Sind Pferde unterversorgt?

Tierschutzforum erhebt Vorwürfe gegen Ponyhof

Der Verein Tierschutzforum Solingen stellte dieses Fotos zur Verfügung: Es soll den desolaten Zustand einiger Tiere auf dem Hof in Hardenberg belegen.

Meinerzhagen -  Der desolate Zustand eines stark abgemagerten Schimmels mit einer offenen Wunde versetzte die Tierschützer des Tierschutzforums Solingen jetzt in Alarmbereitschaft. Das Tier habe auf einer Wiese gestanden, die zum Gelände eines Ponyhofs in Nordhellen gehört, teilten sie mit.

Sie entdeckten dort nach eigenen Angaben neben einigen weiteren mageren Tieren auch einen Westfalen-Wallach, dessen Zustand Grund zur Sorge gebe.

„Er ist ebenfalls viel zu dünn und hat eine eiternde Wunde am linken Vorderbein“, berichtet Maurice Blum vom Vorstand des Tierschutzforums. Wie die Organisation mitteilt, habe man den schlechten Zustand des Schimmels bereits im vergangenen Jahr bemerkt und daraufhin das Kreisveterinäramt informiert – ohne jedoch eine Rückmeldung zu erhalten. Nachdem sich die Befürchtungen nach einem weiteren Besuch des Geländes in Nordhellen bestätigt hätten, habe man sich erneut ans Veterinäramt gewendet, so Maurice Blum. Bis heute sei jedoch nichts geschehen.

Diese Darstellung will Kreispressesprecher Hendrik Klein so nicht stehen lassen. „Der Hof wird regelmäßig von den Mitarbeitern des Kreisveterinäramtes besucht“, versichert er. Es gebe zwar tatsächlich drei Tiere in Besorgnis erregendem Zustand, die seien aber auch schon sehr alt und krank. „Zwei von ihnen sind auf dem Hof eingestellt und gehören anderen Besitzern, ein Tier gehört dem Ponyhof“, so Klein. Gleichwohl müsse die Lage dieser Tiere verbessert werden, räumt er ein. Daher sei man derzeit intensiv darum bemüht, „alle an einen Tisch zu bringen und eine gute Lösung zu finden.“ Abgesehen von den genannten drei „Senioren“ seien die übrigen Tiere auf dem Hof in einem guten Zustand, so der Pressesprecher.

Die Inhaberin des Ponyhofs Stephanie Hensler-Günzel sieht sich als Opfer „übereifriger Super-Tierschützer“. „Alle drei Pferde sind über 30 Jahre alt“, erklärte sie im Gespräch mit der MZ. „Zwei von ihnen wurden früher als Sportpferde eingesetzt – die sehen im Alter oft schlimm aus“, so Hensler-Günzel. „So lange die Pferde laufen, sich hinlegen, fressen und sich in den Herdenverband eingliedern, sehen wir keinen Grund, sie einzuschläfern“, erklärte sie. „Der Schimmel, der den Tierschützern am meisten Sorge bereitet, galoppiert manchmal noch über die Koppel und spielt mit unseren Vierjährigen.“ Bei Verletzungen werde natürlich umgehend ein Tierarzt kontaktiert. Die Besitzerin des Schimmels habe aber nun „die Nase voll von den Nachstellungen der Tierschützer“, berichtet Hensler-Günzel. „Es ist schade, aber sie wird das Tier am Dienstag einschläfern lassen.“

Die Tierschützer glauben indes nicht, dass es sich bei den drei Tieren um Einzelfälle handelt und nur alte Tiere betroffen sind. Man habe neben den genannten weitere Pferde in schlechtem Zustand gesehen, versichert Blum. Da gebe es einen „Quarter/Araber-Mix, der in seinem mageren Zustand noch im Reitunterricht belastet wird“ und einen Norweger, der dieses Schicksal teile. Man habe zudem „eine vierjährige Dülmener-Stute mit starken Bockhufen auf den Vorderbeinen (Fehlstellung der Gliedmaßen, Anm. d. Red. ) gesehen“. Der Ponyhof in Nordhellen war bereits Ende 2013 Thema eines WDR-Berichts: Damals stand der Vorwurf im Raum, die Hofbesitzerin habe Pferde auf ihrem Gnadenhof aufgenommen und sie anschließend an einen Pferdemetzger verkauft. Die frühere Besitzerfamilie hatte sich an die Öffentlichkeit gewendet.

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