Auf den Spuren der Vorfahren

Feier einer Bar Mitzwa bei der Familie Julius Stern. - Fotos: privat

Meinerzhagen - Auf diesen Tag haben sich die Akteure der Initiative Stolpersteine lange vorbereitet: Am Freitag werden ab 9 Uhr an der Adresse Zur Alten Post 8 und in Höhe des Hauses Kirchstraße 5 weitere Erinnerungssteine zum Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus verlegt. Dies geschieht auch vor den Augen der Nachfahren der auf diese Weise geehrten Familie Stern: Gail Stern und Jeffry Stern mit seiner Ehefrau Sheri aus Baltimore in den USA.

Wie Herbert Langenohl von der Initiative Stolpersteine berichtet, begaben sich die Sterns vor ihrer Fahrt nach Meinerzhagen zunächst auf Spurensuche nach ihren Vorfahren. Begleitet wurden und werden sie seit vergangener Woche von der Archivarin der Stadt Meinerzhagen Ira Zezulak-Hölzer und dem Meinerzhagener Historiker Dr. Oliver Schulz.

Erstes Ziel war Rexingen in Baden-Württemberg. Langenohl: „Aus Rexingen kam die Großmutter von Gail und Jeffry, Auguste Stern, geborene Weil. Sie war die Frau des Großvaters Julius Stern aus Hohenlimburg. Ebenfalls aus Rexingen kam ihre Großtante Cilly Stern, geborene Weil, die mit Julius Stern – gleicher Name wie der Großvater – in Meinerzhagen verheiratet war.“ Von Rexingen führte die Reise weiter nach Worms, wo der alte jüdische Friedhof und die alte Synagoge besucht wurden. Die nächste Station: Bad Godesberg. Dort sind noch das frühere Haus eines Bruders der Großmutter und das Grab der Urgroßeltern Weil.

Gestern schlossen sich dann Christina und Rolf Janßen von der „Initiative Stolpersteine Meinerzhagen“ der Reisegruppe an, um selber Stolpersteine für den Vater der amerikanischen Gäste, Rolf Stern, und den Großonkel, Max Meyer, zu den anderen Stolpersteinen der Familie in Meckenheim hinzuzufügen. „Max Meyer flüchtete in den Tod, als ihm die wirtschaftliche Grundlage zur Versorgung der Familie genommen wurde. In seinem Haus suchte dann die Familie Stern aus Hohenlimburg Zuflucht. Von dort aus konnte auch der damals 15-jährige Rolf Stern, der Vater von Gail und Jeffry, mit einem Kindertransport in die USA fliehen. Die übrigen wurden von dort aus in die Vernichtung geschickt“, erinnert Herbert Langenohl an die Familiengeschichte.

Am Donnerstag, 28. August, werden die amerikanischen Gäste nach einer Stadtführung durch Ira Zetzulak-Hölzer zu einem Empfang um 19 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus an der Kirchstraße gebeten. Dazu sind alle interessierten Bürger eingeladen. Die Stolpersteinverlegung beginnt am Freitag um 9 Uhr, Zur Alten Post 8 (vor der Buchhandlung Schmitz). Nach den Begrüßungsreden von Herbert Langenohl und Bürgermeister Jan Nesselrath wird der Künstler Gunter Demnig die 13 neuen Steine an den beiden Orten verlegen. Bei der Verlegung werden dann auch die erschütternden Kurzbiografien derjenigen, die Stolpersteine bekommen, von Schülerinnen und Schülern verlesen.

Das bewegendste Ereignis für die Gäste aus den USA wird wahrscheinlich die um 11.30 in Hohenlimburg, Wesselbachstraße 4, beginnende Stolpersteinverlegung vor dem letzten frei gewählten Wohnsitz der Familie Julius und Auguste Stern sein: Hier soll die Familie symbolisch wieder zusammengeführt werden. Von der ganzen Familie überlebte nur Rolf Stern. Seine Eltern und seine 15-jährige Schwester wurden von Meckenheim aus am 20. Juli 1942 nach Minsk deportiert und sofort umgebracht.

Rolf Stern kam mit einem Kindertransport mittellos und ohne Sprachkenntnisse in den USA an. Später gründete er einen Handel für Pferdebedarf. Der Versuch, genügend Geld aufzutreiben, um auch die restliche Familie nach Amerika zu bekommen, scheiterte. Was er nicht wusste: Zu dem Zeitpunkt durfte kein Jude mehr aus Deutschland ausreisen. Sein weiteres Leben war von der Sorge für seine Anfang der 1950er Jahre gegründete Familie bestimmt: Ihrem Vater sei es ein großes Anliegen gewesen, anderen Menschen zu helfen und Hilfsorganisationen zu unterstützen, berichtet Tochter Gail. Dieses Anliegen habe er auf seine Kinder übertragen. Rolf Stern starb am 27. November 2009 an Herzversagen. - eB

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