Das Moor hat sich erholt

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Biologe Klaus Kraatz im Ebbemoor Grundlose. Neueste Zahlen belegen, dass sich der Wasserhaushalt wohl wieder normalisiert hat
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Meinerzhagen - Es ist ungemütlich. Nasskalt und nebelig. Ein Wetter, bei dem kaum jemand freiwillig das warme Wohnzimmer verlässt. Nur einer freut sich – und er kann kaum genug von dem „Schietwetter“ bekommen: Klaus Kraatz. Er ist Biologe beim Märkischen Kreis und die anhaltenden Niederschläge haben ihm eine Sorge genommen: Dem Ebbemoor Grundlose geht es wohl wieder gut, der Wasserstand hat sich nach der Trockenheit im Sommer normalisiert.

Meinerzhagen – Rückblick: Ende August, nach monatelanger Trockenheit, war Wasser in der Torfschicht der Grundlose erst in 81 Zentimetern Tiefe zu finden. Bei einer Dicke der Torflage von maximal einem Meter ein katastrophaler Wert, den Klaus Kraatz beim Auslesen des im Moor „versenkten“ Datenloggers ermittelte. „Das Niedermoor bekommt seinen Wasser-Nachschub hauptsächlich von unten, aus dem Grundwasser. Durch die Kapillarwirkung wird es nach oben befördert. Zusätzlich sorgt Regen für Nachschub. Die Sonde zeigt allerdings, dass der Wasserzufluss seit dem 27. Juli stockt“, bilanzierte der Biologe am 21. August 2018.

Biologe tritt auf Euphoriebremse

Zurück in die Gegenwart und zu neuen Zahlen, die der Logger in dieser Woche ermittelte: Inzwischen haben hauptsächlich Regen und Schnee dafür gesorgt, dass die Grundlose wieder mit Fug und Recht als typisches Moor bezeichnet werden kann. „Das Wasser steht fast bis zur Oberfläche. Ab Ende September ging es bergauf, inzwischen ist die Lage wieder so, wie sie in einem normalen Januar sein sollte“, freut sich Klaus Kraatz. Ein wenig tritt der Biologe aber dennoch auf die Euphoriebremse. Und das hat einen Grund. Kraatz erläutert: „Die ersten Zentimeter der Torfschicht sind noch recht wasserdurchlässig. Je tiefer der Torf liegt, desto höher ist er aber verdichtet.“ Das heißt: Nach unten sickerndes Wasser braucht bis zum Ende der Torfschicht immer mehr Zeit, um voranzukommen. Es könnte also so sein, dass der hohe Wasserstand trügt und die unteren Torflagen noch immer nicht ganz durchtränkt sind. Ob das so ist – da kann Kraatz nur spekulieren. Insgesamt sei das Moor aber auf einem guten Weg, was allerdings nicht heiße, dass die Trockenheit nicht doch nachhaltige Schäden angerichtet habe. Das sehe man aber erst nach Langzeit-Beobachtungen, sagt Kraatz.

Folgen der Trockenheit noch unklar

Erwiesenermaßen führt eine lange Trockenperiode manchmal zu Problemen im Moor. Sie kann Einflüsse auf das Abflussverhalten des Wassers haben und ebenso die Speicherkapazität des Moores beeinflussen. Ob das in der Grundlose so ist, da können wir nur abwarten“, erklärt der Biologe des Märkischen Kreises. Und auch das steht noch nicht fest: „Vielleicht sind die sehr wichtigen Torfmoose an der Oberfläche während der Trockenheit abgestorben“, überlegt Kraatz und fügt hinzu: „Sie bestimmen das Leben im Moor. Denn sie sind es, die den Torf bilden. In einem solchen Fall würde das Fehlen der Moose die Entwicklung des Moores verzögern“, erklärt der Biologe. Dennoch ist er optimistisch: „Die Moose würden sich irgendwann auch wieder in der Grundlose ansiedeln.“

Das Wasser steht fast bis zur Oberfläche. Ab Ende September ging es bergauf. Klaus Kraatz, Biologe beim Märkischen Kreis

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