Trauben-Eiche braucht Hilfe bei Fortpflanzung

Forstamtsleiter Klaus Lomnitz und der „Baum des Jahres“, die Trauben-Eiche. In dem eingezäunten Teil des Staatsforstes oberhalb von Lengelscheid gedeiht sie prächtig - Foto: Beil

Meinerzhagen - Die junge Eiche hat ein Problem: Für das Schalenwild – beispielsweise Rehe – ist sie eine Delikatesse. „Wie für uns ein leckerer Salat“, weiß Forstamtsleiter Klaus Lomnitz. Die „kulinarische“ Vorliebe der Paarhufer hat auch Auswirkungen auf den heimischen Wald: Weil Eichen künftig eine größere Rolle spielen sollen, müssen die Pflänzchen vor allen Dingen im „Kindesalter“ geschützt werden – auch im Staatsforst.

Von Jürgen Beil

Im Rahmen der MZ-Serie mit Themen rund um die Natur im Ebbe steht heute der Baum des Jahres im Mittelpunkt, die Trauben-Eiche. Doch die „deutsche Eiche“ ist im heimischen Wald keineswegs eine weit verbreitete Art. Ihr wurde im Laufe der Jahre der Rang abgelaufen, durch die Fichte. Die wächst wesentlich schneller, bringt daher größere Erträge, ist aber auch anfälliger. Besonders Stürme können dem „Flachwurzler“ in Sekundenschnelle den Garaus machen. Anders die Eiche: Ihre Wurzeln dringen tief in den Boden ein und verleihen ihr Standfestigkeit.

Das hat auch das zuständige Landesministerium erkannt, deshalb soll die Eiche jetzt verstärkt angepflanzt werden. Doch das ist nur sinnvoll, wenn das betreffende Areal durch Zäune abgegrenzt wird – wie oberhalb von Lengelscheid an der Straße Richtung Schürfelde. Hier gedeiht die Trauben-Eiche in einem Bereich, wo sie zusammen mit Hainbuchen in Ruhe wachsen kann – fast ohne natürlich Fressfeinde. Die Buche pflegt die Eiche dabei auf ihre Art. Sie lässt Licht durch – eine Voraussetzung für gutes Gedeihen der Eiche.

Blick vom eingezäunten Staatswald bei Lengelscheid. Auch auf den Nachbarflächen hat Orkan Kyrill für „Kahlschlag“ gesorgt.

In dem abgezäunten Bereich hat im Jahr 2007 Orkan Kyrill gewütet. Eine Chance für Revierförster Matthias Borgmann, danach für einen Wechsel der Baumarten zu sorgen. Und so wurden Tausende von Bäumen angepflanzt, darunter Trauben-Eiche und Hainbuche. Im Schutze des etwa 2,50 Meter hohen Zaunes hat sich inzwischen eine kleine Wildnis angesiedelt. „Ohne Absperrung wäre das gar nicht möglich gewesen“, weiß Borgmann. Mit einem baldigen Ertrag aus dem Holzeinschlag kann das Land Nordrhein-Westfalen hier aber nicht rechnen: „Die Eiche ist unsere teuerste Kultur. Sie muss immer gepflegt werden. Man benötigt etwa 5000 Pflanzen pro Hektar, davon sind zehn Prozent Hainbuchen“, erläutert der Förster. Erst im 60. Jahr wirft die Eiche Erträge ab, erntereif ist der Baum nach ungefähr 180 bis 200 Jahren. Was sich NRW hier leistet, ist also eher als Investition in die Zukunft zu sehen – sowohl in finanzieller wie auch in ökologischer Hinsicht, denn auch dem Klimawandel wird die Eiche eher widerstehen als die sauerlandtypische Fichte.

Förster Matthias Borgmann mit einer kleinen Hainbuche. In dieser Größe hat der Baum noch Fressfeinde.

Doch warum traten die Laubbäume auch im Ebbe den Rückzug an? Klaus Lomnitz macht das mit einem Ausflug in die deutsche Geschichte deutlich: „Eigentlich war bei uns die Buche immer dominierend. Zwischen 1600 und 1850 forderte dann der steigende Energiebedarf seinen Tribut. Das Holz wurde beispielsweise für die Kohlenmeiler gebraucht und auch die Industrialisierung spielte eine Rolle. Und die Eicheln waren wichtig in der Schweinemast. Warf die Eiche die Eicheln ab, wurden die Schweine in den Wald getrieben. Sie fraßen die Früchte und wurden fett. Und dadurch hatten die Menschen auch im Winter zu essen – im Rauch haltbar gemachten Schinken zum Beispiel.“

Heute wird auch die Trauben-Eiche fast nur noch von Menschen kultiviert. „Aus den Eicheln wächst im Ebbe wohl kein Baum. Und die angepflanzten Keimlinge holt sich das Wild, wenn sie nicht geschützt werden“, berichtet Lomnitz. Daher sei es auch die Aufgabe der Jäger, für einen „gesunden“ Wildbestand zu sorgen. Natürliche Feinde wie Luchs und Wolf haben Rehe und Hirsche hierzulande nämlich (noch) nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare