Ohne Spender keine Heilung für den kleinen Leonard

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In der vergangenen Woche wurde Leonard eingeschult. Am liebsten würde er sich jetzt gerne ganz darauf und neue Freunde konzentrieren. Doch seine schwere Erkrankung wird wohl noch einige Zeit im Vordergrund stehen.

Tapfer stemmt sich der sechsjährige Leonard gegen seine Krankheit – besiegen wird er sie aber nur, wenn er Hilfe bekommt. Hilfe von einem Stammzellenspender. Und dieser wird am Sonntag in der Nachbarstadt Kierspe gesucht.

Meinerzhagen/Kierspe – Mit leichtem Schwindel hatte Leonard, der mit seinen Eltern in Meinerzhagen wohnt, bereits im vergangenen Jahr hin und wieder Probleme. Der erste Weg führte damals zum Augenarzt. Doch der konnte beruhigen, an den Augen lag es nicht. Auch alle anderen Untersuchungen des Kinderarztes waren bis dahin ohne Befund. „Aber damit konnten wir uns im Februar nicht mehr zufriedengeben. Damals war Leonard ganz blass, nahezu weiß“, erinnert sich Olga Enns an das Aussehen ihres Kindes. 

Bei einem erneuten Kinderarztbesuch bestand sie auf einer Blutentnahme und -untersuchung. Doch auch, als klar war, dass die Ergebnisse für alle drei Zellreihen des Blutes alles andere als gut waren, tippten die Spezialisten der Kölner Kinderklinik, in der sich Leonard vorstellte, auf einen Infekt. „Nach Meinung der Ärzte sollte sich der Zustand innerhalb weniger Wochen bessern“, so Enns. Doch statt einer Verbesserung kam es zu einer deutlichen Verschlechterung des Zustands. Schließlich ging es dem Kleinen so schlecht, dass er für eine Woche ins Krankenhaus musste. Erst nach zwei Knochenmarkspunktionen unter Vollnarkose stand zweifelsfrei fest, dass der Junge an MDS erkrankt ist. 

Normalerweise erkranken an dem Myelodysplastischen Syndrom Erwachsene ab 60 Jahren – und dann auch selten so schwer. Während bei leichteren Formen der MDS eine medikamentöse Behandlung möglich ist, hilft bei Leonard nur eine Stammzellenspende, die er bekommen würde, wenn sich erstens ein Spender findet und zweitens sein Immunsystem mit einer Chemotherapie komplett zerstört wird. Denn nur dann können die neuen Stammzellen ihre Wirkung entfalten. „Findet sich ein Spender, dann sind die Heilungschancen allerdings ausgesprochen gut“, erzählt Mutter Olga Enns. 

Noch ist aber kein Spender gefunden worden. Um die Chancen zu verbessern, findet am Sonntag, 8. September, von 11 bis 16 Uhr eine Typisierungsaktion im Pädagogischen Zentrum der Gesamtschule statt. Organisiert haben diese Mitarbeiterinnen der Seniorenresidenz Kierspe, denn dort arbeitet Nelli Enns, die Großmutter von Leonard. Diese Helferinnen sorgen auch für ein Büfett. Wobei sich die Menschen, die an der Registrierung teilnehmen, gar nicht lange aufhalten müssen, denn letztlich geht es nur um einen Abstrich an der Wangeninnenseite. 

„Die Zeiten, in denen wir dazu Blut entnehmen mussten, sind vorbei“, sagt Sara Tege von der Deutschen Knochenmark-Spenderdatei (DKMS). Die gemeinnützige Organisation zeichnet an dem Sonntag für die Registrierung verantwortlich. Tege weist aber auch darauf hin, dass Geldspenden ebenfalls gerne angenommen werden, da jede Typisierung 35 Euro kostet und die DKMS sich über Spenden finanziert.

Doch was, wenn bei dieser Typisierung kein Spender gefunden wird? Für die Familie heißt das, dass sie weiter mit der Ungewissheit über den Krankheitsverlauf leben muss. „Auf jeden Schmerzenslaut von Leonard reagieren wir sehr erschreckt“, sagt Olga Enns. Denn durch die Krankheit ist auch die Blutgerinnung eingeschränkt. Jede Verletzung kann eine Behandlung im Krankenhaus zur Folge haben, jede feste Berührung zieht Blutergüsse nach sich. Wöchentlich muss der Sechsjährige zur Blutentnahme. Bislang hieß das, einmal die Woche nach Dortmund in die Kinderklinik zu fahren, jetzt reicht eine Fahrt ins Klinikum nach Lüdenscheid. 

Der Kleine möchte so gerne toben, spielen wie alle anderen Kinder. Doch die Krankheit raubt ihm den Atem, die Angst vor einer Verletzung lässt ihn zurückhaltend agieren – und wenn mal nicht, dann bremsen die Eltern. Wird die Krankheit schlimmer, ist Leonard erst einmal auf Blutübertragungen angewiesen, eine medikamentöse Behandlung scheidet aus. Doch daran möchte in der Familie noch niemand denken. Viel lieber würde sie sich darauf konzentrieren, Leonard auf seinem neuen Lebensabschnitt zu begleiten, denn der Junge ist in der vergangenen Woche eingeschult worden. 

„Leonard ist so tapfer, hält beim Arzt schon seinen Arm hin, damit die Entnahme schnell erledigt werden kann“, erzählt seine Mutter. Umso passender, dass der Name Leonard auf den Begriff „Löwenmut“ zurückzuführen ist. Doch die Eltern hätten gewiss gerne darauf verzichtet, dass ihr Kind diesen Mut aufbringen muss, um gegen die Krankheit zu kämpfen.

Die Typisierung findet am Sonntag, 8. September, von 11 bis 16 Uhr im Pädagogischen Zentrum in Kierspe statt. Geldspenden sind unter dem Kennwort „VIL Leonard“ auf das Konto der DKMS möglich: DE84 7004 0060 8987 0001 21.

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