Taxiangebot für Delegierte

Olper Kreisvorsitzender widerspricht SPD-MdB Baradari

Symbolbild
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Ein vermeintlich harmloses Foto, ein umstrittener Shuttleservice und viele offene Fragen: Im Vorfeld der SPD-Delegiertenversammlung in Attendorn, bei der Nezahat Baradari erneut als Bundestagskandidatin für den Wahlkreis 149 bestimmt wurde, hatten einige Sozialdemokraten parteiintern Kritik an der amtierenden Abgeordneten geübt. Jetzt äußerte sich der Vorsitzende des Olper SPD-Kreisverbands zur „Taxi-Frage“.

Märkischer Kreis/Olpe – Neben dem Shuttle-Service für die Olper Delegierten ging es auch um ein Foto, das ihren Gegenkandidaten Sercan Celik mit dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach zeigte.

Das Büro Lauterbachs sei „entsetzt“ über die Veröffentlichung gewesen, hatte Baradari in der vergangenen Woche auf Anfrage der Redaktion erklärt, aber zunächst unklar gelassen, wie ihr prominenter Bundestagskollege auf das Foto überhaupt aufmerksam geworden war. Fünf Tage nach der Delegiertenwahl und nach erneuter Bitte um Stellungnahme räumt die Attendornerin ein, das Büro Karl Lauterbachs selbst auf das Foto hingewiesen zu haben.

„Es ist ein völlig normaler Vorgang, wenn im eigenen Wahlkreis lokale Berichterstattungen von Kolleg*innen anderer Wahlkreise auftauchen, dass man ihn/sie neutral darauf hinweist“, so Baradari, die erneut betonte, dass ihr „Kollege Karl Lauterbach“ entsetzt darüber gewesen sei, „dass man sein Foto ohne sein Einverständnis für parteiinterne Wahlkämpfe benutzt hat“.

„Entsetzen“ im Büro Lauterbach ist ungewiss

Wie groß das Entsetzen tatsächlich war, bleibt indes offen. Baradaris letztlich unterlegener Gegenkandidat Sercan Celik bestätigte zwar einen Anruf zu dem Thema aus dem Büro Lauterbachs, nicht aber, dass er tatsächlich darum gebeten wurde, auf das Foto für die Presse zu verzichten. Aus dem Büro Karl Lauterbachs liegt der Redaktion immer noch keine Stellungnahme vor. Dem Vernehmen nach soll sich die Erschütterung des Gesundheitsexperten angesichts eines Fotos mit ihm und einem Kiersper SPD-Mitglied aber in Grenzen gehalten haben.

Baradari: „Interner Kommunikationsfehler“ führte zu Taxi-Angebot

Offen bleibt weiterhin auch die Vorgeschichte zum kostenlosen Shuttle-Service, der Delegierten des Kreises Olpe, nicht aber denen des Märkischen Kreises am vergangenen Freitag angeboten wurde. Nezahat Baradari spricht von einem „internen Kommunikationsfehler“ zwischen dem Vorsitzenden und dem Geschäftsführer im SPD-Kreisverband Olpe. Demnach hätte die Mail mit dem Angebot der Fahrten „so nicht abgeschickt“ werden sollen. Wie es dazu dennoch kommen konnte? Dazu gibt es widersprüchliche Angaben.

In einer ersten Stellungnahme zu dem Thema hatte Baradari erklärt, dass der AG 60 Plus aus Lüdenscheid und einigen Delegierten aus dem Märkischen Kreis ein Hol- und Bringdienst hätte angeboten werden sollen. So weit sei es aber nicht gekommen, da der Geschäftsführer des SPD-Kreisverbands Olpe, Michael Weidig, sie darauf hingewiesen habe, „dass bei aller gut gemeinten Absicht von mir, dies falsch ausgelegt werden könnte“. Daraufhin habe sie Abstand von diesen Planungen genommen. „Dass der SPD-Kreisverband aus Olpe – trotz der von mir akzeptierten und entsprechend kommunizierten Bedenken des Geschäftsführers – in einer Mail die Taxifahrt den Delegierten angeboten hat, liegt nicht in meiner Verantwortung“, hatte die SPD-Bundestagsabgeordnete in der vergangenen Woche auf Anfrage der Redaktion erklärt. Diese Sichtweise erneuerte die Attendornerin nun.

Licht ins Dunkel könnte zwar SPD-Kreisgeschäftsführer Michael Weidig bringen. Der 30-Jährige, der das Amt bei der SPD im Kreis Olpe aus beruflichen Gründen Ende März in andere Hände abgeben wird, steht jedoch unserer Redaktion seit vergangener Woche nicht für eine Stellungnahme zur Verfügung.

Kreis-Vorsitzender verweist auf explizite Bitte Baradaris

Weitaus offener in der „Causa Baradari“ ist allerdings der Vorsitzende des Olper Kreisverbands Robert Kirchner-Quehl. Auf die Aussage Baradaris angesprochen, dass es sich bei dem Taxi-Angebot um einen internen Kommunikationsfehler zwischen ihm und Weidig gehandelt habe, sagt er: „Frau Baradari hatte uns im Vorfeld gebeten, eine Mail an die Delegierten des Kreisverbands Olpe zu versenden.“ Dabei sei es ihr um drei wesentliche Punkte gegangen: Zum einen sollte die hohe Bedeutung der Teilnahme an der Versammlung betont und zum anderen darum gebeten werden, im Falle einer Verhinderung den entsprechenden Stellvertreter um Teilnahme zu bitten. „Als Drittes sollte dann das Angebot des Taxiservices erwähnt werden“, so Kirchner-Quehl. Da die Bundestagsabgeordnete recht schnell um Versendung der Mail gebeten habe, sei diese dann von Kirchner-Quehl verfasst und von Geschäftsführer Michael Weidig versendet worden. „Inwieweit es zuvor Überlegungen für die Delegierten aus Lüdenscheid oder des Märkischen Kreises gab, weiß ich nicht“, sagt der Olper Kreisvorsitzende. Auch über den zeitlichen Ablauf eventueller Einwände seitens des Geschäftsführers sei ihm nichts bekannt.

Finanzierung wäre offenbar über Abgeordnete erfolgt

Fest stehe aber, so Kirchner-Quehl, dass der Kreisverband ein solches Angebot nicht unterbreitet hätte, wenn die Finanzierungsfrage vorher nicht geklärt worden wäre. „Das hätte, wenn das alle genutzt hätten, ja gut zwei- bis dreitausend Euro kosten können“, sagt der 70-Jährige. Nezahat Baradari habe die Finanzierung des Angebots zuvor zugesagt.

Wie viele Olper Delegierten den Service tatsächlich in Anspruch genommen haben, ist unbekannt.

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