In der Stadthalle Meinerzhagen

Clement im Interview: "Steinbrück kann Kanzler"

MEINERZHAGEN ▪ „Der Redner und das Thema scheinen gut gewählt!“ bilanzierte Sparkassen-Vorstandschef Wolfgang Opitz am Montagabend mit Blick auf eine gut gefüllte Stadthalle schon vor dem dann folgenden einhundertminütigen Vortrag von Wolfgang Clement.

Rund 300 Karten waren für die Veranstaltung der heimischen Sparkasse verkauft worden – wobei dieses Eintrittsgeld einem unbestritten guten Zweck zukommt, nämlich zu gleichen Teilen an die Fördervereine des Rotary- und des Lions-Clubs geht.

Über das Honorar für den prominenten Gast, im Vorfeld der Veranstaltung Gegenstand kontroverser öffentlicher Diskussion, wurde nicht geredet. Parallelen zum fürstlich honorierten Bochumer Auftritt des designierten SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, der 2002 den als „Superminister“ für Wirtschaft und Arbeit ins Kabinett der von Gerhard Schröder geführten Rot-Grünen Regierungskoalition nach Berlin gewechselten Clement im Amt des NRW-Ministerpräsidenten abgelöst hatte, wollte keiner der Beteiligten ziehen. Bekanntlich ist Clement nach seinem Ausscheiden aus der Regierung mit Beginn der Großen Koalition im November 2005 kein aktiver politischer Mandatsträger mehr. Und seit dem gegen ihn angestrengten Parteiordnungsverfahren, dem er selbst im November 2008 durch Austritt aus der SPD begegnete, ist er auch kein Parteimitglied mehr.

Erkennbar haben den bekannt streitbaren und mitunter zu cholerischen Ausfällen neigenden Ex-Journalisten die Begleitumstände seines Ausscheidens aus Politik und Partei und sein anschließendes umfängliches Engagement als Lobbyist in vielen Funktionen und Mandaten auch für viele langjährige Weggefährten zur „persona non grata“ gemacht. Auffällig jedenfalls auch, dass die Stadt Meinerzhagen offiziell nicht vom SPD-Bürgermeister Erhard Pierlings, sondern vom stellvertretenden CDU-Bürgermeister Volkmar Rüsche repräsentiert war.

Doch der streitbare Mann, der polarisiert und an dem sich deshalb viele reiben, begeisterte dem lang anhaltenden Beifall nach zu urteilen die große Mehrheit derer, die der Einladung zu einer weiteren Auflage der Sparkassen-Veranstaltungsreihe „Politik und Gesellschaft“ gefolgt waren. In seinem phasenweise mit großer Leidenschaft vorgetragenen Exkurs „Zur aktuellen Lage in Deutschland und Europa“ zeigte sich Clement als bekennender Europäer, der an die Staatengemeinschaft und auch an den Bestand ihrer gemeinsamen Währung fest glaubt. Der die besondere Stärke und wirtschaftliche Kraft Deutschlands lobend hervorhob. Und der, auch mit Blick gerade auf die südwestfälische Region und den hier geballt ansässigen Mittelstand, insbesondere die Leistung von Eigentümer geführten Unternehmen als einen besonderen Erfolgsgaranten hervorhob, dabei auch als Beispiel Otto Fuchs in Meinerzhagen, anführte.

Der eine Lanze brach und um Verständnis warb für die südeuropäischen Staaten, die zurzeit unter dramatischen Umständen, aber genau in die richtige Richtung zielend enorme Reformanstrengungen unternehmen. Der sich vehement gegen zuviel staatliche Eingriffe wendete, zugleich aber für ein kraftvolles gemeinsames Vorgehen zur Bekämpfung der bedrückenden Jugendarbeitlosigkeit in Europa eintrat. Und der mit Verweis auf die Schröder-Ära die auch von ihm selbst mit auf den Weg gebrachte Agenda 2010 als maßgeblich für die derzeit vergleichsweise gute Lage Deutschlands rechtfertigte.

Horst vom Hofe

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