Appell an heimischen Einzelhandel

Deutliche Worte beim Wirtschaftsgespräch der SIHK

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Richard Hussmanns berichtete über Perspektiven der Firma Fuchs, bemängelte aber auch die Attraktivität der Stadt für Mitarbeiter.

Meinerzhagen - So viel hat die Firma Otto Fuchs noch nie investiert: Richard Hussmanns, Mitglied der Geschäftsleitung, vermeldete am Mittwoch im Rahmen des SIHK-Wirtschaftsgesprächs im Rathaus einen Rekord – und blickte zudem in eine „äußerst positive Zukunft“. Doch auch mit Kritik sparte er nicht.

Als Moderator des regelmäßig von der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) ausgerichteten Wirtschaftsgesprächs führte Hussmanns durch eine Veranstaltung, die mehr als 40 Unternehmer und Politiker in den Ratssaal gelockt hatte. Nicht unbemerkt blieb für den Fuchs-Geschäftsleiter indes, dass darunter nur wenige Einzelhändler waren – denn gerade von ihnen erwartet Richard Hussmanns offenbar mehr Engagement. „Wir arbeiten an unserer Arbeitgebermarke und haben in der Region auch eine gewisse Sogkraft. Leider wohnen die meisten unserer jungen Akademiker aber nicht in Meinerzhagen, weil die Stadt nicht genügend Attraktivität ausstrahlt“, sagte das Mitglied der SIHK-Vollversammlung. Die Wahl anderer Orte wie Köln, Dortmund oder Olpe als Wohnsitz sei dabei durchaus verständlich, „wenn mann durch die traurige Einkaufszone geht“, so Hussmanns. „Da ist noch viel Luft nach oben. Aber wenn man einerseits meckert und das Geschäft dann schon um 18 Uhr schließt, ist das auch nicht gerade das Richtige“, appellierte Hussmanns an den heimischen Handel, seinen Teil für eine Attraktivitätssteigerung der Innenstadt beizutragen.

Dass aber auch das Unternehmen durchaus ein Gradmesser für die Lebensqualität in Meinerzhagen ist, dessen ist sich Richard Hussmanns bewusst: Mit 2800 Mitarbeitern hat die Firma Fuchs wesentlichen Anteil am Gemeinwohl – umso sehr freute er sich über eine äußerst positive Geschäftsentwicklung. So rechnet das Unternehmen für das Jahr 2016 mit einem Umsatzplus von vier Prozent. Und der Trend sei weiterhin positiv – unabhängig von dem drohenden Protektionismus durch die USA oder die Umwandlung des VW-Konzerns. Gerade der Umschwung in Richtung Elektromobilität eröffne Otto Fuchs Perspektiven, „denn wer ein E-Auto baut, muss in die Leichtbau-Schublade greifen“, sagte Richard Hussmanns, „und da sind wir bekanntlich gut aufgestellt.“ Dass in der Luft- und Raumfahrtbranche zudem ein Auftragsbestand von bis zu zehn Jahren in den Büchern stehe, sei ebenfalls ein Grund für Optimismus. 

Und der spiegelt sich auch in der Investitionstätigkeit von Otto Fuchs wider: Das Unternehmen investiere im laufenden Jahr elf Prozent (!) seines Umsatzes, „im kommenden Jahr werden es noch mehr sein“, kündigte Hussmanns an. „Wir befinden uns der Mitte eines Investitionsprogramms, wie es das in der Firmengeschichte noch nie gab.“

Wie berichtet, zählen unter anderem die neue Fertigungshalle an der Straße Im Tempel, die Erweiterung im Gewerbegebiet Grünewald und der Bau der Großpresse in Kalifornien zu den Projekten, die Fuchs derzeit antreibt. Die Presse, über deren Standort zwischenzeitlich diskutiert wurde (die MZ berichtete), soll zum Jahreswechsel 2017/18 in Betrieb gehen.

„Damals war die Entscheidung für den Standort in Kalifornien die richtige“, betonte Richard Hussmanns, der erneut auf die hohen Energiekosten nicht zuletzt durch die EEG-Umlage (Erneuerbare-Energien-Gesetz) einging. Derzeit würden „protektionistische Tendenzen in den USA“ einige Kunden jedoch aufschrecken.

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