Stadt steht vor großen Herausforderungen

Auch eine Folge des Klimawandels? Am 27. Juli wütete ein Unwetter in Meinerzhagen. ▪ Archivfoto: van de Wall

MEINERZHAGEN ▪ Der Klimawandel hat Auswirkungen auch auf Meinerzhagen.

Menschen, die in Gummistiefeln durch überflutete Kellergänge waten; Feuerwehrmänner, die zahllose umgestürzte Bäume von Meinerzhagener Straßen räumen müssen; das Schützenzelt, das mit enormer Wucht vom Sturm teilweise umgerissen wird. All das sind Erinnerungen an den 27. Juli dieses Jahres, an dem die Einwohner der Volmestadt einmal mehr zu spüren bekamen, wie unangenehm auch sie von den Folgen des stetig voranschreitenden Phänomens „Klimawandel“ beeinflusst werden können.

Auch dem Deutschen Städtetag ist es offensichtlich ein Anliegen, die Kommunen im Märkischen Kreis konkreter darüber zu informieren, welche Gefahren der Klimawandel und die Erderwärmung für sie mit sich bringen – und wie eine adäquate Vorbereitung darauf aussehen könnte. In einer Pressemitteilung weist der Hauptgeschäftsführer des Städtetags Dr. Stephan Articus auf verschiedene Probleme hin, die „die Städte schon jetzt zum Handeln zwingen – trotz knapper Kassen“.

Auch Stadtbrandinspektor und Ordnungsamtsmitarbeiter Thomas Decker war am „Katastrophentag“ des 27. Juli im Einsatz und gibt zu: „Da sind wir an unsere Grenzen gekommen“. „Trotzdem sind wir bisher in Meinerzhagen doch eher glimpflich davongekommen“. In puncto Überschwemmungen können die Meinerzhagener in diesem Jahr in der Tat von Glück reden: Die Volme trat bisher nur sehr selten über die Ufer. Auf die Frage, ob das Equipment der Feuerwehr aufgestockt werden müsste – beispielsweise im Bereich der Ausrüstung für Katastrophenschutz – meint Decker, dass darüber „sicherlich nachgedacht werden sollte“. Allerdings sei es noch wichtiger, dass das Personal „mit der Ausstattung auch wirklich arbeiten kann“.

Valko Gerber, Mitarbeiter im Bereich des Sachgebiets Bauen und Wohnen bei der Stadt Meinerzhagen, weiß ebenfalls um die Probleme, die insbesondere Starkregen mit sich bringt: „Obwohl die Gesamtniederschlagsmenge 2012 bis dato eigentlich im Durchschnitt lag, gab es doch einzelne Extremfälle, wie den am 27. Juli. Diese Entwicklung ist neu“, so der städtische Angestellte. „Wir sind bemüht, diese Tatsache bei allen Ausbaumaßnahmen an Bächen und Flüssen zu berücksichtigen“, versichert Gerber weiter. Als Beispiel gibt er den jüngst erfolgten Ausbau des Korbecker Bachs an: Dieser wurde „deutlich vertieft“ und im Bereich der Rohre vergrößert, um Hochwasser verstärkt ableiten zu können. Das sei notwendig gewesen, „da es in letzter Zeit verstärkt zu Schäden an Wohnhäusern gekommen ist“.

Auch bei der Anpflanzung von Bäumen im Meinerzhagener Stadtgebiet gilt es mit dem Faktor „Erderwärmung“ angemessen umzugehen: So verkraftete der Ahorn, der früher verstärkt als „Straßenbaum“ angepflanzt wurde, die Erwärmung von Luft und Boden nicht besonders gut: „Wir hatten hier zunehmend Probleme mit Pilz- und Schädlingsbefall, unter anderem, weil die Bäume durch die Temperaturänderung stetig geschwächt wurden“, erklärt Valko Gerber. Mittlerweile sind die Verantwortlichen daher auf die Hainbuche umgestiegen, die sich laut Gerber als „deutlich rouster“ erwiesen hat. Diese ist allerdings nicht zu verwechseln mit der herkömmlichen Buche, denn auch die „leidet“ unter dem Klimawandel: „Wenn man einmal durch einen beliebigen Meinerzhagener Wald geht, fallen sofort die vielen abgebrochenen Baumkronen der Buchen auf. Daher sind wir mit der Neuanpflanzung von Buchen in den städtischen Wäldern momentan noch sehr vorsichtig“, so Gerber. ▪ juli

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