Mit spitzem Bleistift zur Karikatur

Den Schalk im Nacken, geht Arnd Hawlina auch an seine MZ-Karikaturen häufig mit sehr viel Spaß heran. Dann werden sie in der Regel besonders gut.

MEINERZHAGEN/KIERSPE - Seine Karikaturen übertreiben bewusst, spitzen zu oder verzerren charakteristische Züge einer Person oder auch eines Ereignisses.

 Selten ist jemand, wenn Arnd Hawlina ihn zum Zielobjekt ausgesucht hat, wirklich verärgert – manche aber sehen sich in ihren Eigenarten ertappt. Viele dagegen fühlen sich sogar geschmeichelt, denn die Aufmerksamkeit des routinierten Zeichners bekommt eben nicht jeder.

Seine Darstellungen, die in einer bildlichen Satireform nochmals die Themen aus dem Lokalteil aufarbeiten, stellen eine komische und oft ironische Überzeichnung dar. Nicht immer, jedoch ganz häufig sind die Themen politischen Inhalts und entsprechend finden sich die heimischen Politgrößen auch in den Karikaturen wieder, die in der MZ in der Regel jede Woche samstags im Wechsel im Lokalteil für Kierspe oder im Lokalteil für Meinerzhagen erscheinen. „Meine Lieblingsfiguren sind die Bürgermeister Frank Emde und Erhard Pierlings, aber ich zeichne gerne auch den Kiersper UWG-Politiker Dieter Grafe und das Meinerzhagener Ratsmitglied Axel Oehm“, verrät Hawlina. Spießbürgerliche Charakterzüge und die alltäglichen Missgeschicke greift er ebenfalls bevorzugt auf.

Sprachwitz und verbale Wortspielereien sind häufig der Ausgangspunkt beim Zeichnen. Seine Bilder regen zum Schmunzeln an, haben gelegentlich aber auch lauthalse Lacher als Folge – und das ist dann ein untrügliches Indiz dafür, dass sie wieder einmal gelungen sind. Viele Leser schätzen seine Arbeit und freuen sich schon mit Spannung auf die Samstagsausgabe. Und die Redaktion ist froh, Arnd Hawlina als Karikaturisten im Team zu haben und so den Lokalteil durch seine Bilder bereichern zu können.

Der 43-Jährige zeichnet seit 2003 für die MZ, früher schon begann er 1999 für die Lüdenscheider Nachrichten damit. Eigentlich gelernter Architekt, hat er die Aufgabe erst bloß als Ausgleich zu seinem sonst eher trockenen Job gesehen, doch dann hat er daraus den Hauptberuf gemacht. Wobei die Pressekarikaturen natürlich nur ein Teil seiner Tätigkeit in diesem Bereich sind. Hawlina hat sich ebenfalls als Livekarikaturist etabliert und ist auf diversen Veranstaltungen und Events unterwegs. „Bei manchen Einsätzen kommen da 50 oder 60 Zeichnungen zusammen“, schildert er. Viele Bürger konnten ihn bei dieser Arbeit als Schnellzeichner 2003 bei der Kiersper 1000-Jahr-Feier erleben.

Arnd Hawlina wurde in Attendorn geboren, war als kleines Kind für kurze Zeit bei seinen Großeltern in Valbert, bevor er zusammen mit seinem Vater, dem verstorbenen Kiersper Internisten desselben Namens, im Rahmen von dessen medizinischer Ausbildung erst für vier Jahre nach Essen und dann für neun Jahre nach Aachen ging. Ab 1981 hat er seine weitere Jugend in Kierspe verbracht, wo er an der Gesamtschule 1987 auch sein Abitur machte.

Nach dem Wehrdienst und einem aus seiner Sicht unbefriedigenden Versuch, in Köln Germanistik zu studieren, wechselte Hawlina an die Technische Universität Berlin und studierte Architektur. Dort erlebte er hautnah deutsche Geschichte mit, als die Mauer fiel und es zur Wiedervereinigung der als Folge des Zweiten Weltkrieges entstandenen beiden deutschen Staaten kam. „Ich stand am Brandenburger Tor nur wenige Meter von Willy Brandt und dem damals Regierenden Bürgermeister Walter Momper mit seinem typischen roten Schal entfernt. Gemeinsam erkletterten wir wie viele andere die Mauer. Dann ging ich zum Checkpoint Charlie und begrüßte die in Westberlin ankommenden Trabis, steckte ihnen rote Rosen unter die Scheibenfischer und schüttelte den Leuten tief bewegt die Hand“, erinnert sich Hawlina an die Ereignisse damals, als für die DDR-Bürger die Grenze geöffnet wurde.

1996 ging er nach Dortmund, wo er seine erste Anstellung fand, und arbeitete anschließend noch in verschiedenen anderen Architekturbüros, bis er sich 2003 als Karikaturist selbstständig machte. „Ich habe von Kindesbeinen an gerne gezeichnet und gemalt, da konnte mich so richtig hineinversenken“, wie ihm auch seine Eltern immer wieder erzählt haben. Als begeisterter Comic-Fan versuchte er sich ebenfalls daran. Mit seinem Bruder Johannes Esser, der dann tatsächlich Grafiker geworden ist, lieferte er sich regelrechte Zeichenwettkämpfe. So erschienen Bilder von Hawlina in der Schülerzeitung und später während der Studienzeit in Stadtteilmagazinen.

Ein anderes seiner Steckenpferde ist die Musik: Arnd Hawlina, der lange in Bollwerk gewohnt hat, bis er 2009 nach Bochum gezogen ist, spielt Klavier und Keyboard. Die Palette reicht da von Jazz bis Pop und folkloristischen Titeln aus Spanien und Italien.

Er gehört zu einem Jazzquartett gemeinsam mit dem früheren Meinerzhagener Musikschulleiter Thomas Wurth und wird im kommenden Januar auch in der historischen Brennerei Rönsahl auftreten.

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