Vier Jahre Haft für Reitstall-Betreiber

Zu vier Jahren Haft wurde der Betreiber eines Reitstalls verurteilt. Das Landgericht Hagen war „mit Sicherheit überzeugt, dass es mehrere sexuelle Übergriffe des Angeklagten gegeben hat“. - Symbolfoto

Meinerzhagen - „Mit Sicherheit überzeugt, dass es mehrere sexuelle Übergriffe des Angeklagten gegeben hat“, zeigte sich die 1. große Strafkammer des Landgerichts Hagen nach fünf Verhandlungstagen. Sie verurteilte den Betreiber eines Reitstalls in Meinerzhagen am Mittwoch wegen sexuellen Missbrauchs in fünf Fällen, von denen drei als „schwer“ eingestuft wurden, zu einer Haftstrafe von vier Jahren.

Von Thomas Krumm 

Bis zur Schlussberatung des Gerichts gingen die Meinungen unter den beteiligten Juristen weit auseinander: Verteidiger Lutz Mollenkott beantragte einen Freispruch für seinen Mandanten, Staatsanwältin Bettina Hirschberg nahm die Entscheidung des Gerichts mit ihrem Antrag auf vier Jahre Haft vorweg.

Die Kammer machte es sich nicht leicht mit ihrer Entscheidung: In einer fast einstündigen Urteilsbegründung erklärte der Vorsitzende Richter Marcus Teich, warum das Gericht den beiden Belastungszeuginnen und nicht dem 65-jährigen Angeklagten glaubte, der sich als Opfer eines Komplotts dargestellt hatte.

Strafrechtliche Konsequenzen hatten allerdings nur die sexuellen Übergriffe gegenüber einem der Mädchen. Das Gericht hielt es zwar für wahrscheinlich, dass es auch Vorfälle zum Nachteil der zweiten Belastungszeugin gegeben habe. Doch es folgte der Skepsis der Psychologin Dr. Cornelia Orth, die sich gewundert hatte, dass das Mädchen erstmals vor Gericht von wiederholtem Geschlechtsverkehr mit dem Angeklagten berichtet hatte. Das säte aus aussagepsychologischer Sicht Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Aussagen dieser Zeugin. In allen Anklagepunkten, die dieses Mädchen betrafen, wurde der Angeklagte deshalb freigesprochen.

Der Vorsitzende Richter Marcus Teich machte aber deutlich, dass die Kammer der Aussage ihrer Leidensgefährtin uneingeschränkt glaubte. Die Zeugin habe einen „sehr überzeugenden Eindruck“ gemacht. „Es war deutlich, dass es ihr alles andere als leicht gefallen ist, über diese Dinge zu sprechen.“ Neben detaillierten Berichten über die Ereignisse habe die junge Frau auch ihr inneres Erleben geschildert. Für den Angeklagten entlastende Umstände seien in einer ausgedachten Aussage nicht zu erwarten. Ausführlich setzte sich der Richter mit den Fragen der Aussageentstehung und möglicher Gründe zu einer Falschaussage auseinander und widersprach Verteidiger Lutz Mollenkott, der all diese Argumente in seinem Plädoyer noch einmal zusammengetragen hatte. „Wir haben keine Anhaltspunkte für eine bewusste Falschaussage“, sagte Richter Marcus Teich – obwohl es nach schwerwiegenden Konflikten zwischen den Beteiligten in der Reitanlage durchaus Gründe für solche Falschaussagen hätte geben können. Anzeichen für eine Beeinflussung der Hauptbelastungszeugin durch die Erwachsenen sah die Kammer aber nicht.

Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Verteidiger Lutz Mollenkott kündigte an, das Urteil durch den Bundesgerichtshof überprüfen zu lassen.

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