Das Stadtarchiv platzt aus allen Nähten

Freier Platz ist kaum noch vorhanden. Das Stadtarchiv platzt aus allen Nähten.

MEINERZHAGEN ▪ In einem Archiv liegen staubige Akten, die niemanden interessieren. Falsch.

Zumindest das Meinerzhagener Stadtarchiv beherbergt eine Vielzahl von Dokumenten, die einen Einblick in die wechselvolle Geschichte der Volmestadt geben – und die häufig eingesehen werden. Hier sind unter anderem auch wichtige Schriftstücke zu finden, die Auskunft über Eheschließungen, Geburten oder Todesfälle geben. Und weil das Stadtarchiv – untergebracht im Untergeschoss der Stadthalle – so viele „Geheimnisse“ preiszugeben hat, ist es ein beliebter Anlaufpunkt für interessierte Heimat- und Familienforscher. Und auch im Zuge der Amtshilfe kann das Stadtarchiv mit seinem immensen Bestand an unterschiedlichsten Schriftstücken genutzt werden. Schüler, Familienforscher und nicht zuletzt Ortsheimatpfleger sind regelmäßig zu Gast in den beengten Räumlichkeiten in der Stadthalle. Auch ehemalige Zwangsarbeiter machten sich hier bereits auf die Suche nach amtlichen Hinweisen auf ihre Leidenszeit während des NS-Regimes.

In Meinerzhagen entschied man sich vor vielen Jahren für die 1978 gebaute Stadthalle als „Unterkunft“ für das Archiv, das inzwischen allerdings aus allen Nähten platzt. Durch neue Verordnungen müssen hier jetzt auch Personenstandsakten aufbewahrt werden, was zusätzliche Anforderungen an die Kapazität stellt. Dass gehandelt werden muss, um der „Urkundenflut“ Herr zu werden, ist auch in der Verwaltung bekannt. Und so war das Archiv auch Thema bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Kultur, Denkmalschutz und Denkmalpflege. Hier nutzte Ortsheimatpfleger Chris Riederer die Gelegenheit, auf die derzeitige Situation aufmerksam zu machen. Er sprach zudem auch einen weiteren Punkt an, den Schutz der Dokumente vor Hochwasser. Bekanntlich wurde der Platz vor der Stadthalle im Sommer beim Volme-Hochwasser überflutet – das Archiv im Untergeschoss der Halle blieb glücklicherweise verschont.

„Die räumliche Kapazität der Stadthalle ist nicht mehr ausreichend, wir müssen etwas tun“, sprach sich der Erste Beigeordnete der Stadt, Frank Maatz, während der Sitzung auch deutlich für eine Verbesserung der augenblicklichen Verhältnisse aus. Er kündigte an, bei der Suche nach Räumlichkeiten die „städtische Infrastruktur“ einzubeziehen – ohne allerdings auf Details der Planungen einzugehen. Klar wurde jedoch, dass ein Neubau aus Kostengründen ausscheidet. „In drei bis fünf Jahren möchten wir eine Alternative präsentieren“, äußerte sich Maatz zum Zeitplan. Er machte darüber hinaus deutlich, dass das Archiv nicht dem Selbstzweck diene und man intensiv nach Lösungen suche. Das scheint auch nötig zu sein, denn wenn mehrere Besucher gleichzeitig im Archiv arbeiten, stehen sie sich momentan praktisch gegenseitig auf den Füßen. Immerhin: Die neuen Öffnungszeiten bezeichnete Riederer als „sehr benutzerfreundlich“.

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