Silvester haben Tiere keinen Spaß

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Dr. Viktoria Alberts (links mit ihrer Dackel-Hündin Bibi) und Praxis-Mitarbeiterin Claudia Oster (mit Abby). Die beiden Vierbeiner werden Silvester ohne großen Stress überstehen.

Meinerzhagen - Es knallt, Lichtblitze zucken über den Himmel. Krieg? Nein. Silvester! Doch nicht alle Lebenwesen erfreuen sich an dem infernalischen Lärm und dem grellen Feuerwerk. Denn: Tiere können nicht unterscheiden zwischen Spaß und Ernst.

Das weiß auch die Meinerzhagener Tierärztin Dr. Viktoria Alberts. „Silvester verbreitet bei vielen Tieren Angst und Schrecken. Denn sie wissen nicht, dass das Feuerwerk ja bald wieder aufhört“, gibt sie zu bedenken. Das gelte grundsätzlich auch für alle heimischen Wildtiere.

Ein Patentrezept, wie beispielsweise der eigene Vierbeiner vor Panikattacken oder zumindest Angstzuständen geschützt werden kann, hat auch sie nicht parat. Aber einige Verhaltensregeln kennt sie natürlich dennoch: „Katzen, die Freigänger sind, sollten vorher ins Haus geholt werden. Drinnen sind sie geschützter als draußen. Hier können sie sich verkriechen.“

Die Jalousien herunterlassen

Sich als Besitzer ab Mitternacht in den eigenen vier Wänden neben Hund oder Katze zu setzen und die Tiere zu bedauern – das hält Dr. Alberts allerdings nicht für angebracht. Eher diese Maßnahmen: „Die Jalousien sollten heruntergelassen werden, man kann dann auch noch Musik anstellen, um Normalität vorzugaukeln. Tiere bleiben oft auch ruhig, wenn sie merken, dass Herrchen oder Frauchen bei dem Lärm selbst nicht in Panik geraten. Abgeschottet geht es ihnen meist besser als zitternd neben dem Besitzer auf dem Sofa.“

Als Mensch sei man mit einem Verantwortungsgefühl ausgestattet, fügt die Tierärztin an. Diese Aussage bezieht Dr. Alberts auf die grundsätzliche Frage „brauche ich die Knallerei oder nicht?“. Dass zum Jahreswechsel allerdings wieder Raketen und Böller angezündet werden, ist ihr natürlich klar – auch wenn ein Großteil der Haustiere das ihrer Ansicht nach als Bedrohung empfindet. Und noch einmal in besonderer Weise betroffen seien dann Fluchttiere wie Meerschweinchen oder Kaninchen. „Pferde auf der Weide, die im ländlichen Raum eher abseits der Stadtzentren gehalten werden, bekommen den Stress weniger mit“, weiß die Veterinärmedizinerin. Sie kennt sogar Hundebesitzer, die Silvester, rechtzeitig vor Mitternacht, ins Ebbe fahren. „Dort, in der Ruhe des Waldes, gehen sie dann mit ihrem Hund spazieren bis das alles vorbei ist.“

Können Tiere vor dem Feuerwerk eventuell mit Medikamenten ruhig gestellt werden? Grundsätzlich geht das. „Allerdings nicht kurzfristig“, warnt Dr. Alberts. Dazu müsse man sich im Idealfall schon Wochen vorher mit dem Tierarzt in Verbindung setzen, um genug Zeit zu haben, Mittel auszuprobieren. Und bei dieser Frage gebe es auch einen großen Beratungsbedarf. „Jetzt ist das für dieses Jahr meiner Ansicht nach viel zu spät“, weiß sie.

Immerhin: Verletzungen durch Feuerwerk musste sie bei Tieren in ihrer Praxis Zum Eickenhahn noch nie behandeln. „Ich kenne allerdings einen Fall, in dem ein Hund in der Wohnung Silvester außer Kontrolle geraten ist. Er hat Sachen regelrecht abgeräumt und sich dabei einen Handtuchhalter in die Muskulatur gerammt. Das Tier wurde genäht und alles war wieder gut. Der Besitzer hatte nicht beachtet, dass der Hund während des Feuerwerkes nicht allein in der Wohnung gelassen werden sollte.“

Verhalten ist eine Charakterfrage

Grundsätzlich, so Dr. Alberts, hänge das Verhalten des Tieres aber auch mit dem jeweiligen Charakter zusammen. „Es gibt Tiere, die besitzen eine innere Ruhe. Wenn die sehen, dass Herrchen nicht in Panik gerät, merken sie selbst recht schnell ,mir passiert auch nichts’. Und dann sind da noch diejenigen, die in ihrem Leben gelernt haben, dass sie in bestimmten Situationen Angst haben müssen“, erklärt die heimische Tierärztin mit verhaltenstherapeutischer Ausbildung. Bei letztgenannten ist gerade heute Nacht natürlich besonders auf die Einhaltung bestimmter Regeln zu achten.

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