Sprengungen möglich

Anwohner in Gefahr: Sparkasse baut Geldautomaten ab

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Völlig zerstört wurde der Geldautomat der SB-Filiale der Deutschen Bank in der Nacht zum 8. November 2018.

Den 8. November 2018 werden viele Anwohner im Bereich der Innenstadt so schnell nicht vergessen: Mitten in der Nacht, gegen 3.30 Uhr, schreckte ein gewaltiger Knall die Menschen auf. Unbekannte hatten den Geldautomaten der Deutschen-Bank-Filiale an der Derschlager Straße gesprengt. Ein Fall von vielen, wie sie in jüngster Zeit im ganzen Land gezählt werden. Auch die Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen reagiert nun.

Meinerzhagen/Kierspe - „Wir haben uns auf Empfehlung des Landeskriminalamtes von einem Experten beraten lassen, der sich jeden Geldautomatenstandort angeschaut und auf Sicherheit überprüft hat“, erklärt Roman Kappius, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen. 

Fest steht: Das Landeskriminalamtes (LKA) hat in diesem Jahr eine Zunahme von Sprengstoff-Attacken auf Geldautomaten in Nordrhein-Westfalen festgestellt. Davon seien derzeit vor allem sogenannte Außenwand-Geldautomaten betroffen. Da diese Geldautomaten meist in unmittelbarer Nähe von Wohnbereichen angebracht und rund um die Uhr zugänglich sind, bedeuteten die Sprengungen eine Gefahr für die Anwohner, wie es von den Fachleuten heißt. 

Standort Grotmicke besonders riskant

So empfiehlt das LKA den Kreditinstituten, kurzfristig Geräte außer Betrieb zu setzen, die direkten Kontakt zu Wohnflächen oder Treppenhäusern haben. Im Bereich Meinerzhagen und Kierspe ist ein Standort davon besonders betroffen. 

Um Anwohner zu schützen, setzt die Sparkasse daher vorerst den Geldautomaten an der Grotmicke am Birkenweg außer Betrieb. Damit folgt sie der Empfehlung des LKAs. „Dieser Empfehlung kommen wir selbstverständlich nach. Uns ist der Schutz der Anwohner in unmittelbarer Nachbarschaft sehr wichtig“, sagt Roman Kappius. „Wir möchten die Bürger bestmöglich schützen, aber selbstverständlich auch weiterhin den gewohnten Service bieten. Daher planen wir aktuell für den Standort Grotmicke eine Verlegung des Geldautomaten an einen alternativen Standort in der Nähe“, ergänzt Vorstandsmitglied Torsten Rath. 

Das Problem am Standort Grotmicke: Der Automat ist an der Außenwand eines Wohn- und Geschäftshauses befestigt. „Über dem Gerät wohnen Menschen. Das Risiko können und wollen wir nicht eingehen“, so Kappius. Die Bargeldversorgung in Meinerzhagen bleibe aber gewährleistet. 

Andere Automaten nachts geschlossen

Neben dem Geldautomaten an der Grotmicke, bietet die Sparkasse neun weitere Geldautomaten-Standorte in Kierspe und Meinerzhagen an. Deren Öffnungszeiten werden infolge der LKA-Empfehlung allerdings angepasst: Es wird empfohlen, Selbstbedienungsbereiche nachts generell zu schließen, um das Risiko von Angriffen zu minimieren. Daher werden die Standorte Meinerzhagen-Birkeshöh, Kierspe-Bahnhof, Kierspe-Dorf, Kierspe-Rönsahl sowie die beiden Hauptstellen nachts geschlossen bleiben. Ein Geldabheben ist von 23 bis 6 Uhr morgens nicht mehr möglich. Damit wolle die Sparkasse präventiv agieren, um das Risiko von Angriffen zu minimieren, wie Roman Kappius betont. 

Dieser Geldautomat ist bald Geschichte: Roman Kappius, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse, sucht für den Geldautomaten an der Grotmicke einen neuen Standort.

Doch es werde auch weiterhin Automaten geben, an denen man sich rund um die Uhr bedienen kann: So etwa in Valbert sowie am „Cash&Coffee“-Automaten gegenüber des Netto-Markts. „Das ist sogar unser erfolgreichster“, sagt Kappius. 

Beide Standorte haben eines gemeinsam: Sie befinden sich nicht in unmittelbarer Nähe zu bewohnten Flächen, sodass Anwohner bei eventuellen Sprengungen nicht gefährdet seien. 

Volksbanken reagieren punktuell

Und die Volksbank? Auch sie verfügt bekanntlich über Geldautomaten in Kierspe und Meinerzhagen, aber weder die Volksbank in Südwestfalen noch die Kiersper Volksbank gehen so rigoros vor wie die Mitbewerber der Sparkasse. Die nächtliche Schließung werde bei der Volksbank in Südwestfalen derzeit geprüft, wie es auf Anfrage der MZ hieß. „Wir haben die höchsten Sicherheitsstandards verbaut, sondieren und prüfen die Lage aber stetig“, sagte eine Sprecherin der Bank. Punktuell seien bereits SB-Filialen nachts geschlossen, eine flächendeckende Schließung sei vorerst aber nicht angedacht. 

Kiersper Automaten zweieinhalb Stunden außer Betrieb

Die Volksbank in Kierspe wiederum hat bereits an allen Automaten reagiert: Diese seien von 2 bis 4.30 Uhr geschlossen, wie David Schröck, Bereichsleiter Betriebsbereich, auf MZ-Anfrage erklärte. Zudem seien die Räume, in denen Geldautomaten stehen, videoüberwacht. Und: Auch gegen das „Hacken“, also computergesteuerte Aushebeln der Sicherheitstechnik, seien die Automaten der Volksbank Kierspe zuletzt technisch aufgerüstet worden.

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