MZ-Umfrage unter Fraktionen ergibt klare Tendenz

Stadthalle: Fraktionen sehen Anbausanierung kritisch

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Die Stadthalle beschäftigt natürlich auch die Fraktionen weiterhin.

Meinerzhagen - Die Hiobsbotschaft ist für die Fraktionsvorsitzenden des Meinerzhagener Rates nun eine Woche alt: Am Mittwoch vergangener Woche erfuhren sie von dem Gutachten zum Sanierungsbedarf der Stadthalle. Zeit genug, um sich intensiv mit dem Dokument zu beschäftigen. Die MZ fragte nach.

Als erste Fraktion meldete sich die SPD bereits am Montagabend per Facebook zu Wort. „Unter dem Gesichtspunkt, dass die Stadthalle Meinerzhagen mit dem Saal und den dazugehörigen Nebenräumen für Meinerzhagen erhalten bleiben soll, sind die Investitionen in einer Höhe angesiedelt, die zunächst nachdenklich macht“, schreibt SPD-Fraktionsvorsitzender Rolf Puschkarsky, der aber durchaus Chancen für einen Erhalt sieht.

Umfassende Renovierung mit Rückbau der Gastronomie

So favorisiere die SPD die umfassende Renovierung und Ertüchtigung des Saalbaus mit Nebenräumen (Kino, Stadtbücherei, Awo-Treff, etc.), zugleich aber den Rückbau des Restauranttraktes. „Eine Gastronomie ist aber im Hinblick auf die Neugestaltung des Vorplatzes notwendig und sollte in anderer Form eingeplant werden.“ Voraussetzung dafür seien Fördergelder aus öffentlichen Mitteln, ebenso solle die Bürgerschaft in die Planung einbezogen werden.

CDU ebenfalls für Abriss des Restaurants

Ebenfalls für einen Abriss des Restaurantanbaus plädiert Thorsten Stracke, Fraktionsvorsitzender der CDU – allerdings vorbehaltlich einer Sonderfraktionssitzung, die am Montag stattfinden soll. „Die Tendenz unserer Fraktion könnte allerdings durchaus sein, dass wir für den Abriss des Anbaus und für die Sanierung des Veranstaltungssaals plädieren. Wobei diese natürlich nur mit Fördergeldern möglich sein wird.“

FDP will ergebnisoffen diskutieren

Ergebnisoffen diskutieren will indes die FDP, wie deren Fraktionsvorsitzender Kai Krause am Dienstag auf MZ-Anfrage erklärte. „Wir werden uns jetzt intensiv mit dem Gutachten auseinandersetzen, brauchen aber gemeinsam mit den anderen Fraktionen eine einhellige Meinung“, beschwört Krause die Geschlossenheit des Stadtrates. Dass das Gutachten durch einzelne Äußerungen bereits deutlich hinterfragt wird, bedauert er ausdrücklich. „Jetzt liegt etwas Objektives vor und man sollte damit auch entsprechend umgehen. Ich selbst bin Polizist, kein Baufachmann, da muss ich mich auf die Angaben im Gutachten auch verlassen können.“ Das Abrufen von Fördermitteln sieht Kai Krause kritisch: „Auch das sind Steuergelder.“

UWG warnt vor verfrühter Festlegung

Raimo Benger, Fraktionsvorsitzender der UWG, bleibt dabei: „Die Stadthalle soll erhalten bleiben, wir sind aber diskussionsbereit, was den Anbau betrifft“, sagte er gegenüber der MZ. Zugleich warnt Benger jedoch davor, sich zu früh festzulegen, da ein Abriss des Restauranttraktes seiner Meinung nach zwingend eine Nachfolgenutzung dieser Fläche erfordert. „Wir brauchen dort ein Zugpferd“, sagt der UWG-Fraktionssprecher. Bereits jetzt leide die Innenstadt massiv unter dem Wegzug des Kaufparks und es drohten weitere Leerstände. „Ich mache mir Sorgen.“

Fokus auf den Veranstaltungssaal

Ebenfalls den Fokus auf den Veranstaltungssaal richtet Ingolf Becker von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. „Hinsichtlich des Anbaus müssen wir schauen, wie man damit umgeht“, sagt er. Selbst bei einem Erhalt müsse jedoch geklärt sein, ob es überhaupt Interessenten für eine gastronomische Nutzung geben würde. Große Hoffnung setzt Becker auf Fördermittel: Zusammen mit Sponsorengeldern könnte der Anteil der Stadt reduziert werden. „An der Burg Altena gab es etwa das Modell Sponsorentafel, das ist sicher auch hier machbar.“

Linke und Piraten von der Summe überrascht

Von der gewaltigen Summe von mehr als 8 Millionen Euro überrascht ist Georg Follert, Sprecher der Fraktion Linke und Piraten. „Ich habe zwar immer schon gedacht, dass die vorher angepeilten 2 Millionen Euro optimistisch sind. Dass es so teuer werden würde, hätte ich aber auch nicht geglaubt.“ Für Follert ist das Gutachten „relativ schlüssig“ und die Stadthalle erhaltenswert – im Gegensatz zum Restaurantanbau. „Die Bürger hatten ja Sorge um die Kultur in der Stadt, falls die Stadthalle abgerissen wird. Eine solche Gefahr sehe ich beim Abriss des Restaurants nicht.“

Ratssitzung am kommenden Montag

Nun bereiten sich alle Fraktionen auf die nächste Ratssitzung vor, die am kommenden Montag ab 17 Uhr im Ratssaal stattfindet. Einen eigenen Tagesordnungspunkt bildet das Stadthallen-Gutachten dort zwar noch nicht. Es darf jedoch damit gerechnet werden, dass die Berechnung zur Sanierung durch Anfragen der Fraktionen oder eine Bekanntmachung der Verwaltung thematisiert wird.

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