Millionen sehen Meinerzhagen

Das Stadion platzte am 13. Mai 1973 aus allen Nähten. 8000 Zuschauer wurden gezählt. ▪ Archivfoto: MZ

MEINERZHAGEN ▪ Als am 13. Mai 1973 das Fernseh-Spektakel „Spiel ohne Grenzen“ über die Bildschirme flimmerte, waren auch in Meinerzhagen die Straßen wie leer gefegt.

Allerdings verfolgten viele Volmestädter die beliebte europäische Spielshow live, die in Deutschland vom Westdeutschen Rundfunk ausgestrahlt und von Fernsehlegende Camillo Felgen moderiert wurde. Die Übertragung fand nämlich aus dem Stadion an der Oststraße statt.

Kaum zu glauben, aber wahr: Rund 8000 Zuschauer drängten sich auf den Rängen, zusätzliche Tribünen waren aufgebaut worden. Das beschauliche Meinerzhagen stand plötzlich Kopf. Unter dem frenetischen Jubel der Menge gewann das Meinerzhagener Team Spiel um Spiel und konnte sich „Im Land der Pharaonen“ haushoch mit 18:4 Punkten gegen die Kontrahenten aus Goch durchsetzen.

Die 20 „Tausendsassa“ aus der Volmestadt waren Monate zuvor bei ausgeklügelten Tests aus einer großen Zahl an Bewerbern ausgewählt worden und gaben alles. Zum „Spiel-ohne-Grenzen-Team“ gehörten Angelika Hegemann, Harald Kessler, Eva Hake, Wolfgang Wilhelm, Martina Bockholt, Rolf Kintea, Gundel Fastenrath, Volker Noetzelmann, Christa Hohage, Hans-Dieter Hoffmann, Karin Erbe, Helmut Rüßmann, Helga Braun, Joachim Gabriel, Klaus Guthof, Peter Bundle, Rüdiger Kolb, Herbert Wolff, Ingo Knothe und Reinhard Busch.

Gemäß dem Motto dieser Begegnung galt es, Mumien auszuwickeln, Kamele zu transportieren, den „Pharao“ in der Sänfte zu tragen oder eine Sphinx zu erstellen. Bald zeigte sich, dass das eisenharte Training durch Walter Haverkamp und Co-Trainer Klaus Guthof die Sportler selbst auf die aberwitzigsten Herausforderungen bestens vorbereitet hatte. Mit dem Traumergebnis qualifizierte sich das Team für die internationale Entscheidung im niederländischen Arnheim. Hier trat man im Juli 1973 erneut an.

Nochmals schlugen die Wellen der Begeisterung hoch, die Stadt Meinerzhagen charterte einen Sonderzug, der rund 700 Schlachtenbummler zum Schauplatz der Spiele beförderte. Unter dem Motto „Ferien in Holland“ ging es nun gegen Mannschaften aus Belgien, England, Frankreich, Italien, den Niederlanden und der Schweiz ums Ganze. Ein weiterer Erfolg rückte zunächst in greifbare Nähe: Denn aus der Generalprobe am Vorabend der Entscheidung ging Meinerzhagen mit 44 Punkten als klarer Sieger hervor. Die MZ gab daraufhin sogar ein Extrablatt heraus, das auf dem Bahnhof an die Fans des Meinerzhagener Teams verteilt wurde, die nach Arnheim reisten.

Doch Fortuna hatte andere Pläne: Als es im Rahmen der großen Eurovisions- Übertragung ernst wurde, hatten die Volmestädter Pech. Bislang im Mannschaftsvergleich gut dabei, kam es beim Spiel „Die Campingbrause“ zu einer technischen Panne. Obwohl Meinerzhagen hier am besten abgeschnitten hatte, durften die Mannschaften aus der Schweiz und England noch einmal antreten und übertrafen diesmal das Ergebnis der Volmestädter. Das kostete wichtige Punkte, so dass Meinerzhagen schließlich knapp hinter der Mannschaft aus Ely (England) auf dem 2. Platz landete.

Für die 20 Frauen und Männer des Meinerzhagener Teams und ihre Trainer ist das große Spektakel zur unvergesslichen Erinnerung geworden. Seither treffen sie sich alle fünf bis zehn Jahre, um das „Spiel-ohne-Grenzen-Fieber“ noch einmal aufleben zu lassen, die Aufzeichnungen anzusehen und sich an die Riesengaudi zu erinnern. Das Spektakel jährt sich nun zum 40. Mal. Dieser Anlass wurde natürlich gebührend gefeiert. Und auch bei der kleinen Feier in der Gaststätte „Rose“ zeigte sich der ausgezeichnete Zusammenhalt: Das Team war nahezu vollzählig anwesend. Die weiteste Anreise hatte zweifellos Rüdiger Kolb, der seit vielen Jahren in Los Angeles lebt und das Treffen für einen Besuch seiner Heimatstadt nutzte.

„Spiel ohne Grenzen“ war in den 60er und 70er Jahren die größte Unterhaltungssendung im Europäischen Fernsehen“, erinnerte Volkmar Rüsche, stellvertretender Bürgermeister, in seinem Grußwort bei dem Nachtreffen. „Mehrere Millionen internationale Zuschauer verfolgten die Übertragung aus Arnheim.“ Das habe Meinerzhagen damals über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt gemacht, „mit einer nicht zu unterschätzenden Imagewirkung.“ ▪ ps

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