Stadtbrandinspektor macht Schluss

Ulrich Blumenrath: Abschied von der Feuerwehr

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Eine Feuerwehrfamilie: Im Leben von Ulrich (links), seiner Nichte Vanessa und seinen Geschwistern Wolfgang und Rainer (rechts), seines Zeichens Kreisbrandmeister, spielt die Feuerwehr eine besondere Rolle. Blumenrath

Meinerzhagen - „Feuerwehr ist nichts für einen alleine. Ein Einzelner kann auch bei einem Brand nichts ausrichten. Feuerwehr ist Gemeinschaft.“

Und: „Wenn einer alleine arbeiten will, geht das daneben“ – für Ulrich Blumenrath ist diese Einstellung kein Ideal, sondern vielmehr die Voraussetzung, damit Feuerwehr „funktioniert“. In 40 Jahren Feuerwehrdienst hat sich diese Auffassung für ihn bestätigt – bei Übungen, Einsätzen und auch bei der Verantwortung für 200 Ehrenamtliche der Freiwilligen Feuerwehr Meinerzhagen, die Ulrich Blumenrath als stellvertretender Wehrleiter übernommen hat.

Genau neun Jahre, vom 1. April 2008 bis zum 1. April 2017, stand der Stadtbrandinspektor als stellvertretender Wehrleiter an der Spitze der Meinerzhagener Feuerwehr – ehrenamtlich. Dass das Wort „freiwillig“ dabei eigentlich nur theoretisch gilt, hat auch Uli Blumenrath früh verinnerlicht: „Mein Vater hat immer gesagt, zwei Dinge seien bei der Feuerwehr freiwillig, der Eintritt und der Austritt – alles andere ist Dienst. So habe ich das auch immer gesehen.“ 

Die Familie hat Uli Blumenrath geprägt: Sein Vater Kurt war Löschgruppenführer in Willertshagen und später stellvertretender Wehrleiter, sein Bruder Rainer übernahm ebenfalls Führungspositionen, war ebenfalls stellvertretender Wehrleiter der Meinerzhagener Feuerwehr und ist heute Kreisbrandmeister. Bruder Wolfgang ist in der Löschgruppe Willertshagen aktiv, ebenso, vor Kurzem erst von der Jugendfeuerwehr in die aktive Wehr gewechselt, Nichte Vanessa.

Rasante technische Entwicklung miterlebt

Für Ulrich Blumenrath war als 18-Jähriger klar, dass er in die Feuerwehr eintrat. „Das war früher einfach so, wir kannten es nicht anders“, resümiert er und erinnert sich noch allzu gut an die Ausrüstung von einst: „Die Einsatzkleidung bestand in den 70er-Jahren aus einer blauen Leinenkombi. Heute würde mit solchen Sachen wohl niemand arbeiten.“ 40 Jahre Feuerwehr – das sind auch 40 Jahre rasante technische Entwicklung: „Was sich in dieser Zeit verändert hat, ist irre. Daran teilhaben und dies mitgestalten zu dürfen, das ist großartig – erlebte Geschichte.“ 

Lebendige Erinnerungen hat der 57-Jährige beispielsweise noch an die Diskussion im Willertshagener Gerätehaus Ende der 70er-Jahre, bei der es um den Kauf von zwei Atemschutzgeräten ging, oder an die vielen Stunden, die er mit Kameraden damit zubrachte, aus zwei alten Unimogs einen funktionstüchtigen Einsatzwagen zu bauen.

1991 absolvierte der Meinerzhagener den Brandmeister-Lehrgang, 1996 wurde er stellvertretender Löschgruppenführer der Löschgruppe Willertshagen, ehe er schließlich, die erforderlichen Lehrgänge am Institut der Feuerwehr in Münster „in der Tasche“, im April 2008 zusammen mit Thomas Decker und Andreas Barutta das neue Führungstrio der Meinerzhagener Feuerwehr bildete – als Nachfolger der Vorgänger Herbert Zelinski und Achim Hager.

Wieviel Zeit seitdem für die Feuerwehr investiert wurde – nachrechnen lässt sich dies ebensowenig, wie die Zahl der Telefonate mit seinen Amtskollegen – „mindestens jeden zweiten Tag“. Bei diesem „kurzen Dienstweg“ blieb es selten, wenn es um die Sicherstellung des Brandschutzes in der Volmestadt und die Sorge für eine leistungsfähige Feuerwehr ging. Dazu gehörte es auch, den Ausbau der Gerätehäuser voranzutreiben, Neuanschaffungen waren ebenfalls ein ständiger Prozess. Als „gelungen“ bezeichnet Ulrich Blumenrath die Anschaffung eines Einsatzleitwagens, in dem der Einsatzleitung entsprechende Kommunikationstechnik zur Verfügung steht. Ebenfalls positiv sei die Anschaffung eines Mannschaftstransportwagens für die Jugendfeuerwehr gewesen. Die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Feuerwehr, betont Blumenrath, habe in jeglicher Hinsicht hervorragend funktioniert.

Kyrill und Firmenbrände bleiben in Erinnerung

Administrative Aufgaben prägten das Amt als stellvertretender Wehrleiter, im Gedächtnis bleiben aber vor allem die Einsätze, zu denen Ulrich Blumenrath ausrückte – in den 80er-Jahren gehörten die verheerenden Industriebrände der Firmen Fernholz und Turk dazu. „Einschneidend“ im wahrsten Sinne war das Sturmtief Kyrill. „Besonders sind natürlich immer die Einsätze, bei denen Personen betroffen sind“, so Blumenrath. Oft sind die Erlebnisse bei Extremsituationen für Feuerwehrangehörige belastend. Die Erinnerungen an zwei Einsätze, „bis heute noch völlig präsent“, hat Ulrich Blumenrath aufgeschrieben, sie wurden im Buch eines Düsseldorfer Einsatzleiters der Berufsfeuerwehr veröffentlicht. Erlebtes aufzuschreiben, das sei ein guter Tipp, so seine Erfahrung, „dann bekommt die Geschichte einen anderen Platz, kann anders einsortiert werden“.

In den Hintergrund treten die Erlebnisse in 40 Feuerwehrjahren auch nach dem Rücktritt als aktiver Feuerwehrmann nicht so schnell. Immerhin: „Mich daran zu gewöhnen, keinen Pieper mehr zu haben, das hat ganz gut geklappt“, hat Ulrich Blumenrath schon festgestellt. Über die neu gewonnene Zeit freue sich auch seine Ehefrau Iris. „Sie hat die Feuerwehr all die Jahre akzeptiert und mich immer unterstützt.“ Ein großes Dankeschön für die Unterstützung gelte in besonderem Maße auch den Arbeitskollegen und der Geschäftspartnerin Monika Klaes.

Ab dem Ende diesen Monats ist Ulrich Blumenrath dann Mitglied der Ehrenabteilung. Ein hohes Maß an Verantwortung und Druck, beides spürte er als Wehrleiter, sind nun weg. „Man hat sonst immer nachgedacht, beispielsweise über Verfügbarkeiten, wenn es, so wie jetzt, überall trocken ist. Ein Gedanke galt immer der Feuerwehr.“ Und wenn jetzt nachts die Sirene geht? „Dann bleibe ich liegen“, entgegnet Ulrich Blumenrath schmunzelnd.

Langweilig wird es dem gelernten Schriftsetzer und Mitinhaber der Druckerei BK Media und Print in seiner Freizeit nicht, engagiert ist er beispielsweise im Komitee für Städtepartnerschaft. Dass zu seiner offiziellen Verabschiedung am Freitag, 28. April, im Gerätehaus Willertshagen auch eine Delegation aus Kampen/IJsselmuiden anreisen wird, freut ihn daher sehr.

Außerdem ist Uli Blumenrath begeisterter Motorradfahrer, die nächsten größeren Touren führen nach Schottland und Österreich – letztere zusammen mit ehemaligen Feuerwehrkollegen. Ganz „abschütteln“, da ist sich der 57-Jährige sicher, wird er die Feuerwehr nie können.

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