53-Jähriger soll sich an Stieftöchtern vergangen haben

Vor dem Landgericht Hagen wird derzeit ein Fall verhandelt, bei dem es um sexuellen Missbrauch geht. - Symbolfoto

MEINERZHAGEN - Im Strafprozess gegen einen 53-jährigen Angeklagten, dem sexueller Missbrauch seiner beiden Stieftöchter vorgeworfen wird, haben Zeugen die Angaben der Geschädigten jetzt als glaubwürdig eingeschätzt. „Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass da eine erprobte Geschichte erzählt wird“, äußerte ein 48-jähriger Ermittler mit dem Schwerpunkt Sexualdelikte.

„Ich mache den Job schon relativ lange, und ich habe keine Lust, mich vereinnahmen zu lassen.“ Eine fast unhörbare Bemerkung machte deutlich, dass dieser „Job“ kein ganz einfacher ist: „Ich mache das schon wirklich lange Zeit – länger als mir lieb ist.“ Bei der Vernehmung der beiden Geschädigten habe er „keine erheblichen Zweifel“ an der „sehr gefasst“ vorgetragenen Darstellung gehabt, erinnerte sich der Zeuge genau. „Das sind emotionale und anstrengende Sachen für die Frauen, die da sitzen.“

Deutlich wurde in den Vernehmungen, dass eine der beiden Schwestern sich offenbar mit erheblicher Widerstandskraft den Annäherungen ihres Stiefvaters widersetzt hatte. „Sie hat sich gewehrt, gekratzt und gekniffen und ihm gesagt, dass sie sich das nicht gefallen lassen würde“, erinnerte sich der Ermittler an ihre Aussage. „Sie drohte, dass sie das allen erzählen würde.“ Der Stiefvater soll daraufhin damit gedroht haben, dass in diesem Fall „die ganze Familie kaputtgehen würde“.

Für seinen Widerstand zahlte das Mädchen einen hohen Preis: Das Verhältnis zu seinem Stiefvater war in der Folge sehr schlecht. Und sie hatte nach den Drohungen „Angst, alles zu sagen“. Bei der Polizei gestand sie, ihren Stiefvater „abgrundtief gehasst“ zu haben. In dieser Gefühlslage kam es zu einer dramatischen Zuspitzung, die sie selber so schilderte: „Ich habe ein Messer genommen und wollte es ihm in den Bauch stoßen.“ Ihre Mutter und ihre jüngere Schwester hielten sie davon ab. Die Mutter soll aber ihrerseits erstmals sehr ungehalten gewesen sein: „Sie verprügelte den Angeklagten, schmiss ihn aus der Wohnung und ließ ihn bei seinen Eltern wohnen.“

Zuvor soll der Angeklagte seiner jüngeren Stieftochter nach der Abfuhr durch ihre Schwester mit mehr „Erfolg“ nachgestellt haben.

Als die beiden Mädchen zur Polizei kamen, berichteten sie auch davon, dass er „wirklich alles mit ihr gemacht“ habe. Die Mutter, die sich zum Verhandlungsauftakt hinter ihre Töchter stellte, hatte „Angst, dass ihr die Kinder weggenommen werden könnten“. Offenbar war das einer der Gründe, warum sie bis zum Zeitpunkt der Anzeige über die Geschehnisse geschwiegen hatte.

Auch der Umzug mit ihren Kindern von Meinerzhagen nach Dortmund im Jahr 2001 brachte keine dauerhafte Verbesserung. Der Angeklagte kam hinterher, schlief vor dem Haus in seinem Auto und nahm sich schließlich eine Wohnung im gleichen Haus. Die Fortsetzung formulierte ein weiterer Ermittler mit hörbarem Kopfschütteln: „Komischerweise hat sich die Mutter wieder mit dem Vater angefreundet.“

Der Prozess vor dem Hagener Landgericht wird in der nächsten Woche mit der Vernehmung der Hauptgeschädigten fortgesetzt. - thk

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