Böllerei geht nicht nur Zweibeinern auf die Nerven

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Hund Oskar der Familie Peters reagiert auf die immer noch anhaltende Böllerei gar nicht gut. Bei jedem noch so kleinen Geräusch schaut er sich ängstlich um.

MEINERZHAGEN - Das Getöse klingt nicht ab – obwohl das Jahr nun schon fast einen Monat alt ist: Immer noch hallt der Lärm explodierender Silvesterböller durch die Stadt. Insbesondere in den Abendstunden wollen einige Silvesterfreunde offenbar nicht von dem Brauch ablassen, böse Geister zu vertreiben. Dass sie damit zugleich die Polizei auf den Plan rufen, scheint ihnen egal zu sein.

Von Frank Zacharias

Nur selten erwischen die Ordnungshüter die menschlichen „Knallfrösche“ auf frischer Tat. Wenn sie den Beamten dann aber ins Netz gehen, kann der vermeintliche Böller-Spaß teuer werden. Bis zu 200 Euro Bußgeld verhängt das Ordnungsamt dann schon einmal. „Vor allem, wenn dem Erwischten das alles egal und er uneinsichtig ist, verhängen wir schon mal ein höheres Bußgeld“, sagt Ute Otto, die im Rathaus mit dem Thema „Öffentliche Sicherheit“ betraut ist.

Dass ein rigides Vorgehen gegen die notorischen Böllerfreunde nötig ist, unterstreicht auch MZ-Leserin Elke Peters. Sie ärgert sich nicht als Ratsfrau der SPD, sondern vielmehr als Hundebesitzerin über den abendlichen und sogar nächtlichen Lärm. „Kleine Kinder, ältere Menschen und auch unsere Haustiere leiden“, betont sie. Dass sie ihren Hund Oskar an Silvester Beruhigungstropfen geben muss, damit er das Geknalle psychisch schadlos übersteht, damit hat sich Elke Peters bereits abgefunden. „Viele bekannte Hundebesitzer handeln bei zu erwartendem Feuerwerk ähnlich. Auch Pferdebesitzer haben so manchen Silvesterabend schon zur Beruhigung der Tiere im Stall verbracht“, sagt sie. Ein aktueller Vorfall habe ihr nun vor Augen geführt, wie unsensibel jüngere Böllerfans mit dem Thema umgehen. „Drei Mädchen ließen nachmittags im Treppenaufgang des Blauen Hauses Böller los und machten sich nicht die geringsten Gedanken über ihr Getöse. Sowohl die Dame vor mir auf dem Gehweg, als auch die Mama mit dem Kinderwagen stimmten mir zu, als ich die Mädchen nach dem Datum fragte und mich über die Knallerei beschwerte. Die zuckten nur mit den Schultern.“

Dabei ist das Abbrennen von Feuerwerkskörpern nach Neujahr durchaus erlaubt – wenn eine entsprechende Genehmigung der Stadtverwaltung vorliegt. Im Meinerzhagener Rathaus kümmert sich Christiane Rosenberg um diese Ausnahmegenehmigungen, die immer häufiger gefragt sind. „Viele wollen Geburtstage, Jubiläen oder Hochzeiten mit einem schönen Feuerwerk abschließen lassen. Da stört auch die Gebühr nicht“, sagt Rosenberg. 60 Euro kostet eine solche Genehmigung im Normalfall. „Damit liegen wir sogar noch am untersten Ende der Skala“, weiß Rosenberg aus Gesprächen mit anderen Verwaltungen im Kreis. „Dort kostet das oft 100 Euro.“ Wie groß der Bedarf ist, zeigt ein Blick in die Statistik der vergangenen Jahre: Im vergangenen Jahr stellte Christiane Rosenberg acht Genehmigungen aus, im Jahr 2012 waren es sogar deren 17. Allerdings ist solch eine Genehmigung kein Freifahrtschein. Das Abbrennen bei extremer Trockenheit oder in waldnahe Lagen ist natürlich tabu – und auch das Treppenhaus im Blauen Haus ist für ein Feuerwerk denkbar ungeeignet und würde wohl kaum als Abbrennort genehmigt werden...

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