Stolpersteine bleiben weiterhin ein Thema

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Die „Initiative Stolpersteine Meinerzhagen“ traf sich jetzt zum zweiten Mal in der Galerie Langenohl. Sie war spontan von Zuhörern nach einem VHS-Vortrag von Stadtarchivarin Ira Zezulak-Hölzer gegründet worden. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Zum zweiten Mal traf sich jetzt die „Initiative Stolpersteine Meinerzhagen“ in der Galerie Langenohl. Nach dem VHS-Vortrag von Stadtarchivarin Ira Zezulak-Hölzer über das Leben der Juden in Meinerzhagen Mitte März in der Stadthalle war diese Initiative spontan von Zuhörern gebildet worden, die das berührende Schicksal dieser früheren Mitbürger, die ausgegrenzt und denen im Zuge der Arisierung systematisch die Existenzgrundlage entzogen worden war, ins Bewusstsein der heute lebenden Menschen bringen möchten.

Dabei geht es ihnen nicht nur um Erinnerung, schon gar nicht um Schuldzuweisungen, sondern darum, dass niemals wieder Ähnliches geschehen kann. Dazu scheint ihnen das dezentrale Denkmal der „Stolpersteine“ besonders geeignet.

Die „Stolpersteine“ sind ein Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig, für das er mittlerweile mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Demnig möchte unter anderem denen, die in Konzentrationslagern zu Nummern degradiert wurden, ihre Namen zurückgeben. Das Bücken, um die Texte zu lesen, soll auch eine symbolische Verbeugung vor den Opfern sein.

Die Steine werden in der Regel vor den letzten frei gewählten Wohnorten der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster des Gehweges eingelassen. Die kubische Betonsteine mit einer Kantenlänge von 10 Zentimetern tragen auf der Oberfläche eine beschriftete Messingplatte mit Namen, Jahrgang und Verbleib, häufig Deportationsort oder Todesort, der früher hier lebenden Menschen. Mittlerweile gibt es über 23 000 Stolpersteine in rund 530 Städten im In- und Ausland.

Auch in der Nachbarstadt Attendorn wurden sie verlegt. Mitinitiator war dabei der pensionierte Schulrektor Hartmut Hosenfeld, ein exzellenter Kenner jüdischen Lebens in seiner Heimatstadt und der Region, der bereits mehrere Bücher zum Thema veröffentlichte. In der Galerie Langeohl berichtete er von seinen Erfahrungen bei der Verwirklichung des Projektes, das er auch in verschiedenen anderen Städten des Kreises begleitete. Hosenfeld verbindet mit diesem Denkmal die Aufforderung: „Denk mal!“ Einer seiner Schüler brachte die Intention der Stolpersteine auf den Punkt: „Man stolpert nicht und fällt hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen.“

Ein Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zur Verlegung der Stolpersteine im März des vergangenen Jahres wurde im Ausschuss für Kultur, Denkmalschutz und Denkmalpflege im Dezember abgelehnt, unter anderem mit der Begründung, dass in Meinerzhagen bereits in ausreichendem Maße Medien des Gedenkens der Opfer des nationalsozialistischen Regimes vorhanden seien.

Die neu gegründete Initiative vertritt dagegen die Ansicht, dass Grabsteine oder Gedenktafeln, oft an abgelegenen Orten gelegen, meistens nur an offiziellen Gedenktagen und von Menschen besucht würden, die über die Naziverbrechen nicht erst genauer aufgeklärt werden müssten. Den Stolpersteinen dagegen, denen man im normalen Alltag an allen Tagen des Jahres begegne, könne man nicht ausweichen. Da sie im ganzen Stadtgebiet verteilt seien, zeigten sie anschaulich, dass Bürger jüdischen Glaubens und andere Verfolgte als Nachbarn hier gelebt hätten. Damit stellten sie auch die Schutzbehauptung einiger Zeitzeugen in Frage, dass man von den Deportationen nichts mitbekommen habe.

Weiterhin will sich die Initiative dafür einsetzen, dass Schülerinnen und Schüler im Rahmen ihres Unterrichts oder mit Projekten Dokumentationen über die Geschichte der Menschen, an die mit den Stolpersteinen erinnert werden soll, erstellen. Einwanderungszeit, Berufsentwicklung, eventuelle Teilnahme am 1. Weltkrieg sowie die Eingebundenheit in das städtische Leben durch Vereinszugehörigkeit und Einsatz für die Gemeinschaft sowie Erinnerungen von Nachbarn und Freunden sollen damit festgehalten werden, um die Geschehnisse der NS-Zeit lebendig werden zu lassen und so eine Mahnung zu sein.

Außerdem könnten die Steine für überlebende jüdische Mitbürger und deren Nachkommen oder bei einem Schüler- oder Jugendaustausch mit Israel ein Zeugnis sein, das ihre Geschichte nicht vergessen ist. Es wurden Arbeitsgruppen gebildet, die weitere Planungsschritte vorbereiten sollen. ▪ luka

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