AfD im Aufwind – keine Begeisterung in Meinerzhagen

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Ob die „Alternative für Deutschland“ bei den Kommunalwahlen 2020 in Meinerzhagen antritt, steht noch nicht fest.

Meinerzhagen -  Die „Alternative für Deutschland“ (AfD) ist zweifellos im Aufwind. Umfrageergebnisse sehen sie auf Bundesebene im Februar bei bis zu 12,5 Prozent der Stimmen. In „MK“ gibt es einen Kreisverband der Partei. Auf Ortsebene sieht es zwischen Meinerzhagen und Menden allerdings eher „mau“ aus.

Angesichts des Umfrage-Hochs könnte die Gründung von Ortsverbänden bei der AfD „MK“ aktuell zwar ein Thema sein – das ist aber nicht so. Alexander Langguth ist Sprecher der „Alternative für Deutschland“ im Märkischen Kreis. Dass sich in Meinerzhagen oder Kierspe in nächster Zeit ein AfD-Ortsverband gründet, schließt er zurzeit aus: „Kein Thema. So etwas steht im Moment nicht zur Debatte. Bei unseren augenblicklichen Strukturen halten wir das für besser. Grundsätzlich bin ich allerdings nicht gegen die Gründung von Ortsverbänden. Aber wir steuern jetzt erst einmal auf die Wahlkämpfe im Jahr 2017 zu. Und man darf nicht vergessen: Wir sind trotz der Umfragewerte nach wie vor eine recht kleine Partei und in den Kommunen nicht historisch gewachsen, wie viele andere Parteien. Vor den Kommunalwahlen 2020 wird man sich aber erneut unterhalten, ob Ortsverbände eventuell gegründet werden.“

„Das Thema hat sich 2020 erledigt“

Dass die AfD zur Kommunalwahl 2020 in Konkurrenz zu den etablierten Parteien tritt, damit rechnet Thorsten Stracke, Fraktionsvorsitzender der Meinerzhagener CDU, allerdings nicht: „Das Thema hat sich bis zum Jahr 2020 erledigt. Die AfD lebt momentan doch nur vom Thema Flüchtlinge. Und mit welchen Leuten wollen die in Meinerzhagen denn einen Ortsverband gründen? Dass viele in Sachen Flüchtlinge allerdings beunruhigt sind, verstehe ich. Das bin ich auch. Dass wir wirklich Verfolgten Schutz bieten, ist selbstverständlich. Aber jährlich eine Millionen Menschen aufnehmen, das geht nicht. Menschen, die wirklich verfolgt sind, haben unsere Solidarität aber natürlich absolut verdient.“

Rolf Puschkarsky führt die heimische SPD-Fraktion. Auch er glaubt, dass die AfD zum Zeitpunkt der nächsten Kommunalwahlen in Meinerzhagen kein Thema mehr sein wird. Das aktuelle Hoch der Partei gebe aber auch der Orts-SPD zu denken, räumt er ein. „Aber das ist keine Partei, mit der wir in irgendeiner Form zusammenarbeiten oder uns auch nur annähern werden. Wir sollten jetzt erst einmal die nächsten Landtagswahlen abwarten und dann gegebenenfalls versuchen, einem Rechtsruck entgegenzuwirken. In Meinerzhagen fürchte ich keine Auswirkungen, hier haben alle Fraktionen meiner Meinung nach dieselbe Einstellung dazu.“

„Angst haben wir vor denen nicht“

Ingolf Becker ist Fraktionsvorsitzender der heimischen Bündnis 90/Grünen. Sollte die AfD vor Ort versuchen, Fuß zu fassen, hält er ein „Bündnis aller demokratischen Kräfte in Meinerzhagen“ für sinnvoll. „Aber es wäre ihr demokratisches Recht, einen Ortsverband zu gründen. Angst haben wir vor denen nicht. Da müssten sich andere Parteien Sorgen machen, dass Wähler abwandern.“

Kai Krause, Chef der hiesigen FDP-Fraktion, bezweifelt, dass das Umfrage-Hoch der AfD bis zur Kommunalwahl 2020 überhaupt anhält. „Sollten sie in Landtage einziehen, müssten sie sich dort auch erst einmal behaupten. Da würde dann bestimmt schnell deutlich, dass außer Angstmache und Ausgrenzung nicht viel Substanz vorhanden ist. Mich stört auch, dass in der AfD viele Menschen mit rechtem Gedankengut vertreten sind. Sollten wir denen folgen, wären wir international schnell ausgegrenzt. Das ist für mich eine Protestpartei.“

„Ich hoffe, dass sie schnell verschwinden“

Keine Gemeinsamkeiten, keine Zusammenarbeit: Raimo Benger, Fraktionsvorsitzender der hiesigen UWG, hat eine klare Meinung zur Kooperation mit seiner Ansicht nach extremen Parteien wie der AfD. Doch er schränkt ein: „Wir machen hier Kommunalpolitik – und das ist etwas ganz anderes. Sinnvolle Ideen, egal aus welcher Ecke, sollte man da aufnehmen. Das halte ich auch bei den Linken so, die mich sogar zuletzt bei einigen Dingen unterstützt haben.“

„Ich hoffe, dass sie schnell wieder in der Versenkung verschwinden.“ Georg Follert von der Partei Die Linke und Mitglied der zwei-Mann-Fraktion von Linken und Piraten im Rat der Stadt, stört, dass die AfD seiner Ansicht nach politisch sehr weit rechts steht. „Und dennoch: Kämen sie in den Rat, wäre das eine demokratisch legitimierte Partei.“

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