für 2013 verbindlich zugesagte Verlängerung des Personenverkehrs von Marienheide bis Meinerzhagen unstrittig sei. „Daran ist nicht mehr zu rütteln, das steht fest“. Die Herausforderung für die Zukunft bleibe aber der vollständige Lückenschluss, der erst den Personenverkehr zwischen Rheinland und Westfalen in beide Richtungen möglich mache. Wie wichtig dies auch als Standortfaktor sei, verdeutlichte der Bürgermeister mit dem Hinweis, dass es jungen Menschen auf diese Weise möglich werde, die Hochschuleinrichtungen zum Beispiel in Gummersbach und Köln oder Hagen und Dortmund per Bahn zu erreichen. ▪ -fe

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