Wer kein Auto hat, hat´s schwer

Der lange Weg mit Bus und Bahn zum Impfzentrum

MVG-Auskunft per Smartphone
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Wie komme ich am schnellsten zum Impfzentrum: Die MVG bietet online Auskunft - doch die Ergebnisse sind teilweise ernüchternd.

Jetzt also erst ab 8. Februar: Die Mitteilung der Landesregierung, die Impfzentren eine Woche später als geplant zu öffnen, betrifft insbesondere die über 80-Jährigen, die nicht in einem Seniorenheim leben. Wenn es nun aber am 8. Februar im Impfzentrum in Lüdenscheid losgeht, stellt sich vielen Meinerzhagenern eine Frage: Wie komme ich dorthin?

Die Besonderheit in der Volmestadt: Mit Lüdenscheid, Attendorn und Gummersbach verfügt Meinerzhagen über gleich drei Nachbarstädte, in denen die jeweiligen Landkreise – der Märkischer Kreis, Olpe sowie der Oberbergische Kreis – Impfzentren eingerichtet haben. Ein Vorteil für die Bewohner der Volmestadt entsteht dadurch aber nicht, denn: Die Zentren dürfen nur von den Einwohnern des jeweiligen Landkreises genutzt werden. Kreissprecherin Ursula Erkens erklärt, dass die Zuweisung und die Verteilung der Impfstoffe kreisscharf erfolge. Eine Impfung außerhalb der Kreisgrenzen sei nicht vorgesehen, sagt Erkens.

Ansonsten wäre die Ortslage Breddershaus ein markanter „Grenzpunkt“ für die Wahl des nächsten Impfzentrums. Von hier aus sind es mit dem Auto über die L539 und A45 nach Lüdenscheid wie auch über die L539 nach Attendorn 18,9 Kilometer, wenngleich die Fahrt in die Bergstadt laut Google Maps eine Minute kürzer ist. Wer also westlich dieses Punktes an der Landesstraße wohnt, befindet sich näher am Impfzentrum in der Schützenhalle Loh in Lüdenscheid, östlich davon wäre Attendorn die richtige Wahl – wenn diese Möglichkeit denn überhaupt bestehen würde.

Es kommt nur ein Impfzentrum infrage

Hätte, würde, könnte – so aber bleibt Lüdenscheid der einzige Impfort, der für die Meinerzhagener und Valberter infrage kommt. Was vor allem dann zum Problem wird, wenn man auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen ist. Hier sind insbesondere die ländlichen Gebiete so schlecht versorgt, dass stundenlange Busfahrten und sogar lange Fußmärsche vonnöten sind. Wer etwa in Breddershaus wohnt und das Lüdenscheider Impfzentrum besuchen will, erreicht erst nach 1:34 Stunden sein Ziel.

Wohlgemerkt erst, wenn er zuvor mit der R61 bis zur Meinerzhagener Stadthalle fährt, von dort fünf Minuten zum Bahnhof geht, in die Regionalbahn 25 und später in Lüdenscheid in die Buslinie 37 steigt, um kurz darauf wieder die Linie zu wechseln (41) und schließlich acht Minuten vom Kluser Platz zur Schützenhalle läuft. Kein leichtes Unterfangen für Menschen jenseits der 80 Jahre.

Private Fahrten nur schwer realisierbar

Umso wichtiger könnten private beziehungsweise vereinsseitige Transfer-Angebote sein. Doch gemäß der aktuellen Corona-Schutzverordnung ist das nicht so einfach. Die Arbeiterwohlfahrt in Kierspe stellte in dieser Woche zwar einen Transport-Service für ältere Mitbürger zum Impfzentrum nach Lüdenscheid vor, doch die benachbarte Awo in Meinerzhagen sieht das kritisch. Rolf Puschkarsky, Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt in Meinerzhagen, verweist darauf, dass die Sicherheit der ehrenamtlichen Mitarbeiter weiter geschützt werden muss.

Die Awo Meinerzhagen unterhält seit vielen Jahren einen Fahrdienst für seine Mitglieder zu Ärzten und Krankenhäusern. Dabei nutzt man einen von insgesamt zehn Sponsoren finanzierten VW-Caddy. Bis zum massiven Ausbruch der Pandemie wurde dieses Angebot auch aufrecht erhalten, dann aber ausgesetzt. „Dies geschah unter der Maßgabe des Schutzes der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch durch die Corona-Schutzverordnung des Landes NRW“, so Puschkarsky.

In Absprache mit den verantwortlichen Stellen des Awo-Unterbezirkes, aber auch mit dem heimischen Vorstand, finden zur Zeit keine Fahrten zur Personenbeförderung statt. Dies werde auch weiterhin so sein, „bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir wieder Normalität in allen Bereichen des Vereinslebens erreicht haben“, erklärt der Awo-Vorsitzende. Der Vorstand bedauere dies außerordentlich, sehe sich aber in der Pflicht, seine ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterhin zu schützen. „Natürlich wäre es sehr gut, wenn wir auch mit Fahrten zum Impfzentrum helfen könnten“, erklärt Rolf Puschkarsky, „aber unter den jetzigen Bedingungen ist das leider nicht möglich“.

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