Forstwirtschaft steht vor dem Umbruch

Die Forstbeamten referierten im Rahmen der Hauptversammlung. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Bei der Jahreshauptversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft machte sich Unmut Luft. Der Fokus der Gesellschaft liege zunehmend darauf, was in der Umwelt, Landschaft, Forstwirtschaft und Jagdwesen geschieht. Die Struktur des Waldes in NRW sei in der Diskussion.

Die Sichtweisen der Politik darauf, „wie Sie hier wirtschaften“, erläuterte Hans Püttmann, Fachbereichsleiter im Landesbetrieb Wald und Holz. Für dessen Leiter Andreas Wiebe sprach der Referent bei der Jahreshauptversammlung der hiesigen Forstbetriebsgemeinschaft (FBG).

Die Gesichter der Revierförster Herbert Röttger und Uwe Treff sowie Forstamtsleiter Bernd J. Schmitt erstarrten währenddessen in Ausdruckslosigkeit; die der Waldbesitzer auch. Die von den Forstbeamten zuvor abgegebenen Berichte entsprachen, abgesehen vom Zahlenwerk, jenen, die bei der FBG-Valbert zur Kenntnis gebracht wurden (wir berichteten).

Der Landesbetrieb habe in den letzten Jahren Minus gemacht, bilanzierte Püttmann. „Düsseldorf gibt insgesamt 20 Millionen Fördermittel. Was will der Staat dafür wiederhaben? Einen ordentlich gepflegten Wald!“ Viele Menschen lebten in Ballungsgebieten; sie machten Druck auf die Politik, die Steuermittel entsprechend ihren Vorstellungen multifunktional einzusetzen. „Die Erwerbsforstwirtschaft hat es in NRW verhältnismäßig schwer. Sie sind hier in der Kampfzone zwischen Forstwirtschaft und Tourismus. Und: Tun Sie nichts an der Pflege des Laubholzes? Die Vermarktung von Hackschnitzeln gewinnt an Bedeutung, die Rohstoffnachfrage steigt weltweit, die Sägewerker suchen Holz für den Export. Sie müssen mehr Eigenverantwortung bei der Bewirtschaftung der Flächen übernehmen. Sie werden künftig Mitspieler aus dem Naturschutz haben. Der Bezug des Eigentümers zu seiner Fläche schwindet. Es gibt zwar derzeit keinen Landeshaushalt; die Novellierung der Natur- und Landschaftsgesetze mit Schwerpunkt Biodiversität steht dennoch an.“ Das bedeute: Holzeinschlag nur noch zu bestimmten Jahreszeiten. Die Waldbesitzer sollten sich neue Partner suchen, etwa für die Holzvermarktung. „Haben Sie mal an eine Fusion der FBGen, an die Mitgliedschaft in einer forstwirtschaftlichen Vereinigung oder die Bildung von Waldgenossenschaften gedacht? Alle diese Modelle werden in Düsseldorf durchgespielt, die Vielfalt wird mehr. Werden sich die Rahmenbedingungen ändern, sollten Sie dafür gewappnet sein. Die Entwicklung ist vollkommen offen. Wir bieten noch eine flächendeckende Betreuung; wir hoffen, dass das so bleibt. Wir werden auch weiterhin ein verlässlicher Partner sein. Der Förster wird bleiben, schon wegen der Sicherheit.“ Doch die Frage stehe im Raum: Welche Art von Forstwirtschaft wird noch die Akzeptanz der Bevölkerung finden?

„Sehen Sie darin eine Chance oder eine Bedrohung?“ Ein Waldbesitzer machte seinem Unmut Luft: „Für mich hat die Wirtschaftlichkeit Vorrang. Ich bin nicht bereit, mein Eigentum auf meine Kosten als Erholungsraum für die städtische Bevölkerung vorzuhalten. Die können sich in Stadtparks und auf Uferpromenaden erholen. Schon das allgemeine Waldbetretungsrecht war eine Beschneidung des Eigentumsrechts; das soll wohl weiter unterlaufen werden.“ Püttmann konterte: „Das Betretungsrecht des Waldes haben sich die Waldbesitzer seinerzeit abkaufen lassen. Sie kriegen die Leute heute nicht mehr aus dem Wald.“ ▪ as

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