Ohne Glyphosat-Keule

So kämpft Meinerzhagen gegen das Unkraut

+
Unkraut auf dem Otto-Fuchs-Platz.

Meinerzhagen - Wenn es grünt und blüht, scheint alles in bester Ordnung zu sein. Doch es gibt Flächen, auf denen kein Bewuchs willkommen ist. Dann nennt sich das Grün schlicht „Unkraut“ und wird entfernt. Manchmal mit nicht unumstrittenen Mitteln wie Glyphosat, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Aber kommt es auch in Meinerzhagen zum Einsatz?

Die Schlagzeilen um das Unkrautvernichtungsmittel aus dem Hause Monsanto – das mittlerweile zum Bayer-Konzern gehört – reißen nicht ab. Weil viele Landwirte trotz der zahlreichen Warnungen immer noch auf das Herbizid setzen, reagieren manche Städte mit einem Verbot, wenn es um Neuverpachtungen ihrer Äcker geht.

In der Volmestadt ist solch ein Verbot aber schwer umzusetzen, wie Valko Gerber vom zuständigen Fachbereich Technischer Service im Rathaus sagt. „Wir haben zwar einige landwirtschaftliche Flächen verpachtet. Die dazugehörigen Verträge sind aber so alt, dass solche Einschränkungen dort sicher nicht berücksichtigt worden sind“, sagt Gerber. „Diese Verträge gab es schon, als ich noch gar nicht für die Stadt gearbeitet habe.“ Valko Gerber arbeitet seit 27 Jahren für die Stadt Meinerzhagen. Und er weiß: „Die Pachtverträge laufen meist unbefristet und können von uns nicht einfach einseitig gekündigt werden.“ 

Ob ein Einsatz auf städtischen Flächen überhaupt sinnvoll ist, bezweifelt Gerber ohnehin. Denn: „Das macht ja nur auf Ackerflächen Sinn. Hier haben wir es aber mit Weideflächen zu tun, wo kein Unkraut vernichtet werden muss.“ Ob (das noch erlaubte) Glyphosat aber tatsächlich nicht zum Einsatz kommt, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. 

Während ein Eingriff in laufende Pachtverträge bei der Stadt also kein Thema ist, hat man sich bei selbst bewirtschafteten Flächen durchaus mit dem Einsatz unterschiedlicher Unkrautvernichter beschäftigt. Mit eindeutigem Urteil: „Glyphosat wird durch unsere Mitarbeiter nicht eingesetzt“, betont Gerber. Auch, wenn die Beseitigung des Grüns mitunter viel Fingerspitzengefühl erfordert. 

Zum Beispiel auf dem Otto-Fuchs-Platz. „Hier haben wir bislang keine großen Probleme mit Unkraut. Wenn es dann aber doch kommt, werden wir nicht einfach mit Hitze dagegen vorgehen“, sagt Valko Gerber. Die Beschichtung der Steinplatten solle nicht leichtfertig riskiert, Schmutzpartikel nicht versehentlich in den Stein „eingebrannt“ werden. Daher werde der Baubetriebshof dort mit „Handarbeit“ gegen das zähe Grün vorgehen. 

„Am Randbereich des Brunnens, wo durch spielende Kinder viel Feuchtigkeit in umgrenzende Fugen gerät, werden wir außerdem nachbessern, um einen Bewuchs dort zu vermeiden“, erklärt der Experte vom Technischen Service. Das Problem: „Eine wirklich nachhaltige Lösung der Unkrautvernichtung gibt es nicht“, sagt Gerber. 

Auch der sogenannte Hitzeschild-Handkarren, der nach erfolgreichem Testlauf mittlerweile fester Bestandteil der Unkrautvernichtung in Meinerzhagen ist, kann nur kurz- bis mittelfristig Abhilfe schaffen. Irgendwann lugt das Grün aber doch wieder hervor. Dann geht der ewige Kreislauf weiter: Abflammen, kratzen – und auf das nächste Grün warten...

So geht die Stadt gegen Unkraut vor

Einige Zeit lang hat der Bauhof einen mittels Gasbrenner „befeuerten“ Handwagen getestet, der sich offenbar bewährt hat und nun immer wieder bei der Unkrautvernichtung eingesetzt werde, wie Valko Gerber erklärt. 

Die Funktionsweise: Die Flammen erhitzen einen Schild im Frontbereich, der die Wärme nach unten auf das Unkraut abstrahlt. Dabei verbrennt die Pflanze nicht, sondern die Zellstruktur wird geschädigt und das Unkraut stirbt ab. Außerdem wird das bewährte Kratzen angewendet: An einem kleinen Trecker wird ein Vorsatz montiert, der mit Drahtbüsten versehen ist. Die reißen das Unkraut heraus. An Ecken und in schmalen Bereichen werde außerdem auf einen Gasbrenner gesetzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare