Der August entschädigte für mieses Sommerwetter

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Regen, Wind und Kälte: Gefühlt war es ein mieser Sommer, laut Statistik allerdings nicht. ▪

MEINERZHAGEN ▪ „Der August hat uns am Ende doch noch entschädigen können“, resümierte am Freitag am letzten Tag des meteorologischen Sommers 2012 der Meinerzhagener Wetterbeobachter Reinhard Hinz.

Er betreibt in Redlendorf eine von deutschlandweit rund 2000 Messstellen des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Und dessen sozusagen „amtliche“ Bilanz des zu Ende gegangenen Sommers fällt kurz und bündig so aus: „Statisch ein durchschnittlicher, gefühlt ein mäßiger Sommer.“

In der Wahrnehmung vieler Menschen war der Sommer 2012 eher eine große Enttäuschung. Tatsächlich aber war es im Vergleich zum vergangenen Jahr auch in Meinerzhagen sogar noch einer von der besseren Sorte: Auf insgesamt 451 Liter auf den Quadratmeter summierten sich im Vorjahr die von Juni bis August gefallenen Niederschläge. Dem stehen diesmal „nur“ 403 Liter gegenüber, die sich jedoch zeitlich deutlicher anders verteilten.

Juli einer der

nassesten Monate

Im Juni 2011 gab es 128 Liter, diesmal waren es 137. 147 Liter Niederschlag im Juli 2011 standen aber jetzt 201 Liter gegenüber. Somit war der Juli 2012 einer der nassesten Monate seit langem. Dass die Gesamtbilanz in punkto Regen dennoch besser ausfällt, dafür sorgte in diesem Jahr der August. Der war vor einem Jahr mit 176 Litern besonders nass, diesmal mit nur 65 Litern dafür besonders trocken! Die durchschnittliche Monatsniederschlagsmenge beträgt übrigens 120 Liter. Die heimische Region liegt aber jeweils deutlich über dem deutschlandweiten Mittelwert – so auch diesmal.

Spitzenwert exakt

32,5 Grad Celsius

Der August 2012 präsentierte sich somit tatsächlich „hochsommerlich“. An acht August-Tagen kletterte das Thermometer auf zum Teil deutlich über 25 Grad Celsius und machte diese somit auch ganz offiziell in der meteorologischen Bewertung zu „Sommertagen“. Steigt die Temperatur auf über 30 Grad, spricht man im Terminus der Wetterfrösche von einem „heißen Sommertag“. Und auch einen solchen gab es im August. Am 19. August, einem Sonntag, betrug der Höchstwert dieses Sommers an der DWD-Messstelle in Meinerzhagen-Redlendorf exakt 32,5 Grad. „Das ist aber keineswegs der Rekord,“ betont Reinhard Hinz. Den hat er in seinen Unterlagen für den 10. Juli 2010 mit 32,8 Grad festgehalten.

Von einer „tropischen Nacht“ wird übrigens gesprochen, wenn es auch nachts nicht kühler als 20 Grad wird. Das allerdings konnte an der Messstelle in Redlendorf auch in diesem Sommer nicht festgestellt werden. Dafür war am späten Abend des heißesten Tages ein ungewöhnliches Phänomen zu beobachten: Zwischen 22.30 und 23 Uhr gab es bedingt offenbar durch das Ankommen einer aus der Wüste Sahara entsprungenen heißen Strömung einen kurzzeitigen Temperatursprung von 22,5 auf 26,5 Grad. „Das fühlte sich geradezu so an, als hätte da mal jemand kurz die Backopfentür geöffnet“, erinnert sich Reinhard Hinz.

Obwohl der August relativ gesehen sehr trocken war, gab es dennoch zwei Tage mit deutlich überdurchschnittlichen Regenmengen. Das waren in Meinerzhagen der 5. August und damit ausgerechnet der Schützenfest-Sonntag mit 28 Litern und auch der vergangene Sonntag (26. August) mit 20 Litern.

Die richtige Wende

kam im August

Die vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach veröffentlichte Sommer-Bilanz 2012 kommt bezogen auf die deutschlandweite Betrachtung zu dieser Einschätzung: „Wie im Vorjahr begann der Sommer 2012 im Juni und Juli recht wechselhaft – die Sonne wurde immer wieder durch Wolken mit Schauern und Gewittern verdrängt. Die richtige Wende kam erst im August mit meist trockenem und sonnenscheinreichem Wetter und teilweise extrem hohen Temperaturen. Die statistische Bilanz weist deshalb einen durchschnittlichen Sommer aus – für viele Menschen scheint das wechselhafte Wetter eher das Gefühl vermittelt haben, der Sommer sei wieder mal ins Wasser gefallen. Tatsächlich übertrag der Sommer 2012 sein Regensoll von 239 Litern pro Quadratmeter mit ungefähr 263 um 10 Prozent. Die Niederschläge resultierten hauptsächlich aus heftigen Schauern und Gewittern, die sich im Juni und Juli in ganz Deutschland, im August vorzugweise im Süden entluden. Häufig traten in ihrer unmittelbaren Nähe auch schwere Sturmböen auf. So wurden zwischen dem 29. Juni und 7. Juli neun Menschen durch Blitze oder umstürzende Bäume erschlagen. Die größte 24-stündige Regensumme entstand laut DWD am 6. Juli in Lichtentanne westlich von Zwickau mit 81,1 Litern. Nasseste Station war Garmisch-Partenkirchen mit insgesamt etwa 656 Litern. Regionen, die nicht in den Zugbahnen der Gewitter lagen, blieben zu trocken. Dazu zählten das nordöstliche Bayern und vor allem Mecklenburg-Vorpommern. In Goldberg östlich von Schwerin fiel mit rund 131 Litern der wenigste Niederschlag.

591 Stunden

Sonnenscheindauer

Mit einer Sonnenscheindauer von 591 Stunden verfehlte der Sommer 2012 das für Deutschland typische Mittel von 604 Stunden nur um zwei Prozent. Das im Juni und Juli entstandene Sonnenscheindefizit konnte der August beinahe ausgleichen. Sonnenscheinreiche Gebiete befanden sich im Süden von Bayern und Baden-Württemberg, aber auch auf den Inseln der Ostsee. Der Münchener Flughafen meldete mit zirka 737 Stunden den höchsten Wert. Am Ende der Tabelle stehen Braunlage im Harz und der Kahle Asten im Sauerland mit jeweils nur 450 Stunden.“ ▪ von Horst vom Hofe

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