Gymnasium war fast 40 Jahre das "zweite Zuhause"

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Eckhard Kessler, stellvertretender Schulleiter des Evangelischen Gymnasiums, tritt seinen Ruhestand an. Miriam Haarbach tritt seine Nachfolge an.

Meinerzhagen - Am Ende des Schulhalbjahres endet am Evangelischen Gymnasium eine Ära, wenn der stellvertretende Schulleiter Eckhard Kessler in den Ruhestand wechselt. 

Nach 39 Jahren im Schuldienst, davon 19 als stellvertretender Leiter des Evangelischen Gymnasiums, treten Sie am Ende des Schulhalbjahres Ihren Ruhestand an. Verabschieden Sie sich eher mit einem lachenden oder einem weinenden Auge? 

Eckhard Kessler: Wenn man so lange dabei ist, dann geht die Versetzung in den Ruhestand nicht so mir nichts dir nichts an einem vorbei. Die Schule ist zu meinem zweiten Zuhause geworden, die Arbeit hat mir immer sehr viel Freude gemacht und ich bin dankbar, dass ich diese Schule über einen so langen Zeitraum hinweg maßgeblich mitgestalten durfte. Andererseits wird’s dann auch Zeit, Jüngeren Platz zu machen und sich auf einen neuen Lebensabschnitt einzustellen. Mit einem lachenden oder einem weinenden Auge? Wenn ich ehrlich bin: Ein wenig überwiegt die Vorfreude und Neugierde auf Neues. 

War der Beruf „Lehrer“ Ihr Traumberuf? 

Kessler: Noch vor dem Abitur ist für mich die Entscheidung gefallen Lehrer zu werden. Ich hab‘ das nie bereut, im Gegenteil. In nur sehr wenigen anderen Berufen sind die Gestaltungsmöglichkeiten so groß wie in unserem. Langweilig wird die Arbeit nie, was vor allem damit zu tun hat, dass man immer mit vielen Menschen zu tun hat, sei es im Lehrerzimmer oder sei es in den Klassen.

Für die meisten Pädagogen gibt es sowohl im Unterricht als auch im Umgang mit Schülern gewisse Grundsätze. Was waren Ihre Prinzipien?

Kessler: Für mich, als Lehrer an einer konfessionell gebundenen Schule, gilt ein Satz, den meines Wissens einer der früheren Schulleiter dieser Schule so oder so ähnlich gesagt hat: „Es gibt keinen evangelischen Mathematikunterricht, wohl aber einen evangelischen Mathematiklehrer.“ Soll heißen, neben aller Fachbezogenheit steht die personale Begegnung zwischen den Menschen in der Schule, zwischen Lehrer und Schüler, zwischen den Schülern und den Lehrern untereinander im Mittelpunkt. Gegenseitiger Respekt, Solidarität, Hilfsbereitschaft, Nachsicht, Toleranz und Höflichkeit, das Wissen darum, dass die schulische Leistung nicht alles ist, orientieren sich dabei an einem Bild des Einzelnen, wie es im Evangelium angelegt ist. Damit soll nicht gesagt sein, so etwas gebe es nur an konfessionellen Schulen. Für eine evangelische Schule allerdings ist es meines Erachtens das Fundament einer erfolgreichen Bildungsarbeit.

Gibt es besondere Erinnerungen an Ereignisse oder Begebenheiten – vielleicht aus Ihrer Anfangszeit als Lehrer?

Kessler: Ich wüsste spontan nicht, welches Ereignis aus den vielen schönen Erinnerungen ich da hervorheben sollte. Vielleicht eines, das gar nicht so lange zurückliegt. Im Sommer 2012 hat die Schule ihr 50-jähriges Jubiläum groß gefeiert. Mit einem unterhaltsamen, abwechslungsreichen offiziellen Teil und einer riesigen tollen Fete, zu der hunderte ehemalige Schülerinnen und Schüler sowie Lehrer angereist waren, um ihr Wiedersehen zu feiern und Erinnerungen auszutauschen. Übrigens: Am 2. Juni dieses Jahres ist es wieder soweit! Alle Ehemalige sind herzlich eingeladen! 

Die Schullandschaft, aber auch die Schule grundsätzlich, hat sich während der letzten Jahrzehnte verändert. Wie fällt Ihr Resümee diesbezüglich aus? 

Kessler: Die Schule ist bunter geworden! Im Vergleich zu früher hat sich die Zahl der Kinder, die ihre Wurzeln nicht in Deutschland haben, vervielfacht. Die unterschiedlichen kulturellen Prägungen bereichern den Unterricht und schaffen viele neue Erfahrungsmöglichkeiten. Deswegen freue ich mich ausdrücklich über diese Entwicklung!

„Zu meiner Schulzeit“ beginnen oft Eltern-Sätze. Viele Mütter und Väter beklagen, dass Kinder und Jugendliche heute „anders“ seien. Sie haben Schülergenerationen begleitet – wie sind Ihre Erfahrungen? 

Kessler: Klar, sind sie „anders“. Wie sollte das auch anders sein. Jede Generation wächst unter anderen Bedingungen auf. Allein der Einfluss und die Bedeutung der digitalen Medien lassen die Jugendlichen Dimensionen erfahren, die den meisten Erwachsenen ein Buch mit sieben Siegeln sind. Da werden Eltern und Lehrer oft abgehängt. „Anders“ heißt nach all meiner Erfahrung ganz sicher nicht „schlechter“ oder „besser“! Manche typischen Verhaltensweisen mögen insbesondere für die Lehrer „einfacher“ oder „schwieriger“ sein. Aber das hat mit „besser“ oder „schlechter“ gar nichts zu tun. 

Welchen Tipp geben Sie jungen Kollegen, die vielleicht gerade ihr Referendariat beendet haben, mit auf den Weg? 

Kessler: Aufgeschlossen sein gegenüber neuen Entwicklungen, die in der Schule nie ausbleiben! Immer wieder Neues ausprobieren und im Übrigen auf diese Weise eigene Erfahrungen machen!

Was wünschen Sie Ihren Schülern?

Kessler: Dass sie ihre Zuversicht und ihren Optimismus nicht verlieren, die Welt, in die sie hineinwachsen, gestalten zu können. 

Gibt es etwas, das Sie sich von den Schülern wünschen würden?

Kessler: Dass sie sich gern an ihre Schulzeit erinnern mögen und ihre Schulzeit als erfüllte Zeit haben.

Wie werden Sie „Ihre“ Schule in Erinnerung behalten?

Kessler: Als einen lebendigen, quirligen Ort unendlich vieler Begegnungen!

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