Vier neue Stolpersteine verlegt

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Eva Lee, geborene Fischbach (Vierte von links), folgte der Verlegung der Stolpersteine tief beeindruckt. Ganz besonders dankte sie Wiebke Veit (Zweite von links): „Ich habe nicht mehr geglaubt, dass wir das erleben.“

MEINERZHAGEN - „Die Stolpersteine sind mehr als nur Pflastersteine, die mit einer Messingtafel versehen sind. Sie sprechen die Herzen an, bringen Menschen zum Nachdenken. Man verbeugt sich vor den Opfern, indem wir ihre Namen lesen, Schülerinnen und Schüler erleben Geschichtsunterricht hautnah“, sagte Jochen Trambacz von der Initiative Stolpersteine am Montag bei der Verlegung von vier weiteren Stolpersteinen vor dem Haus Derschlager Straße 9.

Von Jürgen Beil

Gewidmet sind die Steine den Eltern Julius und Hedwig Fischbach und ihren Kindern Eva Lee (geborene Fischbach) und Eugen Fischbach.

Eva Lee wohnte mit ihrer Familie einst im Haus mit der Nummer 11. Weil der heutige Eigentümer einer Verlegung dort aber nicht zustimmte, wurde der jetzige Verlegeort gewählt. Ermöglicht hat das die Besitzerin des Gebäudes Wiebke Veit, eine Freundin von Eva Lee (wir berichteten). Mit der Aktion wurde nun ein weiterer Platz geschaffen, an dem jüdischer Opfer des Nazi-Terrors gedacht werden kann.

Trambacz begrüßte auch die Bundestagsabgeordnete Petra Crone, den Landtagsabgeordneten Gordan Dudas und örtliche Vertreter aus Politik, Verwaltung, von Vereinen, Kirchen und Institutionen und die ehemaligen Bürgermeister Erhard Pierlings und Jürgen Pietsch. Er berichtete, dass die Initiative mit einer Problematik zu kämpfen habe: „Da gibt es auf der einen Seite die manchmal spürbare Abneigung bis zur Verweigerung dieser Art des Gedenkens an die Holocaust-Opfer und auf der anderen Seite die Zustimmung und Freude darüber, dass sich eine Initiative zusammengefunden hat und sich der ehemaligen Mitbewohner Meinerzhagens annimmt.“ Und Trambacz mahnte: „Geschichte tut oft weh. Aber sie erinnert daran, dass wir alle aufpassen müssen, dass sie sich nicht wiederholt.“

Ein weiterer Redner bei der Stolperstein-Verlegung war der Kulturausschuss-Vorsitzende Matthias Scholand. Er begrüßte Eva Lee, deren Anwesenheit er als „große Ehre“ bezeichnete. Scholand weiter: „Der Nationalsozialismus hat in den Jahren 1933 bis 1945 in Deutschland viel Leid, Schmerz und Tod verursacht. Hierzu gehört auch das Leid, welches den damals in Meinerzhagen lebenden Juden und auch ihren Familien zugefügt wurde. Nur noch wenige Bürgerinnen und Bürger haben hieran eine persönliche Erinnerung. Es gibt aufgrund des Zeitablaufs immer weniger Menschen, die möglicherweise sogar persönlich als Täter oder Opfer involviert waren. Trotzdem stehen wir alle in der Verantwortung der Geschichte.“ Scholand brachte schließlich die Hoffnung zum Ausdruck, dass Eva Lee Frieden mit ihrer Heimatstadt schließt.

Zum Abschluss trafen sich Eva Lee und viele Besucher der vorangegangenen Verlegung noch im Gemeindezentrum am Inselweg, wo die Kaffeetafel gedeckt war. Dort fand auch ein reger Gedankenaustausch statt – unter anderem wurde der Film „Das Medaillon“ gezeigt, den Margot Fischbach in Erinnerung an ihre Familiengeschichte in Meinerzhagen produziert hat. Sie ist die einzige noch lebende Nachfahrin einer jüdischen Familie, für die in Meinerzhagen noch kein Stolperstein verlegt werden konnte.

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