„Sekundarschule ist nicht die Lösung aller Probleme“

Im Schulzentrum Rothenstein soll anstelle von Haupt- und Realschule künftig die neue Schulform Sekundarschule angeboten werden. ▪ Archivfoto

MEINERZHAGEN ▪ Die Weichen sind gestellt. Ab dem Schuljahr 2013/14 soll in Meinerzhagen die neue Schulform „Sekundarschule“ eingerichtet werden. Sie wird die dann regulär mit den Jahrgängen ab Klasse 6 auslaufenden Schulformen Haupt- und Realschule ablösen. Statt eines bisher dreigliedrigen Schulsystems soll im Rahmen des sogenannten „Meinerzhagener Schulkonsens’“ ein dann zweigliedriges System entstehen: Mit der Sekundarschule und allen Abschlüssen bis Jahrgangsstufe 10 sowie der Möglichkeit des anschließenden Übergangs auf eine weiterführende Schule mit Fachhochschul- oder Hochschulreife sowie dem Evangelischen Gymnasium Meinerzhagen als Oberschule.

Das Ergebnis einer von der Stadt Meinerzhagen als Schulträger durchgeführten Elternbefragung für das mögliche Schulwahlverhalten nach Beendigung der Grundschulzeit ergab eine mehrheitliche Befürwortung der Sekundarschule (wir berichteten). Voraussetzung für deren Einführung sind allerdings beim Anmeldeverfahren für das in Rede stehende Schuljahr mindestens 75 verbindliche Anmeldungen. Wird dies erfüllt, kann die Sekundarschule wie geplant im Schulzentrum Rothenstein mit der Jahrgangsstufe 5 an den Start gehen.

So alternativlos der Abschied von der Hauptschule ist, für deren Fortführung nach nur noch sechs Anmeldungen für das Schuljahr 2012/13 auf Anordnung der Bezirksregierung Arnsberg nunmehr keine Grundlage mehr gegeben ist, die damit abgewickelt und mit turnusmäßigem Auslaufen der noch vorhandenen Schülerjahrgänge geschlossen werden muss, so schwer fällt offenbar nicht Wenigen der Gedanke vom Abschied von der Realschule.

Mit aktuell rund 550 Schülern und einer durchgängigen Dreizügigkeit, teilweise sogar Vierzügigkeit, ist diese Schule eigentlich auf lange Sicht lebensfähig und vom Bestand her gesichert. Und auch das hat die von der Stadt durchgeführte Elternbefragung ergeben: Bei der Frage, für welche Schulform sie ihr Kind anmelden würden, wenn es in Meinerzhagen keine Sekundarschule geben würde, entschied sich in allen drei in Frage kommenden Grundschuljahrgängen eine Mehrheit der Eltern für die Realschule. In der Jahrgangsstufe 3 beispielsweise sah das Ergebnis so aus: Nur zwei Eltern würden die Hauptschule wählen, 38 sich für die Gesamtschule entscheiden, 76 für das Gymnasium, aber 91 und damit die meisten Eltern für die Realschule.

Auf diesen Umstand und viele weitere Argumente „pro Realschule“ machten in einer auf Anregung des scheidenden Realschulleiters Peter Regali zusammengekommenen Gesprächsrunde mit der Meinerzhagener Z Vertreter des Realschul-Kollegiums aufmerksam, die sich als Mitglieder des Leitungsteam im Lehrerrat oder auch in anderer Funktion, zum Beispiel als Fachbereichsleiter, aktiv an dem zurzeit laufenden Beratungsprozess zur künftigen Schullandschaft in Meinerzhagen beteiligen. Gesprächsteilnehmer waren neben dem Schulleiter die Pädagogen Bärbel Wewer, Karin Arnold, Stefan Wennemann, Rolf Weber und Joachim Maslo.

„Irgendwie kommen wir uns ja vor wie die Bewohner des kleinen gallischen Dorfes, die sich noch allein auf sich gestellt beharrlich der römischen Besatzungsmacht entgegenstemmen“, verdeutlichte in der Runde Schulleiter Peter Regali die in seinem Kollegium mehrheitlich herrschende aktuelle Gefühlslage. Rolf Weber, Koordinator für die Klassen 9 und 10, würde sogar so weit gehen und die Empfehlung aussprechen, dass sich möglichst viele Eltern auch bei der nächsten Anmelderunde für die Realschule statt der Sekundarschule entscheiden. „Vielleicht könnten wir damit die Einführung dieser neuen Schulform wenn nicht verhindern so doch aufschieben“, so seine ganz persönliche Meinung in der Runde. Dass durch solch eine Entwicklung indes die Problematik der künftig entfallenden Hauptschule nicht gelöst werden könnte, ist indes allen Beteiligten auch bei der Realschule klar.

Peter Regali bringt es so auf den Punkt: „Es wird derzeit in der öffentlichen Diskussion in Meinerzhagen der Eindruck erweckt, als wäre die Einführung der Sekundarschule die Lösung aller Bildungsprobleme. Das sieht unser Kollegium und das sehen, wie wir wissen, auch zahlreiche Eltern ganz anders. Wir sagen klipp und klar: Wir sind in Sachen Sekundarschule nicht Feuer und Flamme – im Gegenteil: Wir bedauern das mit der jetzt angestrebten Lösung verbundene Aus für die Realschule auf das Äußerste!“ Ebenso eindeutig aber ist für Regali wie auch die Mehrheit seines Kollegiums die Erkenntnis: „Wir werden uns am Ende nicht gegen die vorgezeichnete Entwicklung mit Einführung der Sekundarschule wehren können.“ Kritisiert wird die aus Sicht der Realschule „einseitige“ Darstellung und Interpretation des Zahlenmaterials. Dass die Realschule, wie sich gezeigt habe, „am Ort nach wie vor die gefragteste Schule ist, sie die größte Akzeptanz genießt“, sei in der Diskussion im Schulausschuss leider nicht thematisiert worden.

Woran es den Akteuren der Realschule im jetzt anstehenden Verfahren besonders ankommt, bringt das Leitungsteam im Gespräch mit der MZ so auf den Punkt: „Wir wollen in der künftigen Sekundarschule soviel Realschul-Elemente wie möglich erhalten!“ Eine der Grundforderungen seitens der Realschule ist daher auch, dass die Organisationsform der neuen Sekundarschule nach der verbindlichen Doppeljahrgangsstufe 5 und 6 mit gemeinsamem Lernen ab der Klasse 7 eine „kooperative“ Ausrichtung haben sollte. Im Klartext: Kein integrativer, schulformübergreifender Unterricht, sondern klassenweise nach Schulformen getrennt Unterricht und Förderung. Und auf keinen Fall möchte man, vor allem aus Rücksicht auf den bei vielen Eltern von Kindern an der Realschule vorherrschenden Willen, einen durchgängigen Ganztagsunterricht. „Wir wären dann am Ende eigentlich keine neue Schule, sondern so etwas wie eine ‘Gesamtschule light’, so Peter Regali.

Seitens der Realschul-Vertreter besteht die ausdrückliche Bereitschaft, in dem jetzt noch anstehenden Prozess mit der Ausarbeitung eines umfassenden Schulkonzepts aktiv und konstruktiv mitarbeiten zu wollen. Es wird an die Adresse von Rat und Verwaltung der Stadt angemahnt, „die an einen Tisch zu holen, die künftig auch in der neuen Sekundarschule zum Wohl der Kinder zusammenarbeiten sollen“, so wörtlich.

Für den Schulausschuss, der sich nach bisherigem Fahrplan nach der Sommerpause wieder intensiv mit dem Thema beschäftigen soll, bleibt erkennbar noch einiger Beratungs- und Abstimmungsbedarf, ehe wie geplant der Rat per Beschluss das formelle Antragsverfahren für die Einführung der Sekundarschule ab August 2013 bei der Bezirksregierung innerhalb der dafür vorgegebenen Frist bis zum 31. Dezember 2012 in Gang setzt. Und dann haben im Februar 2013 die Eltern des Grundschul-Entlassjahrgangs das letzte Wort im Rahmen der anstehenden Anmeldephase für das nächste Schuljahr. ▪ -fe

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