Sportvereine: Große Not, wenig Geld

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Der RSV Meinerzhagen möchte den Ascheplatz hinter dem Stadion sanieren. Eine Förderung wäre daher willkommen.

Meinerzhagen - Das Land will den Sport in den Kommunen fördern – und hat dafür ein besonderes Förderprogramm ausgerufen.

Unter dem Titel „Moderne Sportstätte 2022“ sind Vereine aufgerufen, bis zu 300 000 Euro abzurufen. Das Modell hat jedoch einen Haken.

Wenn Ludger Rösges den Begriff „Moderne Sportstätte“ hört, muss er schmunzeln: Als Vorsitzender des KKSV Meinerzhagen hat er sich qua Amt mit den Förderrichtlinien beschäftigt – und recht schnell einen Dämpfer erhalten. „Wie es derzeit aussieht, kommen wir für eine Förderung gar nicht infrage. Schließlich muss der Antragssteller Herr im eigenen Hause sein – und das sind wir nicht“, erklärt Rösges.

Tatsächlich sieht die Landesregierung vor, dass nur Sportvereine und -verbände einen Förderantrag stellen können, die in Besitz einer Einrichtung sind oder eine Sportstätte als Träger gemietet oder gepachtet haben. Außerdem muss der Verein ein langfristiges Nutzungsrecht besitzen. 

Eine Regelung, auf die auch die Meinerzhagener Grünen hinweisen, die das Förderprogramm dennoch ins Blickfeld rücken wollen. Sie haben für die Verwaltung eine „Handlungsempfehlung“ formuliert, in der der Nutzen des Förderprogramms beworben wird. Denn: „Um eine zeitgemäße Sportstätteninfrastruktur zu schaffen und zu unterhalten, stehen Sportvereine zunehmend unter Zugzwang. Die Gebäude sind häufig modernisierungsbedürftig und zum Beispiel Heiz- und Duschanlagen alles andere als energieeffizient“, schreibt Grünen-Sprecher Karl Hardenacke in dem zweiseitigen Dokument, das auch Bürgermeister Jan Nesselrath zugestellt worden sei. Zudem weist Hardenacke auf 220 Millionen zusätzlicher Landesmittel für die Modernisierung und Sanierung von kommunalen Sportstätten hin sowie auf das Kommunalinvestitionsförderungsgesetz des Bundes sowie das Programm „Gute Schule 2020“ des Landes, aus dem ebenfalls Sportstätten ertüchtigt werden könnten. Profitieren sollen, so betont Hardenacke, alle Vereine in Meinerzhagen. „So sinnvoll die Investition in das Fußballstadion ist, um für den RSV (Meinerzhagen, Anm. der Red.) die Ansprüche der Oberliga zu erfüllen, so wichtig ist die Unterstützung aller anderen Sportarten“, schreibt der Grünen-Sprecher in der Handlungsempfehlung. Allerdings gibt es durchaus bereits Vereine, die das Förderprogramm auf dem Zettel haben und profitieren wollen.

Konkret sind das – Stand jetzt: der RSV Meinerzhagen mit dem Projekt „Umbau des Tennenplatzes“ ("Ascheplatz“) in einen Kunststoffrasenplatz – geschätzte Kosten: 775 000 Euro (brutto), der RSV Listertal mit dem Projekt „Sanierung des Spielsfelds“ – geschätzte Kosten: 375 000 Euro, der KKSV Meinerzhagen mit dem Projekt „Sanierung und Modernisierung der Großkaliber-Sportstätte (...) und Einsetzen einer Fluchttür auf dem Luftgewehr-Stand“ – geschätzte Kosten: 83 500 Euro, der Ländliche Reit- und Fahrverein Meinerzhagen mit den beiden Projekten „Neubau Futter- und Gerätelager zur Doppelnutzung als Zuschauerbereich“ (Kosten circa 72 000 Euro) sowie „Sanierung Reithallendach“ (circa 55 000 Euro). 

Sie alle haben dem Stadtsportverband (SSV) ihre Voranzeigen zur Projektumsetzung zukommen lassen. Bis Ende Januar können noch weitere folgen. Bis Ende März muss außerdem ein Förderantrag beim Landessportbund gestellt worden sein. „Nach der Delegiertenversammlung werden wir die Informationen für die Vereine bekannt geben, die die Gelder in Anspruch nehmen können“, sagt Stella Börger, Vorsitzende des SSV.

Allerdings können sich RSV Meinerzhagen und KKSV offenbar nur geringe Chancen auf Förderung ausrechnen. „Dem Land genügt es offenbar nicht, dass wir als langjähriger Nutzer natürlich ein großes Interesse an dem Zustand der Immobilie haben“, sagt Ludger Rösges. Allein: Nicht der Verein, sondern die Stadt ist Eigentümerin der Sportstätte, um die es geht. Genauso wie beim RSV Meinerzhagen. Hier hofft Vorsitzender Dirk Rebein auf Geld für die Herrichtung des sogenannten Tennenplatzes oberhalb des Stadions, um ihn den Anforderungen des modernen Trainingsbetriebs – sprich: mit Kunstrasen – anzupassen. Allerdings überschreitet die Mindestförderung von 50 Prozent, die an der Oststraße zum Tragen kommen würde, bereits die Summe dessen, was insgesamt für Meinerzhagener Vereine zur Verfügung steht. Über 300 000 Euro kann der SSV bestimmen, die Hälfte des RSV-Projekts beliefe sich schon auf 387 500 Euro. 

Bleiben der RSV Listertal und der Ländliche Reit- und Fahrverein Meinerzhagen, die sich berechtigte Hoffnung auf Förderung machen können. Beide erfüllen schon jetzt die Vorgabe, selbst Pächter ihrer Anlagen zu sein. „Und unsere ist bereits 40 Jahre alt – da stauen sich Investitionen, die wir ohne Förderung gar nicht stemmen könnten“, sagt Johannes Müller, Vorsitzender des Reitvereins, der vor allem eine neue Lagermöglichkeit für Futter anstrebt. Diese könnte bei Turnieren auch als überdachter Zuschauerbereich genutzt werden. Und auch das Dach der Reithalle bedürfe einer dringenden Sanierung. Der RSV Listertal wiederum ist ebenfalls Herr über sein Sportgelände in Hunswinkel. „Der Kunstrasenplatz wurde 2006 erstellt und durch die fast ganzjährig tägliche Nutzung ist die Verschleißgrenze erreicht“, sagt RSV-Vorsitzender Ingo Hartmann. Unebenheiten im Belag und Unterbau könnten in nächster Zeit ein erhebliches Verletzungsrisiko darstellen. Daher hoffen auch die Listertaler auf Förderung ihres Projekts „Kunstrasen“.

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