Stolpersteine gegen das Vergessen

+
Rolf Janßen von der „Initiative Stolpersteine Meinerzhagen“ informierte am vergangenen Freitagabend auf Einladung des Heimatvereins Meinerzhagen über das in der Volmestadt geplante Projekt. ▪

MEINERZHAGEN ▪ „Stolpersteine erinnern an jeden einzelnen, jeder Betroffene bekommt wieder einen Namen und ein Gesicht, Lebensweg und Schicksal sollen dokumentiert und erfahrbar gemacht werden,“ beschrieb Rolf Janßen, Mitglied der „Initiative Stolpersteine Meinerzhagen“ das Anliegen des Projekts.

Auf Einladung des Heimatvereins stellte er am Freitag die Ziele der Initiative bei einem offenen Informationsabend vor. 13 Besucher fanden sich hierzu in Haus Eckern ein.

Dass das Projekt deutliche mehr umfasst als die erwünschte Verlegung von 43 „Stolpersteinen“ für jedes jüdische Opfer des Nationalsozialismus in Meinerzhagen, liegt Janßen und seinen Mitstreitern besonders am Herzen. „Die Steine sollen Anstoß sein Fragen zu stellen.“ Zudem gehe es einzig und allein darum, dem Leiden ein Gesicht zu geben und es erfahrbar zu machen, damit die Geschichte sich niemals wiederholt. Schuldzuweisungen werde es nicht geben.

Der Kölner Künstler Gunter Demnig rief die Aktion „Stolpersteine“ 1992 ins Leben und wurde hierfür mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Bis Juni 2011 wurden bereits 30 000 Steine in 750 Städten verlegt. Die Meinerzhagener Initiative gründete sich Mitte März 2011 nach einem Vortrag von Stadtarchivarin Ira Zezulak-Hölzer über das Leben der Juden in Meinerzhagen. Wie Janßen erklärte, handelt es sich bei den „Stolpersteinen“ um kubische Betonsteine mit einer Seitenlänge von zehn Zentimetern, auf denen eine beschriftete Messingplatte angebracht wird. Sie sollen vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster des Gehwegs eingelassen werden. „Frei gewählt“ deshalb, weil die jüdischen Bürger ab 1939 gezwungen worden seien, gemeinsam in zwei Häusern im Stadtgebiet zu leben. Auf der Messingplatte seien der Name, das Geburtsjahr und der Verbleib der Menschen zu sehen. Letzterer ist häufig der Deportationsort oder der Todesort. Dokumentationen über die Geschichte der Menschen, ihr Eingebundensein in das gesellschaftliche Leben, persönliche Erinnerungen von Nachbarn und Freunden, Fotos und das Schicksal der Betroffenen würden Interessierten zugänglich gemacht. Wie Janßen berichtete, wohnten die 43 jüdischen Bürger an zehn Orten im Stadtgebiet. Da fünf der Häuser in Privatbesitz sind und fünf weitere sich auf städtischem Grund und Boden befinden, bemühen sich die Mitglieder der Initiative derzeit, sowohl private Eigentümer als auch Ratsmitglieder von ihrem Projekt zu überzeugen. „Uns ist sehr daran gelegen, ein breit angelegtes Bündnis zu erreichen,“ so Janßen. Daher nehme man sich die Zeit, in vielen Einzelgesprächen über das Projekt zu informieren und mögliche Bedenken auszuräumen. Als positives Beispiel nannte er die Stolperstein-Initiative in Siegen, wo das Projekt auf Basis parteiübergreifender Einigkeit umgesetzt wurde. Die Steine würden auch in Meinerzhagen von privaten Sponsoren bezahlt, „für die Stadt entstehen keinerlei Kosten.“ Matthias Scholand, Mitglied im Heimatverein, nannte am Freitag einige Einwände gegen die „Stolpersteine“, die bei der Diskussion einbezogen werden sollten. „Ich bin bislang weder für noch gegen das Projekt,“ unterstrich er. Häufig angebrachte Kritikpunkte sollten jedoch bedacht werden. So hätten andernorts Angehörige der Opfer zu bedenken gegeben, dass Passanten mit ihren Schuhen auf die Stolpersteine treten. Auch könnten sie durch Hundekot oder Müll beschmutzt werden. Zudem bestehe die Möglichkeit, dass die heutigen Bewohner der Häuser zu Unrecht in einem falschen Licht erscheinen würden. Janßen ging abschließend auf die angesprochenen Punkte ein und zitierte auch Künstler Demnig, der sinngemäß gesagt habe: „Je mehr Menschen auf die Steine treten, um so mehr glänzen sie.“ Die Chance, Menschen auf ihrem Weg durch die Stadt zum Nachdenken anzuregen und ihnen diese Schicksale nahebringen zu können, sei ein sehr starkes Argument für die „Stolpersteine“. ▪ ps

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare