Gail Stern zu Gast in Meinerzhagen

Christina Först (links) und Christiane Janßen (rechts) freuten sich über den Besuch von Gail Stern. - Fotos: Schlicht

Meinerzhagen - „Wir sind tief bewegt und dankbar, dich wieder bei uns zu Besuch zu haben“, sagte Christina Först in ihrer Begrüßungsansprache am Montag im Gemeindesaal der evangelischen Johanneskirche. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde erinnerte sie an den Besuch von Gail Stern und ihrem Bruder Jeffrey mit Schwägerin Sheri anlässlich der Verlegung der Stolpersteine im vergangenen Jahr.

Zu diesem Treffen waren am Montag auch viele Mitglieder der Initiative Stolpersteine gekommen, die gemeinsam mit ihrem Ehrengast zu Kaffee, Kuchen und Schnittchen eingeladen waren. „Es freut uns sehr“, führte Christina Först weiter aus, dass Gail Stern, die auf ihrer Reise nach Rexingen, Bad Godesberg, Meckenheim, Altena und Köln nun auch wieder nach Meinerzhagen gekommen sei. „Denn diese Orte rufen fast unerträgliche Erinnerungen wach an das Leid Deiner Vorfahren.“ Dass Stern nun wie selbstverständlich nach Meinerzhagen gekommen sei und man gemeinsam Kaffee trinken könne, dafür bedankte sich Först im Namen aller Anwesenden. „Danke, dass wir Deine Mischpoke (Verwandtschaft) sein dürfen.“

Dietmar und Christina Först stimmten anschließend gemeinsam einige jüdische Lieder an, bevor Stadtarchivarin Ira Zezulak-Hölzer in einem umfassenden Vortrag auf das jüdische Leben in Meinerzhagen einging. Mit vielen Bildern und Dokumenten erinnerte die Archivarin an die jüdische Geschichte und besonders das Leben der Familien Fischbach, Rosental und Stern. Ausführlich beleuchtete Zezulak-Hölzer auch die politische Entwicklung in Meinerzhagen und Umgebung mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten und der Vertreibung und Deportation der jüdischen Bürger.

Bereits 1970 hätten einige Meinerzhagener Familien den Kontakt zu den Überlebenden der jüdischen Familien gesucht. Damals sei angeregt worden, einmal im Jahr eine Gedenkfeier zu veranstalten. 1982 konnte dann erstmals den Nachkommen der jüdischen Familien ein Besuch in der alten Heimatstadt ermöglicht werden. Die Pflege und der Kontakt zu den Familien war immer Anliegen der Bürger, erläuterte die Referentin. Im Jahr 2011 wurde dann die Organisation Stolpersteine gegründet, 2013 konnten die ersten Steine in Meinerzhagen verlegt werden (MZ berichtete).

Klaus Bohner übernahm die Übersetzung der Reden für Gail Stern ins Englische. Musikalisch trugen auch Fritz Schmid (Tenorsaxophon) und Johannes Koch (Klavier) mit jüdischen Melodien und Liedern zum geselligen Beisammensein bei.

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