„Stolpersteine“ scheitern im Ausschuss

Gedenkfeiern finden jährlich am Gedenkstein für jüdische Mitbürger statt.

MEINERZHAGEN ▪ Im Jahr 1992 startete in Köln die Aktion ,Stolpersteine' des dort ansässigen Künstlers Gunter Demnig. Mittlerweile hat das äußerst populäre Projekt eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Laut Internetenzyklopädie Wikipedia hat Gunter Demnig bis 2010 über 22 000 Steine in etwa 530 Städten und Gemeinden in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Österreich, Polen, Tschechien, der Ukraine und Ungarn gesetzt.

„Mit diesen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine sind kubische Betonsteine mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Sie werden in der Regel vor den letzten frei gewählten Wohnorten der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster des Gehweges eingelassen“, heißt es bei Wikipedia.

Die Fraktion der Grünen/Bündnis 90 nahm diese Aktion zum Anlass, Stolpersteine auch für Meinerzhagen zu beantragen. Darüber wurde am Mittwoch im Ausschuss für Kultur, Denkmalschutz und Denkmalpflege diskutiert. Rüdiger Kahlke (parteilos) hatte es übernommen, den Grünen-Antrag zu erläutern – er erntete jedoch Widerspruch. Und das auch deshalb, weil nicht nur Gerd Wirth (SPD) bemängelte, dass zu wenig Konkretes zu erfahren sei. So warf Wirth beispielsweise die Frage auf, ob vor Häusern, in denen mehrere jüdische Bürger gewohnt haben, gleich mehrere Stolpersteine anzubringen seien. Auf die Frage, wieviel Häuser in Meinerzhagen überhaupt in Frage kämen, konnte Kahlke nicht antworten.

Auch Ortsheimatpfleger Chris Riederer, für die UWG Mitglied des Ausschusses, konnte sich mit den „Stolpersteinen“ für Meinerzhagen nicht anfreunden. „Mir wäre lieber, wenn Geschichte im öffentlichen Leben generell erlebbar gemacht würde. Die Problematik ist auch an Gedenktagen zu beobachten. Wie viele Menschen stehen dann beispielsweise an dem Gedenkstein für jüdische Mitbürger. Oft nur die, die es – böse gesagt – müssen. Der normale Bürger geht nicht dorthin. Doch wir sollten etwas unternehmen, beispielsweise in Sachen Jugendaustausch mit Israel. Das wäre Erinnerungsarbeit. Mit den Steinen beruhigt man lediglich sein Gewissen. Es gehört inzwischen irgendwie dazu, diese Steine zu verlegen.“

Angesichts des „Gegenwindes“ zog Rüdiger Kahlke den Grünen-Antrag dann zurück – nach einer Sitzungsunterbrechung und nochmaliger Beratung im Kollegenkreis.

Kahlke war jedoch nicht unzufrieden. Wenn der Antrag dazu gedient habe, in dieser Sache etwas zu bewegen – beispielsweise in Sachen Jugendaustausch – sei das Ziel erreicht. ▪ beil

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