Spannende Welt der Bücher

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Karin Leßmeier von der Bücherei (rechts) hat viel Geduld mit den Kindern. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Am Mittwochvormittag herrscht reges Treiben in der Stadtbücherei, obwohl die Einrichtung eigentlich geschlossen hat. Der Grund ist eine kleine Gruppe von Kindern aus dem Awo-Kindergarten Rappelkiste, die zu dieser Zeit als einzige die Bücherei unsicher machen durften.

Die kleinen Besucher sind allesamt im Vorschulalter und wollen an diesem Tag ihren Büchereiführerschein erwerben. Damit sollen sie spielerisch ans Lesen und die Welt der Bücher herangeführt werden.

Die Kinder müssen dazu vier Aufgaben bewältigen: Zunächst geht es ums „Aussuchen und Ausleihen“. Dabei lernen die Kinder schon einmal Grundsätzliches über die Bücherei und was sie beachten müssen, wenn sie ein Buch mit nach Hause nehmen wollen. Beim „Vorlesen und Zuhören“ dürfen die Kinder Karin Leßmeier von der Bücherei lauschen, die eine Geschichte zum Besten gibt. Nach dem Bereich „Erzählen und Wissen“ steht am Mittwochvormittag „Was gibt es? Wo steht es?“ an.

Schnell finden die jungen Leser heraus, wo die Bücher zu finden sind, die sie besonders interessieren. Die Kinder kommen erst im Sommer in die Schule und können noch nicht lesen. Deswegen haben es ihnen zunächst die Bilderbücher angetan, über die der kleine Eisbär Lars wacht. Die Stofftiere in den Regalen sollen den Kindern dabei helfen, sich zu merken, wo die verschiedenen Bücher stehen, erklärt Leßmeier.

Ihrer Meinung nach können Eltern gar nicht früh genug mit der Leseförderung beginnen: „Das geht bei Zwei- bis Dreijährigen los, die ihr buntes Plastikbilderbuch mit in die Badewanne nehmen.“ Gerade durch das Anfassen würde schnell eine Beziehung zum Buch aufgebaut. Deswegen lässt sie die Kleinen aus dem Kindergarten auch geduldig gewähren, auch wenn sie manchmal noch etwas ungestüm sind.

Die Begeisterung für Bücher sei aber deutlich spürbar, erklärt Erzieherin Angelika Gerhard. Die Kinder konnten sich schon vor einigen Tagen Bücher aussuchen und mit in den Kindergarten nehmen. Diese wurden in einer Lesekiste aufbewahrt, die durch die verschiedenen Gruppen wanderte. Immer zwei durften sich die selbst gebastelten Leseausweise um den Hals hängen und sich mit den Büchern beschäftigen. „Die waren die ganze Woche damit zugange“, berichtet Gerhard. Über die Führerschein-Aktion sollen auch Eltern erreicht werden. Karin Leßmeier hegt die Hoffnung, dass die Kinder sagen: „Mama, komm mal, lass uns in der Bücherei gucken.“ Was viele nicht wüssten: Unter-18-Jährige können sich kostenlos Bücher ausleihen. Ein wichtiger Aspekt, denn in vielen Familien gebe es allein aus finanziellen Gründen kaum Bücher.

Im Kindergarten wird viel getan, um die Kleinen ans Lesen heranzuführen. Zum einen gibt es viele Mütter und Väter, die den Kindern als Lesepaten zu Seite stehen und ihnen regelmäßig etwas vorlesen. Außerdem wird bei der muttersprachlichen Förderung viel mit zweisprachigen Büchern gearbeitet. „Das ist klasse für die Kinder, die noch nicht so gut Deutsch können“, meint Gerhard. Sie könnten die Geschichten in ihrer Muttersprache lesen und anschließend am Gespräch über das Gelesene teilnehmen. So gibt es zum Beispiel das Buch „Das kleine Ich bin Ich“, das in mehreren Sprachen verfasst ist und in dem ein kleines Fantasietier die Hauptrolle spielt, das zunächst nicht weiß, zu welcher Art es eigentlich gehört. Darin können sich viele der kleinen Leser mit Migrationshintergrund wiederfinden.

An diesem Tag blättern die Vorschulkinder eifrig in den unterschiedlichsten Büchern und schauen sich dabei auch gegenseitig über die Schulter. Die Kinder haben auch schon ihre eigenen Spezialgebiete gefunden. Jonas verschlingt zum Beispiel alles über Dinosaurier, während Felix sich am meisten für Star Wars begeistern kann. Bei den Mädchen liegen dagegen noch eher Tierbücher im Trend. Und die 3 D-Bücher begeistern alle.

Am Ende suchte sich dann jedes Kind ein Buch aus dem Regal aus und durfte damit zu Karin Leßmeier an die Ausleihtheke. Noch kurz eingescannt, dann wurden die besonders spannenden Bücher in Tüten gepackt. Zufrieden und stolz tragen die kleinen Leser die Werke dann unter dem Arm in den Kindergarten, um sie ihren Freunden zu zeigen.

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