Lockerungen im Lockdown

Vorteile für Geimpfte und Genesene? „Verfrüht!“

Sind eher skeptisch, was mehr Rechte für Geimpfte und Genesene angeht: Dr. Andrea Biezynski und ihr Vater Dr, Matthias Biezynski.
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Sind eher skeptisch, was mehr Rechte für Geimpfte und Genesene angeht: Dr. Andrea Biezynski und ihr Vater Dr, Matthias Biezynski.

Dr. Matthias Biezynski ist skeptisch. Und auch seine Tochter Dr. Andrea Biezynski, mit der er an der Kampstraße eine Gemeinschaftspraxis betreibt, reagiert eher zurückhaltend.

Meinerzhagen – Beim Thema, ob Covid-19-Genesene und doppelt Geimpfte mehr Freiheiten erhalten müssen, haben sie klare Meinungen: „Beide Gruppen können noch an Mutationen erkranken. Es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die belegen, dass sie komplett geschützt sind. Ich halte diese Lockerungen für verfrüht“, sagt der Internist. Und seine Tochter pflichtet ihm bei: „Ja, wir haben Impfstoffe. Und das ist gut. Aber man sollte jetzt erst einmal Studien abwarten und sehen, wie sich die Situation entwickelt.“

An Viren geforscht

Dr. Andrea Biezynski hat sich schon in ihrer Doktorarbeit mit Viren und Mutationen beschäftigt. Damals ging es um Hepatitis C. „Da haben wir heute noch keinen Impfstoff, der vor dieser Krankheit schützt. Das Thema ist komplex“, sagt die Ärztin. Sie habe damals mit Professor Dr. Jörg Timm, Virologe an der Universitätsklinik Düsseldorf, zusammengearbeitet. „Er war mein Betreuer“, erzählt die Volmestädterin, die während ihrer beruflichen Laufbahn also früh mit dem Kampf gegen Viren beschäftigt war.

Diese Erfahrungen kommen ihr heute zugute – auch wenn es darum geht, die aktuelle Lage einzuschätzen. Nach Abwägung alle Fakten kommt sie persönlich zu dem Schluss: „Wir sollten weiter testen und nicht zu früh die Einschränkungen aufheben. Die Menschen werden bald wieder reisen, die Schulen öffnen. Für doppelt Geimpfte und Genesene fallen Tests weg. Aber auch die haben keinen Freifahrtschein. Sie können erkranken.“ Die in den vergangenen Tagen sinkenden Infektionszahlen sind nach Meinung von Dr. Andrea Biezynski auch die Folge der Ausgangsbeschränkung – und der Impfungen.

Auch Eltern impfen

Wer wann geimpft wird, auch in diesem Punkt ist die heimische Medizinerin nicht mit allem einverstanden, was die Politik vorgibt: „Es ist richtig, alle Lehrer zu impfen. Aber danach sollten auch die Eltern der Schülerinnen und Schüler an die Reihe kommen – und die Jugendlichen selbst.“ Dass diese Bevölkerungsgruppe dringend Impfschutz braucht, weiß auch ihr Vater. Er berichtet von 12- bis 13-Jährigen, die erkrankten und an Luftnot litten.

„Auch wir haben in unserer Praxis festgestellt, dass sich immer mehr junge Menschen infizieren. Die positiv Getesteten waren bei uns Jugendliche und Patienten im Alter von bis zu 50 Jahren“, zieht Dr. Matthias Biezynski ein Fazit der vergangenen Wochen. Positive PCR-Tests bei seinen Patienten gab es zuletzt einige: „An einem Tag waren es fünf“, erinnert sich der Arzt.

Verstärkt Zweitimpfungen

Auch Dr. Andrea Biezynski setzt weiter auf Immunisierungen durch Impfstoffe. Allerdings sieht sie bei diesem Thema dunkle Wolken aufziehen: „Das nächste Problem ist, dass wir mit dem angelieferten Impfstoff jetzt verstärkt Zweitimpfungen vornehmen und nicht genug da ist, um die Erstimpfungen in hohem Maße weiterzuführen.“

Außerdem, so bemängelt sie, müssten Ärzte eine „wahnsinnige Bürokratie“ erledigen. „Dafür gehen viele Stunden drauf“, musste die Medizinerin aus Meinerzhagen feststellen, die sich in diesem Punkt eine Vereinfachung der täglichen Arbeit wünscht.

Klappt es inzwischen wenigstens einigermaßen mit dem Nachschub an Impfdosen? „Wir bekommen immer noch nicht genug. Wir sind in unserer Praxis zu zweit. Jeder von uns hat maximal 36 Dosen pro Woche bekommen. Das ist nicht viel...“, sagt Andrea Biezynski.

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