Spielplatzkonzept für Meinerzhagen

Keine Chance mehr für trostlose Flächen: 1,4 Millionen für Spiel- und Bolzplätze

Bolzplatz Auf der Freiheit in Meinerzhagen
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Eine bislang karge Fläche soll aufgewertet werden: Der Bolzplatz im Bereich der einstigen Landesschule sorgte in der Vergangenheit immer wieder für Schlagzeilen, weil einige Nutzer dort über die Stränge schlugen. Im Spielplatzkonzept stehen nun 110 000 Euro, die zur Ertüchtigung des Areals dienen sollen.

Ein Millionenbetrag soll bis 2030 in die Spiel- und Bolzplätze der Stadt Meinerzhagen fließen. Das sieht das Spielplatzkonzept vor, das jetzt der Kommunalpolitik vorgestellt wurde.

Meinerzhagen - „Vielfältige und anregungsreiche Spielflächen sind ein wichtiger Teilaspekt eines qualitätsvollen Wohnumfeldes.“ So lautet einer der ersten Sätze im Spielplatzkonzept für die Stadt Meinerzhagen. Und was ein wenig gestelzt klingt, trifft aber doch den Kern der Sache: Spielplätze sind gerade für junge Familien von größter Bedeutung.

Umso schlimmer, wenn sie sich in marodem Zustand befinden oder Spielgeräte anbieten, bei denen nur mit gutem Willen von angesetzter Patina die Rede sein kann. Um einen Überblick über den Bestand zu schaffen und einen Investitionsbedarf für die kommenden Jahre aufzuzeigen, hat das Dortmunder Planungsbüro Stadtkinder ein Konzept entworfen, das am Dienstag im Ausschuss für Klima, Planung, Stadtentwicklung, Mobilität und Umwelt (KPSMU) vorgestellt wurde. Die Rückmeldungen aus der Politik waren nach dem halbstündigen Vortrag von Stadtkinder-Mitarbeiterin Pacale Schulte einhellig: Das Konzept wurde gelobt, bietet es doch eine gelungene – und vor allem ehrliche – Übersicht über das Spiel- und Flächenangebot.

166-seitiges Konzept für Spielplätze in Meinerzhagen

166 Seiten umfasst das Spielplatzkonzept, das insgesamt 26 Spielplätze, vier „spielerisch genutzte“ Schulaußengelände, sieben Bolzflächen, den Dirtbikepark in der Himecke sowie die Skateranlage an der Oststraße ausweist. Deutlich wird dabei: Nicht jeder Spielplatz hat für die Kinder einen hohen Stellenwert. Sei es durch die Lage oder durch seine Spielangebote. Fachlich heißt es dazu im Konzept: „Die Empfehlungen für die Inwertsetzung von Spielplätzen basieren auf den pädagogischen Anforderungen an attraktive Spielplätze mit einem hohen Aufforderungscharakter.“ Und zwei Spielplätze werden nach dieser „Inwertsetzung“ keine Rolle mehr spielen und sollen in Zukunft „umgenutzt“ werden. Die Spielplätze Stettiner Straße und Spitzenbergstraße stellten Spielplätze „mit nur geringer Flächengröße und niedrigen Spielwert dar“, heißt es im Konzept.

Wege für Kinder und Jugendliche dürfen nicht zu weit sein

Als Grundlage der Bewertungen nutzte das Büro Stadtkinder die DIN 18034 als Schablone. Sie gibt klar definierte Mindestanforderungen an Flächengrößen und Erreichbarkeiten vor. So müssen bis zu sechsjährige Kinder den nächsten Spielplatz oder Freiraum mit einer Größe von mindestens 500 Quadratmetern innerhalb eines Radius von 200 Metern erreichen können. Sechs- bis Zwölfjährige dürfen länger unterwegs sein (bis zu 400 Meter), sollten dafür aber eine Fläche von 5000 Quadratmetern angeboten bekommen. So weit die Theorie. Die DIN weist nämlich darauf hin, dass es sich hierbei nur um Orientierungswerte handelt – eine Rolle spielt auch die Einwohnerdichte und die Art der Bebauung.

Fehlende Angebot für unter Dreijährige

Doch welches Urteil fällen die Experten nun beim Blick auf die Meinerzhagener Spielplätze? Beim Blick auf die einzelnen Spielbezirke, die dem Konzept zugrunde liegen, sei das Angebot für bis sechsjährige Kinder insbesondere im Innenstadtgebiet von Meinerzhagen quantitativ gut. Angebote für die Altersgruppe 0 bis 3 Jahre fehlten jedoch. Dabei könnte es sich etwa um motorische Spiel- und Bewegungselemente handeln, die im oder am Sandspielbereich integriert werden.

Insgesamt gut versorgt ist das Stadtgebiet auch mit Angeboten für sechs- bis zwölfjährige Kinder. Allerdings sollten vor allem im Bereich südlich der Bahngleise Angebote geschaffen werden. Auch Angebote für die sogenannten Lückekinder im Alter von 9 bis 12 Jahren fehlen laut Planungsbüro. Dazu zählten zum Beispiel anregungsreiche und anspruchsvollere Klettergeräte oder auch Balancierparcours aus Stämmen und Stegen.

Keine Flächen für Jugendliche in Valbert

Aber wie sieht es mit den Angeboten für Jugendliche aus? Für sie sind etwa der Dirtbike-Park in der Himecke, das Außengelände des Jugendzentrums oder auch der Skateplatz frei zugänglich. Anlaufstellen, die das Büro Stadtkinder einerseits lobend erwähnt. Andererseits heißt es im Konzept: „Oftmals fehlen jedoch attraktive Aufenthaltsbereiche – sowohl auf Bewegungsflächen für Jugendliche als auch auf Bolzflächen.“ Während der innerstädtische Bereich gut mit Angeboten für Jugendliche versorgt sei, fehlten in Valbert Bewegungsflächen mit der Ausrichtung auf Jugendliche.

Keine Frage: Es muss etwas geschehen an Meinerzhagens Spiel- und Bolzplätzen – nicht nur im Zuge der ohnehin regelmäßigen Wartung. „Wir brauchen nicht nur den Erhalt des Bestandes, sondern vor allem eine qualitative Weiterentwicklung“, sagte Pascale Schulte vom Planungsbüro Stadtkinder dazu am Dienstag. Und dafür will die Stadt viel Geld in die Hand nehmen: Bis 2030 sollen etwa 1,4 Millionen Euro in die Ertüchtigung und Erneuerung der Spielflächen fließen. Größter Posten dabei: die Qualifizierung der Bolzfläche an der einstigen Landesschule zu einer etwa 5000 Quadratmeter großen Fläche mit mehr Angeboten für alle Altersklassen – nicht zuletzt wegen des in unmittelbarer Nähe geplanten Wohngebiets. Das Planungsbüro schlägt die Integration von vielseitigen Jugendbänken vor, den Ersatz der Torbügel durch kombinierte Bolz- und Basketballkörbe und eine sogenannte Pumptrackanlage mit unterschiedlichen Höhen und Anforderungen für verschiedene Altersklassen. Die Kosten für diese Maßnahme belaufen sich auf circa 110 000 Euro.

Gute Beteiligung an Online-Befragung

Dabei hatten beim Konzeptentwurf auch die (jungen) Meinerzhagener selbst ihre Meinung kundtun können: Eine Online-Befragung wurde im Zeitraum 14. September bis 11. Oktober 958-mal aufgerufen, wobei in 77 Fällen auch konkrete Ideen für den entsprechenden Spielplatz geäußert wurden. Dabei ging es oftmals um den Wunsch nach ergänzenden Spielgeräten, Kritik wurde mitunter hinsichtlich der Aufenthaltsqualität laut – sei es aufgrund mangelnder Sauberkeit oder anderweitiger Mängel.

Letztlich kam das Planungsbüro zu dem Entschluss, die Spielflächen in drei Priorisierungsstufen einzuordnen, die – je nach finanzieller Verfügbarkeit – nach und nach in Angriff genommen werden sollen (siehe Info-Kasten). Den ersten Schritt dorthin hat der Ausschuss am Dienstag nun gemacht, die weiteren werden folgen, wenn der Haupt- und Finanzausschuss (27. Mai) und abschließend der Rat (31. Mai) das Konzept zur Kenntnis genommen und die Verwaltung beauftragt haben werden, „die Handlungsempfehlung sukzessive nach Maßgabe der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel umzusetzen.“

Idee: Wald auf der Wahr nutzen

Ob dann auch weitere, am Dienstag von Ausschussmitgliedern vorgeschlagene Ideen noch umgesetzt werden können, wird sich zeigen: Jan Blume (CDU) schlug etwa vor, die Spielmöglichkeiten an der Grundschule Auf der Wahr um den angrenzenden Wald zu erweitern. Karl Hardenacke (Bündnis 90/Die Grünen) sieht den Spielplatz an der Mühlenbergstraße als potenziellen Treffpunkt der Generationen, da er topografisch auch von Bewohnern des benachbarten Wilhelm-Langemann-Hauses erreichbar sei.

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