Die Stadt soll auf den Tourismus setzen

Meinerzhagen soll Anziehungspunkt für auswärtige Gäste werden – so wie vor Jahrzehnten. Das wünscht sich das Stadtmarketing. Dieses Bild zeigt Skitouristen auf der Hauptstraße.

Meinerzhagen - Auch in Meinerzhagen ist nicht alles Gold was glänzt. Einwohnerschwund, abfließende Kaufkraft, Konkurrenz durch andere Städte und jede Menge Nachholbedarf beim Tourismus. So jedenfalls sehen es der Geschäftsführer des heimischen Stadtmarketings Bernd-Martin Leonidas und Michael Krause, Leiter des Arbeitskreises Tourismus.

Im städtischen Ausschuss für Wirtschafts-, Struktur- und Tourismusförderung präsentierten sie am Dienstag jedoch ein Konzept, das Abhilfe schaffen und Meinerzhagen zum „Tor des Naturparkes Sauerland-Rothaargebirge“ machen soll. Elf Punkte listeten die beiden Fachleute in Sachen Fremdenverkehr auf: „Info-Points auf dem Stadthallenvorplatz; Naturkundemuseum, Erinnerungen an den Kalten Krieg und Kunstausstellungen im ehemaligen Warnamt; die Schanze als barrierefreier Aussichtsturm mit einem gläsernen Aufzug; vierdimensionales Kletterlabyrinth an der Schanze; Funsport-Aktivitäten wie die „Fly-Line“, Wanderbahnhof mit Taxi- und Bus-Shuttleservice zu den neuen Attraktionen; Wohnmobilkapazitäten im Bereich Parkplatz Schützenplatz; eine etwa 25 Kilometer lange „Mountainbike-Genießerroute; Ortseingangsportale mit Hinweis auf den Naturpark und eine mobil einsetzbare Bühne für Veranstaltungen im ganzen Stadtgebiet. Kostenpunkt für die Umsetzung: „Grob geschätzt etwa 3,6 Millionen Euro“, erläuterte Krause. Einzukalkulieren wären außerdem jährliche Betriebskosten in Höhe von ungefähr 300 000 Euro, die aber durch Eintrittsgelder gedeckt werden sollen. Zur Finanzierung der vorgeschlagenen Maßnahmen sollen auch „Fördertöpfe“ und die Industrie „angezapft“ werden. „Die sehnen sich schon jetzt nach Highlights in der Stadt“, glaubt Leonidas.

Die Vorstellung der Zukunftspläne verbanden Leonidas und Krause mit einem flammenden, etwa einstündigen Appell für die Tourismusförderung: „Für diesen Bereich müssen wir alle unsere Sinne schärfen. Um die Lebensqualität in der Stadt zu steigern und auch zu verhindern, dass junge Leute, unsere Hoffnungsträger, weiter abwandern“, forderte Krause, der auch konstatierte: „Meinerzhagen ist keine Marke mehr. Früher, als noch Sonderzüge Skitouristen brachten, war das noch der Fall. Heute fahren die Menschen an Meinerzhagen vorbei.“

Leonidas und Krause glauben, dass sich Einwohner und Unternehmen nach so genannten „Leuchtturmprojekten“, wie im Elf-Punkte-Programm aufgelistet, geradezu sehnen. Mehr Touristen in der Stadt sollen außerdem höhere Einnahmen für den Einzelhandel bewirken und auch Investoren – beispielsweise Hotel-Betreiber – in die Stadt holen: „Unserer Ansicht nach braucht ein Händler im Ort einen Monatsumsatz von etwa 18 000 Euro. Umgerechnet auf einen Öffnungstag wären das 720 Euro. Das zu erzielen, ist in Meinerzhagen schwer“, glaubt Leonidas, der weiter vorrechnete: „Tagestouristen bringen etwa 25 Euro am Tag, Übernachtungstouristen schon 100 Euro. Zurzeit kümmern wir uns aber hauptsächlich um Feste und Veranstaltungen. Das reicht nicht. Wir müssen Menschen von Außerhalb anlocken.“

Eine Machbarkeitsstudie soll nun nach Wunsch von Leonidas und Krause Aufschluss darüber geben, wie und ob die elf Punkte umgesetzt werden können. Kostenpunkt: 25 000 bis 30 000 Euro. Dieses Geld könnte im Idealfall ganz oder teilweise von Sponsoren aufgebracht werden.

Auch wenn die beiden Tourismusförderer am Dienstag gern eine sofortige Zustimmung des Ausschusses für die Bereitstellung der Summe gehabt hätten – sie wurden enttäuscht: Gerd Wirth (SPD), Thorsten Stracke und Matthias Scholand (beide CDU) dankten den beiden Marketing-Experten für ihre Fleißarbeit bei der Ausarbeitung der Pläne. Sie wiesen aber auch darauf hin, dass ein Finanzierungskonzept nötig sei, gerade in Zeiten „knapper Kassen“. Und auch Bürgermeister Jan Nesselrath schloss sich dem Dank an: „Meinerzhagen will sich zum Tourismus bekennen. Doch zunächst müssen sich die Gremien ausführlich damit befassen. Heute können wir aber das Signal senden, dass Ausschuss und Verwaltung auch bei diesem Projekt vorangehen möchten.“ Über allem steht aber die Finanzierbarkeit.

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