Projekt „Hardenwerk“

Dieses Start-up will Dörfer zu kreativen Zentren machen

Karl Kemper, Johanna Rummney und Lena Schalenbach entwickelten „Hardenwerk“.
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Kreative Köpfe eines lebendigen Dorfes: Karl Kemper, Johanna Rummney und Lena Schalenbach entwickelten „Hardenwerk“.

Mit Start-up-Unternehmen verbindet man nicht selten alles, was mit Bits und Bytes, Soft- und Hardware zu tun hat. Dieses Start-up ist jedoch anders - und hat seinen Firmensitz nicht etwa in einer Metropole, sondern auf dem Land: in Hardenberg, Meinerzhagen.

Hardenberg: Oberhalb der L 539 gelegen, umgeben von Krähenberg und Ramskopf und dem Naturschutzgebiet Gleyer. Ein idyllisches Dorf. Hardenberg: Handwerker, Töpferinnen, Imker, Architekten, Designer, Künstler und Künstlerinnen. Ein kreatives Dorf. Bei einem Besuch lässt sich vieles entdecken – ob während eines Spaziergangs in der alten Wacholder-Hochheide oder beim Stöbern im (virtuellen) Dorfladen.

Dorffest, Osterfeuer, Laternenzug – im kleinen Ort Hardenberg gibt es alles, was es in kleinen Dörfern eben so gibt. Es gibt ein Miteinander und eine aktive Dorfgemeinschaft. Dank vieler kreativer Köpfe gab es im vergangenen Jahr zum ersten Mal einen Weihnachtsmarkt und wird seit Jahren an Pfingsten das schon legendäre „Pfingstwerken“ auf die Beine gestellt. Man trifft sich zum Handwerken, Töpfern, Malen oder Modellieren. „Was dort entstanden ist, wurde dann auf dem Weihnachtsmarkt angeboten – richtig coole Sachen“, erzählt Karl Kemper mit Begeisterung. Aus diesem Impuls alter Tradition ist nun das jüngste Dorf-Projekt gewachsen. In der Hipster-Szene in der Domstadt wäre es wohl ein „digitaler Ideenhub“, erzählt der Kölner Geografie-Student schmunzelnd. In seiner Heimat im ländlichen Meinerzhagen ist es ein digitaler Dorfladen.

Kreativität im Dorf soll gebündelt werden

Aus einer Idee wurde im Laufe des Jahres ein Konzept: „Wir möchten ganz einfach die Energie und die Kreativität im Dorf bündeln und die Möglichkeit bieten, eigene, lokale erzeugte Produkte aus ökologisch sinnvollen Materialien zu vertreiben, vor Ort und auch im Netz“, beschreibt Johanna Rummeny, was hinter „Hardenwerk“ steckt.

Der Name ist Programm: Die Werke, die in Hardenberg entstehen oder von Hardenbergern hergestellt werden, werden vermarktet. Die Internetseite des virtuellen Dorfladens soll Mitte Oktober an den Start gehen. „Wie groß das Ganze wird, werden wir sehen“, ist das Entwickler-Trio Karl Kemper, Johanna Rummeny und Lena Schalenbach gespannt.

Auch in anderen Dörfern Potenzial entdecken

Eines steht für sie jetzt schon fest: „Wir möchten uns von den bestehenden großen, global handelnden Plattformen abheben.“ Eingrenzen oder gar abgrenzen möchte man sich dagegen nicht. Im Gegenteil. „Unser Augenmerk liegt schon darauf, dass es auch in anderen Dörfern Potenzial gibt“, betont Karl Kemper. Vernetzung ist ein Stichwort. Die ländliche Region stärken ein weiteres. Vor allem gehe es darum, die Idee lokal zu verankern. Eine reale Hardenwerkstatt, die nicht nur digital besucht werden kann, ist noch Zukunftsmusik – „da ist auch ein finanzieller Haufen zu stemmen“, so Lena Schalenbach – als ein dann gefördertes Leader-Projekt ist sie aber durchaus denkbar.

Typisch Hardenberg und damit „Hardenwerke“ sind beispielsweise Linoldrucke auf Textilien oder Karten, gestaltet von Johanna Rummney und Karl Kemper, Honig der Imker-Familie Kemper, Arbeiten der Keramikerin Tanja Hoppe, Kunstwerke aus dem Atelier von Herbert Langenohl oder Handgenähtes der Familie Martin. „Man kann aber auch einfach Feuerholz anbieten“, so Lena Schalenbach. Wichtig seien der ökologische Gedanke und der lokale Bezug. „Es sollen keine Importe vertickt werden“, steht für die Hardenberger fest.

Der Ur-Sauerländer wartet erst mal ab.

Lena Schalenbach

Im Dorf sei ihre Idee gut angekommen, freuen sich die Hardenwerk-Macher – „auch wenn der Ur-Sauerländer erst einmal abwartet“, sagt Lena Schalenbach. Die Rückmeldungen seien aber positiv, freut sich die Architektin. Auf der Homepage werden beim Stöber-Rundgang Zeichnungen der Hardenberger Häuser zu sehen sein, die „besucht“ werden können. Es gibt darüber hinaus die Möglichkeit, verschiedene Kategorien auszuwählen.

Wohl eher nichts für eilige Käufer sei die Plattform mit ihrem wechselndem Angebot, das sich im besten Fall ständig erweitern soll. „Wir sind gespannt und hoffen, dass es sich weiter entwickelt“, sagt Studentin Johanna Rummney. Unter sich bleiben möchten die Hardenberger keinesfalls. „Wer den Gedanken weiter tragen möchte, ist willkommen.“

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