Weltweite Stillwoche macht auf die Bedeutung des Stillens aufmerksam

Ein guter Start ins Leben

Bei der bundesweiten Stillwoche soll auf die Bedeutung des Stillens aufmerksam gemacht werden.
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Bei der weltweiten Stillwoche soll auf die Bedeutung des Stillens aufmerksam gemacht werden.

„Mit dem Stillen entsteht am Lebensanfang jene emotionale Geborgenheit, die jeder Mensch braucht.“ Darauf soll auch während der Weltstillwoche hingewiesen werden. Mit dem Motto „Stillen. Unser gemeinsamer Weg.“ geht es in dieser Woche auch um das Miteinander – nicht nur zwischen Mutter und Kind, sondern auch in der Gesellschaft.

Meinerzhagen – Stillen ist die natürlichste Sache der Welt – an sich ja, stimmt Kerstin Albertz-Schneider zu. Die Meinerzhagenerin ist seit 30 Jahren Hebamme, begleitete dabei 26 Jahre werdende Mütter auch im Kreißsaal bei der Geburt und ist seit 2017 als freiberufliche Hebamme ohne Geburtshilfe tätig. Ungezählte Male hat sie erlebt, wie bei jungen Familien „aus zwei drei werden“, wie Mütter nach der Geburt die ersten so besonderen Wochen mit ihren Babys erleben. Sie begleitete frischgebackene Eltern, die sich „mit ihren kleinen Chefs“, wie die Hebamme die Neuankömmlinge liebevoll nennt, vertraut machen müssen. Dazu zählt bei vielen Müttern eben auch das Stillen. „Bis es schön wird, dauert es aber eine Weile“, weiß die Meinerzhagenerin.

In den 60er Jahren war es schick, nicht zu stillen

Zum Glück, sagt, Kerstin Albertz-Schneider, wird heute wieder „viel, viel mehr“ gestillt. Das war nicht immer so: „In den 60er Jahren, war es schick, nicht zu stillen und sich die Ersatznahrung leisten zu können.“

Dabei sei Muttermilch nicht nur praktisch, sondern eben auch die günstigste, vor allem aber die gesündeste Ernährung für den Nachwuchs. „Keine Ersatznahrung kann Muttermilch kopieren“, das steht für die Hebamme fest, die sich aber auch noch an den Beginn ihrer Ausbildung vor über 30 Jahren erinnert: Vor jedem Stillen seien die Säuglinge gewogen worden, „dann wurden sie 20 Minuten angelegt und danach wieder gewogen.“ War die Menge nicht genug, wurde mit der Flasche nachgefüttert. „Gruselig“, nennt Kerstin Albertz-Schneider diese Methode. „Die armen Frauen.“

Geduld und Gelassenheit

Zum Glück habe sich das geändert. Doch dass das Stillen „von allein“ klappt – ein Mythos: „Wohl keine Frau findet das erste Anlegen toll“, sagt die 55-Jährige, die selbst Mutter von zwei erwachsenen Söhnen ist und mittlerweile drei Enkelkinder hat.

„Geduld und Gelassenheit“ empfiehlt die Hebamme „ihren“ Schwangeren in den Geburtsvorbereitungskursen: „Das ist wie bei Fahranfängern, auch die müssen erst lernen.“

Genauso gut sei es „völlig in Ordnung“, wenn sich eine Mutter gegen das Stillen entscheide, betont Kerstin Albertz-Schneider: „Lieber ein glückliches Flaschenkind als ein frustriertes Stillkind.“

Druck der Gesellschaft für frischgebackene Mütter

Durch die Gesellschaft komme allgemein ohnehin viel Druck auf die frischgebackenen Mütter zu. Umso mehr versuche sie, den Frauen zu vermitteln, „locker an die Sache ran zu gehen“. Auch bei ihren eigenen Kindern habe sie die Gelassenheit, die ihr ihre Oma vermittelt habe, als wohltuend empfunden.

Körperkontakt und inniges Verhältnis

Stillen sei anstrengend, zehrend, „es bedeutet aber auch Körperkontakt und fördert ein inniges Verhältnis. Es braucht Zeit.“

Stillen nach Bedarf, das ist die Rezeptur, die Kerstin Albertz-Schneider allen Müttern mit auf den Weg gibt. Und das in einer Gesellschaft, in der es um Zahlen und Fakten geht. Und um Struktur. „Und dann kommt ein kleiner Mensch und schmeißt die Struktur um.“ Die Charaktere der Babys seien unterschiedlich und genauso unterschiedlich seien eben auch ihre Trinkgewohnheiten. „Wir wiegen unser Essen normalerweise doch auch nicht ab“, sagt Kerstin Albertz-Schneider und schmunzelt: „Wenn der Architekt unseres Körpers das gewollt hätte, dann hätte er eine Skala in den Busen eingebaut.“

Ein guter Start ins Leben

Über die Milch erhalten Mutter und Kind eine Verbindung, beschreibt die Meinerzhagener Hebamme weiter. „Mütter können stolz sein auf jede nasse Windel. Sie können stolz sein, dass ihr Kind durch sie wächst. Es Es ist ein guter Start ins Leben.“

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